Die Vielfalt der Amphibien fasziniert

Viele Amphibien sind vom Aussterben bedroht, darunter auch der Goldene Pfeilgiftfrosch. Der Zoo Zürich, in dem dieses Exemplar zuhause ist, unterstützt daher ein Schutzprojekt in Kolumbien.
Viele Amphibien sind vom Aussterben bedroht, darunter auch der Goldene Pfeilgiftfrosch. Der Zoo Zürich, in dem dieses Exemplar zuhause ist, unterstützt daher ein Schutzprojekt in Kolumbien. © KEYSTONE/WALTER BIERI
Sie sind nur wenige Millimeter gross oder bis zu eineinhalb Meter lang, sie legen Eier oder gebären lebende Junge, leben im Wasser oder auf Bäumen, sind grell gefärbt oder gut getarnt. Amphibien faszinieren durch ihre Vielfalt, Entzücken lösen sie eher selten aus.

Aber nicht nur die Artenvielfalt der Amphibien ist spannend, sondern auch die verschiedenen Anpassungen an diverse Lebensräume und die innovativen Lösungen für die Fortpflanzung, wie Robert Zingg, Kurator des Zoo Zürich, am Mittwoch erklärte.

Ganz klar: Amphibien fehlt der “Jöh-Faktor” und ausserdem wissen die meisten Leute nicht allzu gut Bescheid über sie. Dabei tragen die Tiere mit rund 7500 Arten viel zur Biodiversität bei. Unterschieden werden drei Ordnungen: Froschlurche, Schwanzlurche und Schleichenlurche.

Pfeilgiftfrösche füttern ihre Jungen

Allen Amphibien gemeinsam ist, dass sie mehr oder weniger stark an Feuchtigkeit gebunden sind. Gemäss ihrem Namen “auf beiden Seiten lebend” haben sie das Erbe ihrer aus dem Wasser stammenden Vorfahren bewahrt. Bekannte einheimische Froschlurche sind Grasfrosch, Erdkröte oder Gelbbauchunke.

Ihr Fortpflanzungsmuster funktioniert nach demselben Schema: Die Eier werden mit äusserer Befruchtung im Wasser abgelegt. Es folgt ein Larvenstadium mit Kaulquappen, die durch Kiemen atmen und schliesslich die Metamorphose zu einem an Land lebenden Tier, das mit Lungen atmet.

Doch auch in dieser mit rund 6500 Arten grössten Ordnung haben sich daneben diverse Varianten entwickelt, wie etwa verschiedene Formen der Brutpflege. So legt der Antillen-Ochsenfrosch seine Eier an Land in einem Schaumnest ab.

Pfeilgiftfrösche verteilen ihre Kaulquappen in Kleinstgewässer und füttern sie anschliessend. Und bei einigen Arten erfolgt die Entwicklung im Ei und es schlüpft ein fertiges Fröschchen.

Salamander mit zwei Gebärmüttern

Die zweitgrösste Ordnung sind mit rund 700 Arten die Schwanzlurche, zu denen etwa der hiesige Feuersalamander gehört. Eine besondere Art der Fortpflanzung hat etwa der Alpensalamander entwickelt und sich damit unabhängig gemacht von einem Gewässer. Das Weibchen hat zwei Gebärmütter, in denen sich in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren jeweils ein Jungtier entwickelt.

Der mexikanische Querzahnmolch Axolotl dagegen wird gar nie erwachsen. Er verharrt in einem Jugendstadium mit Kiemen und pflanzt sich in diesem Stadium fort. Unter den Schwanzlurchen finden sich auch die grössten Amphibienarten: Riesensalamander aus China und Japan können bis zu 1,5 Meter lang werden.

Lebensweise wenig erforscht

Die seltsamsten und unbekanntesten Amphibien finden sich jedoch innerhalb der dritten Ordnung der Schleichenlurche, die auch Blindwühlen genannt werden. Blind sind sie allerdings nicht. Die Augen sind nur stark zurückgebildet.

Schleichenlurche haben keine Gliedmassen und erinnern eher an Würmer oder Schlangen. Im langgestreckten Körper ist für zwei Lungenflügel zu wenig Platz, so dass sich einer zurückgebildet hat und der andere stark verlängert ist.

Blindwühlen werden bis zu 135 Zentimeter lang und leben meist in weicher Erde oder Laub. Es gibt jedoch auch Wasserbewohner, die sogenannten Schwimmwühlen. Die rund 200 verschiedenen Arten sind meist lebendgebärend. Die Jungtiere durchlaufen die Entwicklungsschritte im Eileiter.

Über Blindwühlen ist relativ wenig bekannt. “Ihre Lebensweise macht es schwer, Daten zu sammeln,” sagte Zingg. Immerhin weiss man, dass einige sehr alt werden können, nämlich bis zu 80 Jahre. Mit den Blindschleichen sind sie übrigens nicht verwandt. Diese gehören zu den Reptilien.

Rund ein Drittel aller Amphibienarten ist bedroht, rund 100 Arten sind in den vergangenen 25 Jahren ausgestorben. Grund dafür sind Zerstörung der Lebensräume, der Klimawandel, eingeschleppte Tierarten oder Infektionen mit einem für Amphibien tödlichen Chytrid-Pilz. Der Zoo Zürich unterstützt daher ein Amphibien-Schutzprojekt in Kolumbien.

(SDA)


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