Die Welt landet in Altenrhein

Rund 200 Flugzeuge landen in Altenrhein für das WEF.
Rund 200 Flugzeuge landen in Altenrhein für das WEF. © Raphael Rohner / FM1Today
In diesen Tagen werden wegen des WEFs mehrere hundert Privatjets auf dem Flugplatz Altenrhein landen. Für das Personal bedeutet das vor allem Stress und Trubel. Davon lassen sie sich jedoch nicht beeinflussen. Die vielen Jets locken auch Fliegerfans an. Ein Augenschein.

Es ist kurz nach Mittag und im dunkelgrauen, von Regenwolken verhangenen Januarhimmel über dem Bodensee glimmen die Lichter eines landenden Privatjets auf. «Der ist aus England», mutmasst ein Tankwart des Flughafens Altenrhein zu seinem Kollegen, der den Funk abhört. Dort heisst es im Minutentakt, welcher Flieger als nächstes reinkommt und was damit passieren soll.

Viermal so viele Flugzeuge wie sonst

Während dem Weltwirtschaftsforum in Davos landet alles was Rang und Namen in der Welt hat auf dem Flugplatz in Altenrhein. «Rund 200 Flieger werden bei uns landen. Das WEF ist die wichtigste Zeit im Jahr», sagt Thomas Mary, Pressesprecher des Flughafens. Während des WEFs sei der Flugverkehr viermal so gross wie sonst. Doch nicht alle Maschinen bleiben in Altenrhein. Mary: «Wir hätten gar nicht Platz für so viele Flugzeuge, darum starten einige Flugzeuge innert kurzer Zeit gleich wieder.»

Gelassenheit beim Personal

Der Trubel um das WEF lässt die Angestellten des Flughafens zwar nicht kalt, doch wirken alle sehr ruhig und gelassen: «Wer hier aus dem Flieger steigt, interessiert uns nicht – wir müssen einfach zusehen, dass wir die Flieger irgendwo abstellen können», sagt einer vom Flugfeldpersonal. «Es weiss sowieso niemand von uns, wer im Flieger sitzt, lediglich woher die Flugzeuge kommen», sagte Mary vor dem WEF-Start.

Thomas Mary, Pressesprecher vom Flugplatz Altenrhein. (rar)

Sind die Flieger erstmal am Boden, geht für das Personal die Arbeit los. Kaum auf dem Flugfeld aufgesetzt, werden die Flugzeuge parkiert und die Passagiere steigen aus. Teils werden die Gäste in Limousinen zum Flughafengebäude gefahren, wo sie dann ins Taxi einsteigen. Andere werden mit Fahrzeugen des Diplomatencorps und Begleitschutz direkt auf dem Flugfeld in Empfang genommen und brausen dann direkt in Richtung Davos davon.

Nervöse Chauffeure in der Schalterhalle

Vor dem Flughafenterminal stehen Luxuslimousinen und leicht nervöse Chauffeure. Sie warten auf ihre Gäste und blicken immer wieder auf ihre Smartphones. Einige wirken als würden sie auf ihre Mütter warten und tigern von einem Ende der Halle zum anderen. Draussen steht einer im Anzug und schaut kurz auf die Uhr: «Allzu viel darf ich Ihnen eigentlich nicht sagen», erzählt der Chauffeur im Anzug. Er lächelt geheimnisvoll und fügt an: «Ich weiss, wen ich abhole, und wo ich diese Person hinfahren darf.»

Für die Chauffeure bedeutet das WEF Hochbetrieb. (rar)

Sie seien zu zweit für den Gast zuständig und würden jederzeit zur Verfügung stehen. Diskretion sei ihr oberstes Gebot und darum dürfe er nichts Weiteres preisgeben. Aber es sei ein irrsinnig spannender Job. Auf die Frage, über was seine Gäste mit ihm reden würden, gibt der Chauffeur nur kurz zur Antwort: «So dies und das über die Schweiz, Touristenfragen eben – und ich muss jetzt los.» Dann verschwindet der Chauffeur im Flughafengebäude.

Spannende Tage für Fliegerfans

Das Dröhnen am verregneten Himmel hallt über die Hügel hinauf Richtung Heiden. Der Lärm und die Flieger locken Fliegerfans an den Zaun, hinter dem die Mächtigen der Welt aus ihren Jets steigen: «Hier komme ich den Fliegern so nah wie sonst nie», grinst Albert Lutz zufrieden und schaut durch seine mit Regentropfen beschlagene Brille einer startenden Maschine vom Typ Cessna Citation nach.

Einige Maschinen verlassen Altenrhein gleich nach der Landung wieder. (rar)

Diese zieht bei ihrem Start lange Wasserschwaden hinter sich her, ehe sie dann dem Himmel entgegen schwebt und mit pfeiffendem Dröhnen über Lutz und einigen anderen, grösstenteils pensionierte, Fliegerfans, davonfliegt. «Ich habe einfach den Plausch an den Flugzeugen hier. Mir gefällt der Lärm und die Atmosphäre – nicht wie den Leuten, die hier herziehen und sich dann über die Flieger aufregen», witzelt Lutz.

(rar)


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