Dschihad-Sympathisanten auf der Schliche

Dschihad-Sympathisanten auf der Schliche
© Der Thurgauer Dschihadist A.A. (Bild: KEYSTONE)
Die Kantonspolizei Thurgau hat öffentlichen Institutionen ein Merkblatt zukommen lassen, das die Früherkennung von Dschihad-Sympathisanten verbessern soll. Konkret werden Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, Mitmenschen mit bestimmten “Merkmalen”, die auf eine Radikalisierung hindeuten könnten, zu melden.

Die Kantonspolizei Thurgau möchte Bedrohungen der Sicherheitslage möglichst früh erkennen. In einem Schreiben bittet sie die Bevölkerung, “auffälliges Erscheinen oder Verhalten vornehmlich von Jugendlichen und jungen Erwachsenen frühzeitig Ihrem Polzeiposten zu melden”. Sie möchte so “sich radikalisierende Personen und terroristische Gefahren im Thurgau frühzeitig … erkennen”. Folgende Merkmale listet die Polizei auf:

– Auffallende äusserliche Veränderungen (Kleidung, Bart)
– Plötzliche Sympathiebekundungen für den Islam oder IS
– Rückzug aus dem sozialen Umfeld
– Plötzlicher Abbruch der Schule oder Lehre
– Auffällige finanzielle Unregelmässigkeiten (Fürsorge-, Betreibungsamt)
– Intensives Surfen im Internet, insbesondere auf Kriegs- bzw. IS-Seiten
– Hinweise aus dem Umfeld (Eltern, Kollegen, Abreitgeber, etc.)

Die Polizei betont im Schreiben, dass es keine abgeschlossene Auflistung sei. Das Merkblatt ging an sämtliche Schulbehörden, Vereine, Ämter, Jugendorganisationen und so weiter.

Prävention, keine Reaktion

“Die Verbreitung dieses Merkblatts ist eine Präventionsmassnahme und nicht aufgrund eines aktuellen Vorfalls oder dergleichen passiert”, sagt Daniel Metzler von der Kantonspolizei Thurgau. “Es gibt keine Bedrohungslage. Aber Prävention ist immer besser als Reaktion”. Man habe dieses Merkblatt seit Monaten vorbereitet. “Es geht hier um Prävention und Sensibilisierung der Bevölkerung, aber vor allem darum, einen klaren Kontakt zu kommunizieren. So wissen Angehörige oder Bekannte, wo sie sich melden können”, sagt Metzler.

Es gehe um diejenigen, die noch nicht straffällig wurden durch kriminelle terroristische Handlungen, sondern um jene, die langsam auf diese Schiene abdriften. “Speziell geschulte Polizeibeamten werden dann betroffene Jugendliche oder junge Erwachsene kontaktieren und “auf diese Personen einwirken”.

Bisher sei noch keine Meldung eingegangen. Die Merkblätter sind seit September verteilt worden.

Dschihadist aus Arbon

Ein bekannter Fall aus dem Thurgau ist A. A. aus Arbon. Der 21-Jährige hat sich innert kürzester Zeit zu einem Fundamentalisten gewandelt und ist offenbar nach Syrien in den Heiligen Krieg gezogen. Seine Familie hatte scheinbar versucht, ihn zurückzuholen, jedoch vergeblich.

Wegen Bart verdächtig

Man kann nur hoffen, dass es in Thurgau nicht soweit kommt wie in Schweden. Dort alarmierte ein besorgter Bürger die Polizei wegen einer Gruppe von Bartträgern, die er als Terroristen verdächtigte.

Es stellte sich hinaus, dass sie der “Bearded Villains Sweden” (“Bärtige Bösewichte Schweden”) Gruppe angehörten. Der Mann habe angegeben, rund 30 Terroristen gesehen zu haben, die anscheinend vor einer schwarzen IS-Flagge posierten. Auf der Fahne war allerdings das Logo des Clubs zu sehen.

“Bearded Villains” ist ein Zusammenschluss von bärtigen Männern, die gegen Ungerechtigkeit, Mobbing und Rassismus einstehen. Der Einsatz der herbeigerufenen Polizisten habe rasch zu einem grossen Gelächter geführt, sagte ein Mitglied der Gruppe.

(lak)


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