Ein politischer Comedian – Michael Mittermeier wird 50

Ein politischer Comedian – Michael Mittermeier wird 50
© EPA/MARC MUELLER
Seit zwei Jahrzehnten prägt Michael Mittermeier die deutsche Comedy-Szene. Und auch wenn die Berufsbezeichnung “Comedian” eher unpolitisch klingt – auf ihn trifft das nicht zu. Heute feiert er seinen 50. Geburtstag.

Dass Michael Mittermeier anders ist als viele seiner Comedy-Kollegen, das zeigte er vor allem im Jahr 2010. Damals widmete er sich einer Herzensangelegenheit und reiste zusammen mit dem englischen Filmemacher Rex Bloomstein nach Myanmar – für eine Dokumentation über den inhaftierten Comedian Zarganar. Daraus entstand der Film “This Prison Where I Live”. Im Jahr darauf wurde Zarganar unerwartet aus dem Gefängnis entlassen. 2012 traf Mittermeier ihn zum ersten Mal, seither haben die beiden mehrfach zusammen auf der Bühne gestanden.

“Wenn Du keine Haltung hast, dann mach eine Nummer über Hunde, über Lehrer oder Frauen beim Einparken – aber bitte nicht über etwas, wo man Haltung bräuchte”, sagt Mittermeier im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Er ist ein politischer Comedian, wie er auch in seiner Laudatio für die Journalistin Dunja Hayali bei der Goldenen Kamera unter Beweis stellte. “Ich erwarte, dass jemand eine Haltung zu Gänseblümchen hat, wenn er über Gänseblümchen spricht – und nicht irgendeinen ausgedachten Quatsch präsentiert.”

Scherze aus dem Stegreif

22 Jahre sind es her, dass der studierte Anglist und Politologe seine Magisterarbeit zum Thema “Amerikanische Stand Up Comedy” vorgelegt hat, und fast genauso lange prägt Mittermeier die Szene derer, die in Deutschland Comedians genannt werden.

Seinen Durchbruch schaffte er 1996 mit dem Soloprogramm “Zapped – Ein TV-Junkie knallt durch”. Es folgten viele weitere, der Komik des Vaterseins ging er mit seinem Buch “Achtung Baby” auf den Grund, das es auf Platz eins der Bestsellerliste schaffte. Auch in Amerika und Grossbritannien stand er auf der Bühne – ungewöhnlich für einen deutschen Komiker.

Bei “Zapped” trug er die Cap noch falsch herum auf dem Kopf – das macht er heute nicht mehr. An seiner Arbeitsweise habe sich aber nicht viel geändert, sagt er: “Ich bin keiner, der sich hinsetzt und überlegt, was gerade in die Zeit passt oder so. Das habe ich nie gemacht. Es kommt raus, was raus will. Ich erzähle Geschichten aus meinem Leben, aus der Welt. Und die sind manchmal so absurd, dass man sie kaum glauben kann.”

Mit Humor gegen den Terror

In seinem aktuellen, siebten Programm, das er “Wild” genannt hat, erzählt er von eben solch absurden Begegnungen auf Spielplätzen, verrät, was sich bei Barack Obamas G7-Abstecher in den kleinen oberbayerischen Ort Krün tatsächlich zugetragen haben soll – und findet deutliche Worte gegen den Terror, der für ihn auf der Bühne kein Tabu ist.

“Es geht ja nicht darum, Witze über die Opfer zu machen, sondern man lacht sich den Schrecken weg”, sagt er im dpa-Interview. “Wir müssen unsere Kultur dem entgegenstellen.”

(sda)


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