Ein Rheintaler zieht blank

Von Vanessa Kobelt
«Guys on Tops» druckt im Sinne der Gleichberechtigung nackte Männer auf T-Shirts.
«Guys on Tops» druckt im Sinne der Gleichberechtigung nackte Männer auf T-Shirts. © Foto: Stephan Huwyler
Er zieht sich im wahrsten Sinne des Wortes für die Frauenwelt aus: Kaspar Schiesser aus Balgach. Der 26-jährige Rheintaler lässt seine Hüllen für die Gleichberechtigung fallen und posiert nackt auf den T-Shirts von «Guys on Tops», – ein Start-Up-Unternehmen von der Winterthurerin Laura Schneider und der Wallisserin Carol Rothenfluh.

Knappe Bikinis, grosse Brüste und nackte Frauen-Hintern. Alles Motive die man öfters auf bedruckten T-Shirts sieht. Nur selten hingegen lächelt ein nackter Mann von einem Kleidungsstück. Genau das möchte Laura Schneider aus Winterthur ändern, sie ist die Gründerin des Start-up-Modelabels «Guys on Tops», schreibt der Rheintaler. 

Nackt im Waschsalon

Entstanden ist die Idee, als Laura Schneider in Asien ein weisses Tank Top gekauft hat. Darauf war eine Frau, die nackt in einem Waschsalon auf ihre Kleider gewartet hat. «Ich habe generell nichts gegen nackte Haut in der Öffentlichkeit, finde aber, es dürfte ausgeglichener sein. Ich möchte auch gerne schöne Männer auf T-Shirts sehen.»

Gegen Genitalverstümmelung

Laura Schneider hat die Sache selbst in die Hand genommen und dank erfolgreichem Crowdfundig konnte sie zusammen mit Carol Rothenfluh das Modelabel «Guys on Tops» ins Leben rufen. Der Online-Shop ist seit letzter Woche aufgeschaltet. 59 Franken kostet ein fair produziertes T-Shirt mit nacktem Mann, dabei werden jeweils fünf Franken an eine Organisation gegen weibliche Genitalverstümmelung gespendet.

«Es wäre toll, wenn ich einmal davon leben könnte, ich weiss aber nicht, wie realistisch das ist. Cool wäre, wenn ein paar Läden unsere T-Shirts in ihr Sortiment aufnehmen würden.»

Unterstützung aus dem Rheintal

Eines der Models, die auf den T-Shirts posieren, ist Kaspar Schiesser aus Balgach. Durch einen gemeinsamen Bekannten wurde Laura Schneider auf ihn aufmerksam, bei einem Casting in Zürich hat er sie dann überzeugt. «Ich finde, er ist sehr fotogen und hat eine super Ausstrahlung», sagt Schneider. «Er hat auch den Bad-Boy-Blick super drauf und ist trotz trainiertem Körper nicht so geschniegelt. Das hat perfekt gepasst.»

Feminismus in Mode

Als Kaspar Schiesser das erste Mal von der Idee hörte, war er sofort überzeugt. «Ich fand es eine sehr lustige Sache. Man kennt ja all die T-Shirts mit den nackten Frauen drauf. Ich habe mich gerne für ein bisschen Gegenwind eingesetzt.» Kaspar Schiesser interessiert sich allgemein für Mode, da er selbst in der Modebranche tätig ist. Dass die Mode bei «Guys on Tops» einen gesellschaftspolitischen Hintergrund hat, findet er spannend. «Ich denke, es ist gut, dass man mit einer lockeren und witzigen Art auf ein feministisches Thema aufmerksam macht.»

Füdliblutt am Set

Das Shooting war für Kaspar Schiesser eine sehr spezielle Erfahrung, man posiert schliesslich nicht jeden Tag nackt vor einer Kamera. «Geholfen hat mir die relaxte Stimmung am Set», so Schiesser, «es wurde coole Musik aufgelegt und es waren nicht extrem viele Leute vor Ort.» Auf die Frage, ob er ganz nackt posiert hat, sagt er lachend: «Das bleibt ein Geheimnis… Nein nein, auch wenn es so aussieht, ich war nicht ganz nackt, soweit wollte ich nicht gehen. Andere Männer haben sich aber sehr wohl splitternackt ablichten lassen.» Dass die Models am Set verschieden mit der Nacktheit umgehen, bestätigt auch Laura Schneider. «Es gibt Unterschiede zwischen den Männern. Manche laufen ohne Hemmungen füdliblutt am Set umher», sagt sie lachend, «andere behalten ihre Boxershorts lieber an, beides ist völlig okay. Zwischendurch haben wir es lustig und es wird gelacht, es bleibt aber immer sehr professionell.”

Nackt am OpenAir St.Gallen

Auch das Umfeld von Kaspar Schiesser hat mit Humor auf die Aktion reagiert. Trotzdem ist er froh, dass das T-Shirt erst nach dem OpenAir St.Gallen erhältlich war. Seine Kollegen planten nämlich alle, ein solches T-Shirt zu kaufen und es am Openair gleichzeitig anzuziehen. «Ich bin ehrlich gesagt froh, dass das nicht geklappt hat», sagt Schiesser schmunzelnd.

Das T-Shirt hat der Ostschweizer bis jetzt noch nie zu Gesicht bekommen. «Ich muss bestimmt lachen, wenn ich das erste Mal jemandem mit mir als Motiv auf dem T-Shirt begegne. Auf jeden Fall ist es schön, wenn es die Leute kaufen.» Selbst würde er es aber nicht anziehen, dabei käme er sich komisch vor. Anders sieht das bei der Gründerin Laura Schneider aus, sie trägt das T-Shirt gerne. Aber nicht nur sie, auch bei anderen kommt das Motiv mit Kaspar Schiesser gut an.

«Die Leute mögen das Bild bestimmt nicht nur wegen den Bananen», lacht sie. «Kaspar sieht super aus und das Foto ist sehr ausdrucksstark.»

(kov)


Newsletter abonnieren
1Kommentar
noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel