«Dölf Früh sah den FCSG immer realistisch»

Von Michael Ulmann
Dölf Früh (mitte) bei der Grundsteinlegung der Fussballakademie «Future Champs Ostschweiz» im September 2014. Dieses Projekt lag und liegt Früh besonders am Herzen.
Dölf Früh (mitte) bei der Grundsteinlegung der Fussballakademie «Future Champs Ostschweiz» im September 2014. Dieses Projekt lag und liegt Früh besonders am Herzen. © Tagblatt Archiv
Die Rücktrittsankündigung von FCSG-Präsident Dölf Früh bewegt. Kommt die Ankündigung überraschend? Was waren Frühs wichtigste Entscheide beim FC St.Gallen? Wir haben mit einer Person gesprochen, die nahe am FCSG dran ist: Die Leiterin der Sportredaktion des St.Galler Tagblatts, Patricia Loher.

Patricia Loher, sind sie überrascht über den Zeitpunkt der Rücktritts-Ankündigung?
Vom Zeitpunkt bin ich doch überrascht, ja. Obwohl Dölf Früh im Jahr 2010, als er FCSG-Präsident wurde, gesagt hat, dass er einen Fünfjahresplan verfolge und hoffe, dass der FC St.Gallen im Jahr 2015 nicht mehr auf ihn angewiesen sei. Das ist jetzt aber schon zwei Jahre her. Ich nehme deshalb an, dass er einfach keinen geeigneten Nachfolger gefunden hat. Natürlich ist es jetzt traurig, dass es für ihn mit diesen gesundheitlichen Problemen enden muss.

Was bedeutet der Rücktritt von Dölf Früh konkret für den FC St.Gallen?
Dölf Früh hinterlässt sicher einen finanziell gesunden Verein. So wie ich ihn in den letzten Jahren kennengelernt habe, ist meine Vermutung, dass er im Hintergrund die Nachfolge schon eingefädelt hat, diese aber noch nicht spruchreif ist. Sein Wunsch ist sicherlich auch, dass sein Nachfolger seine Arbeit weiterführt. Dies gilt auch für das Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz FCO. Das ist ja quasi sein Kind und man merkt, dass ihm das sehr am Herzen liegt. Bis jetzt hat FCO allerdings wirtschaftlich noch nicht die ganz grossen Früchte abgeworfen. Dies könnte einst mit einem Verkauf von Silvan Hefti oder einem anderen jungen Spieler aber geschehen. Ich denke, das ist ein grosser Traum von Dölf Früh.

Patricia Loher, Leiterin Sportredaktion beim St.Galler Tagblatt. Bild: Tagblatt Archiv

Was waren Frühs wichtigste Entscheide beim FC St.Gallen?
Im Prinzip war er derjenige, der im Jahr 2010 die Rettung des FCSG aufgegleist hat. Damals war die Situation mit dem Stadion und den daraus entstandenen finanziellen Lasten ja sehr schwierig. Wenn Dölf Früh nicht gewesen wäre, gäbe es den Verein heute wahrscheinlich nicht mehr. Ganz wichtig war sicherlich auch, dass er keine finanziellen Risiken eingegangen ist und den Verein strikte geführt hat. Dass der FCSG nach dem Abstieg den direkten Wiederaufstieg geschafft hat und sich sogar für die Europa League qualifizieren konnte, ist sicherlich auch mitunter sein Verdienst. Damals hatte der FC St.Gallen mit Stéphan Nater und Oscar Scarione auch zwei aussergewöhnlich gute Spieler. Früh verfiel aber trotzdem nie der Euphorie und sagte, nun müsse noch mehr her. Er sah das Ganze eigentlich immer ziemlich realistisch.

Nun wird natürlich spekuliert, was er für eine Krankheit hat. Wissen sie mehr?
Nein, ich habe keine Ahnung. Dazu kann ich deshalb nichts sagen. Offenbar wissen das ja nicht einmal seine engsten Mitarbeiter.

Nun wird ein Nachfolger von ihm gesucht. Gibt es da schon Namen?
Es wurden in den letzten Monaten ja immer wieder Namen herumgereicht. Die Frage ist einfach, was da dran ist. Einen konkreten Namen kann ich allerdings nicht nennen. Da muss man nun die ausserordentliche Generalversammlung im Mai abwarten.

Das Interview führte Michael Ulmann.


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