Gedenken an Bruder Klaus

Die älteste, aber undatierte Holzstatue von Niklaus von Flüe, zu dessen Gedenken in Sachseln ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert worden ist.
Die älteste, aber undatierte Holzstatue von Niklaus von Flüe, zu dessen Gedenken in Sachseln ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert worden ist. © KEYSTONE/URS FLUEELER
Mit einem ökumenischen Gottesdienst ist in Sachseln OW Bruder Klaus gedacht worden, der heuer 600 Jahre alt geworden wäre. Mit dem Gottesdienst sollte die überkonfessionelle Bedeutung des Eremiten und die Bereitschaft, Gemeinschaft zu leben, ausgedrückt werden.

Der ökumenische Gottesdienst mit Kardinal Kurt Koch und dem reformierten Pfarrer Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), fand am Sonntag in der Pfarrkirche St. Theodul in Sachseln statt und wurde im Radio und Fernsehen SRF übertragen. In diesem Gotteshaus werden auch die Reliquien Niklaus von Flües aufbewahrt.

Gottfried Locher ging in der Predigt von Niklaus von Flües Gebet «Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir» aus. Je mehr jemand besitze, desto mehr müsse er sich kümmern. Doch auch der Mangel belaste. «Nimm alles von mir» beziehe sich nicht nur auf das Zuviel, sondern auch auf das Zuwenig.

Es gehe aber auch um Immaterielles – etwa Titel wie CEO oder vielleicht auch Kardinal, sagte Locher. Wir lebten in einem goldenen, vollgestopften Käfig und hätten den Schlüssel verloren, um aus diesem Herauszukommen.

Kurt Koch nahm das Gebet des Eremiten auf und zitierte die zweite Strophe des Gebetes: «Gib alles mir, was mich führet zu dir.» Der Eremit habe sich nicht von den Menschen abgewandt, sondern sich diesen zugewandt, sagte er.

Als Gottesfreund sei Bruder Klaus in besonderer Weise auch Menschenfreund gewesen, sagte der Kardinal. Er habe sich für Versöhnung und Frieden eingesetzt. Bruder Klaus trenne die Christen nicht, sondern eine sie, wie der ökumenische Gottesdienst anlässlich seines 600. Geburtstages zeige.

In Spielszenen mit Hanspeter Müller-Drossaart, der einen Katholiken, und Stine Durrer, die eine Reformierte mimte, wurde das Leben und die Bedeutung von Bruder Klaus beleuchtet. Bruder Klaus habe geraten, sich seine eigenen Gedanken zu machen und eigenständig zu handeln, lautete eine Erkenntnis aus dem Zwiegespräch.

Der ökumenische Gottesdienst war Teil eines nationalen Gedenktages. In Flüeli-Ranft wurde am Sonntag speziell auch der Gattin von Flües, Dorothea Wyss, gedacht. Niklaus von Flüe hatte mit Dorothea zehn Kinder. Im Alter von fünfzig Jahren verliess er seine Familie, um als Einsiedler zu leben.

Die Anlässe vom Sonntag waren Teil einer dreitägigen Gedenkveranstaltung, die die Organisatoren des Bruder-Klaus-Jahres als Höhepunkt und Abschluss des Gedenkjahres bezeichneten. Am Samstag waren die Anlässe speziell auf Familien ausgerichtet.

Am Montag findet das Bruder-Klaus-Fest mit einem katholischen Gottesdienst mit Bischof Vitus Huonder statt. Der 25. September war bei der Heiligsprechung des Obwaldners als offizieller Gedenktag festgelegt worden.

Der 600. Geburtstag von Niklaus von Flüe war in Obwalden das ganze Jahr hindurch mit zahlreichen Anlässen gefeiert worden. Am 30. April fand in Sarnen ein Staatsakt mit Bundespräsidentin Doris Leuthard statt. Am 19. August führten konservative Kreise mit Bischof Huonder und alt Bundesrat Christoph Blocher eine Gedenkfeier durch.

Der spätere Bruder Klaus, Niklaus von Flüe, lebte von 1417 bis 1487 in Obwalden. Der einstige Bauernbub gehörte zum höchsten Führungszirkel im Kanton. 1467 entsagte er seinem bisherigen Leben und wurde Einsiedler.

Es gilt heute als gesichert, dass die Intervention des Eremiten 1481 bei einem Konflikt an der Tagsatzung zum Stanser Verkommnis führte, das die Eidgenossenschaft vor dem Zerfall bewahrte. Er wurde bereits zu Lebzeiten als Mittler, Mystiker und Heiliger gefeiert.

Die Klause des Bruder Klaus ist noch heute eine wichtige Pilgerstätte. Von Flüe wurde 1649 selig gesprochen. Die Heiligsprechung erfolgte 1947 durch Papst Pius XII.

(SDA)


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