Dreiste Schleichwerbung in Musikvideos

Von Felix Unholz
Katy Perry fotografiert sich mit einem Smartphone im Dschungel.
Katy Perry fotografiert sich mit einem Smartphone im Dschungel. © Screenshot Musikvideo
Hast du schon einmal gemerkt, wie viele Werbebotschaften sich eigentlich in den Musikvideos von Katy Perry, Coldplay oder Avril Lavigne verstecken? Wir haben ganz genau hingeschaut. Manche Product Placements sind ganz schön peinlich.

«Ich habe in 80 Prozent der Musikvideos Marken gefunden, die sichtbar, hörbar oder beides waren», sagt Julian Werner. Er hat in seiner Masterarbeit an der Universität Hannover die Praxis des Product Placements in den erfolgreichsten Musikvideos 2014 untersucht.

Von insgesamt zehn Stunden analysiertem Videomaterial waren in eineinhalb Stunden eine oder mehrere Marken zu sehen. Für die Künstler sei die bewusste Platzierung von Werbebotschaften eine lukrative Einnahmequelle: «Bis zu 70 Prozent der Produktionskosten eines Musikvideos können unter Umständen durch Product Placement gedeckt werden.»

Der Student fand in seiner wissenschaftlichen Untersuchung heraus, dass in deutschsprachigen Musikvideos im Durchschnitt etwa fünf verschiedene Marken vorkommen, im englischen Sprachraum sind es gar sechs. Wie absurd offensichtliches, aber auch verstecktes Product Placement sein kann, zeigen unsere sieben Beispiele:

1. Was für ein Affentanz!

Im Coldplay-Video «Adventure of a Lifetime» langweilen sich Affen im Wald. Doch plötzlich gräbt einer von ihnen unter etwas Laub zufälligerweise die neuesten Lautsprecher der Marke Beats aus. Der Affentanz beginnt und die animierten Geschöpfe singen sogar und klatschen im Takt zum Coldplay-Hit. Wie es in einem normalen Urwald halt so üblich ist.

2. Ein Mercedes blinkt wie wild

Die Produkteplatzierung in «Gangnam Style» muss sich richtig gelohnt haben: Mit 2,6 Milliarden Views holte der Südkoreaner Psy einen Youtube-Rekord. Die prominenteste Platzierung ist am Ende des Musikvideos ab Minute 3:43 zu sehen. Eigentlich ist der Song bereits zu Ende, als der Beat noch einmal einsetzt und Rapper Psy und sein Gegenüber in auffälligen gelben Adidas-Schuhen in einer Parkgarage rumhüpfen. Im Hintergrund blinkt während des gesamten Abspanns ein roter Mercedes im Takt der Musik.

3. LMFAO übertreiben es bis zum Exzess

Honda, Nissan, Audi, Mini – für dieses Musikvideo haben LMFAO wohl eine ganze Autogarage ausgeräumt, um damit eine Strasse vollzustellen und zwischen den Autos zu tanzen. Dabei tragen sie modische Kleider diverser Marken, sind mit iPhones und Beats-Kopfhörern ausgerüstet. Wer genau hinschaut, entdeckt im Video noch mehr Product Placements.

4. Drake kriegt einen Check von Apple

Das Musikvideo zu «Hotline Bling» soll direkt von Apple bezahlt worden sein. Das merkt man ab Minute 2:40, als Drake plötzlich zwei iPhones in den Händen hält und damit tanzt. Nach wenigen Sekunden verstaut er sie wieder demonstrativ in seinen Hosentaschen. Eine subtile Produkteplatzierung, die auf den ersten Blick gar nicht allen auffällt.

5. J.Lo kriegt ein SMS von Pitbull

Nachdem Jennifer Lopez demonstrativ auf ihre Ice-Uhr geschaut hat, sieht sie das SMS von Pitbull auf ihrem Nokia-Smartphone: «Meet me in St.Tropez». Nur noch kurz die Sonnenbrille im Svarovski-Etui versorgen und loss geht die schäumende Strandparty. Selbstverständlich mit gesponsertem Alkohol.

6. Selfies im Dschungel

Ein Flugzeugabsturz im Dschungel – Katy Perry überlebt zum Glück. Ihr Begleiter muss, während im Hintergrund gerade Wrack-Teile in Flammen aufgehen, als Erstes natürlich gleich ein Duckface-Selfie mit einem Nokia-Smartphone schiessen. Super, ist das Handy im Videoclip zu «Roar» noch intakt! So stehen auch Katy Perrys Selfies mit einem Affen nichts im Wege.

7. Laienschauspielerin Avril Lavigne macht Handywerbung

In Avril Lavignes Musikvideo zum Song «Rock N Roll» klingelt gleich zu Beginn ein Sony Xperia, das zufälligerweise in einem Glas Wasser steht – wo denn sonst!? Avril Lavigne wirkt völlig überrascht: «Oh! (Kunstpause) My new Sony phone is ringing…» Offensichtlicher geht Product Placement gar nicht.


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