Banken schummeln mit Diagrammen

Immer steil aufwärts: Die Darstellungen von Ergebnissen von Banken sind gemäss einer Studie der ZHAW häufig stark verzerrt.  (Symbolbild)
Immer steil aufwärts: Die Darstellungen von Ergebnissen von Banken sind gemäss einer Studie der ZHAW häufig stark verzerrt. (Symbolbild) © KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI
Diagramme über den Geschäftsverlauf sind an Analysten- und Medienkonferenzen ein zentraler Teil der Finanzkommunikation. Doch ein grosser Teil der Darstellungen genügen selbst elementaren Anforderungen nicht, zeigt eine Studie der ZHAW.

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat bei der Analyse der Präsentationen der 19 grössten Banken in der Schweiz verschiedene Tricks entdeckt, derer sich die Banken bei der Darstellung ihres Geschäftsverlaufs bedienen.

So waren 77 Prozent der 425 untersuchten Diagramme so stark verzerrt dargestellt, dass der visuelle Eindruck deutlich von den effektiven Zahlen abwich, wie die ZHAW in einer Mitteilung vom Montag schreibt. Dabei fanden sich bei fast allen Banken Diagramme mit abgeschnittenen Skalen, womit sich positive Entwicklungen optisch noch positiver darstellen lassen.

Weit verbreitet sind auch unterschiedliche Skalen für die gleichen Grössen, was ein Vergleich erschwert. In der Hälfte der Präsentationen wurden sogar unterschiedliche Skalen auf den gleichen Folien verwendet.

Wachstum und positive Aussagen dominieren

Der Drang der Finanzinstitute, sich im besten Licht zu präsentieren, wirkt sich gemäss der Studie aber auch ganz direkt auf die Auswahl der Darstellungen aus. So überwiegen Diagramme mit positiver Aussage stark. Dabei konnte auch kein Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg und dem Anteil der positiven Diagramme festgestellt werden. Zudem bezieht sich die Hälfte aller Diagramme auf die Wachstumsgrösse, jedoch nur ein Viertel auf die geschäftlich entscheidende Entwicklung der Profitabilität und der Kosten.

Ebenfalls sehr beliebt bei den Banken ist gemäss der ZHAW, die dargestellte Zeitperiode bei den Diagrammen unterschiedlich zu wählen. Von den 19 untersuchten Banken verwendeten nur gerade zwei Banken für Mehrjahresvergleiche immer die gleiche Zeitachse. So entstehe gemäss den Studienautoren der Verdacht, dass durch die gezielte Auswahl des Vergleichszeitraums die Entwicklung möglichst positiv dargestellt wird.

“Glaubwürdigkeit wird aufs Spiel gesetzt”

Dabei gibt es gemäss der ZHAW für die Darstellung von Geschäftsergebnissen sehr wohl anerkannte Grundsätze und Standards. So sei beispielsweise die International Business Communication Standards (IBCS) für die Gestaltung von Geschäftsdiagrammen ein guter Leitfaden. Die Finanzinstitute halten sich jedoch in der Mehrheit nicht daran.

“Bei allem Verständnis für das Bestreben, die Resultate im besten Licht darzustellen, überrascht doch, dass die Glaubwürdigkeit mit unprofessionellen oder gar irreführenden Diagrammen leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird”, lässt sich dazu ZHAW-Forscher Martin Lüthy in der Mitteilung zitieren.

Die Studie listet neben den Darstellungssünden der Banken auch deren Auslassungen bei der Präsentation auf. So wären gemäss der ZHAW Vergleiche mit Zielwerten sowie Quervergleiche mit anderen Banken oder Branchenkennzahlen besonders aufschlussreich. Doch solche Vergleiche würden von den untersuchten Banken kaum präsentiert. Gleiches gelte auch für Ziel- und Planwerte.

Ausser vereinzelten Darstellungen bezüglich der voraussichtlichen Entwicklung der Eigenkapitalsituation stellten nur vier Banken den aktuellen Resultaten Budgetwerte für das nächste Jahr oder die folgenden Jahre gegenüber.

Die ZHAW verweist hier auf die gestiegene Bedeutung solcher Zielsetzungen. Mit der Umsetzung der Minder-Initiative werde nämlich in vielen Unternehmen im Voraus über die Vergütung der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates abgestimmt. Ohne Budgetkenntnis erfolgten diese jedoch ohne Kenntnis der Sachlage. Es sei aus diesem Blickwinkel nicht verständlich, warum diese relevanten Informationen den Investoren und Analysten vorenthalten werden, schreiben die Studienautoren.

(SDA)


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