Endstation Gemeinschaftsgrab

Einweihung eines Gemeinschaftsgrabs.
Einweihung eines Gemeinschaftsgrabs. © Einweihung eines Gemeinschaftsgrabs.(KEYSTONE/Lukas Lehmann)
Das Leben endet nicht mehr zwingend unter der Friedhofserde oder im Urnengrab. Im Trend sind Gemeinschaftsgräber. Nun rüsten die Ostschweizer Friedhöfe auf.

90 Prozent aller Toten in der Ostschweiz werden heute kremiert. Jeder Zweite wird anschliessend in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Die steigende Nachfrage zwingt Ostschweizer Friedhöfe zum Aufrüsten. Die meisten Friedhöfe in der Region verfügen schon heute über ein Gemeinschaftsgrab.

Gemeinschaftsgrab Friedhof Feldli, St.Gallen

Gemeinschaftsgrab Friedhof Feldli St.Gallen

In der Stadt St.Gallen beispielsweise findet man bereits im Friedhof Feldli und im Friedhof St.Georgen solche Gemeinschaftsgräber. Und in vielen Ostschweizer Gemeinden entstehen derzeit weitere.

Keine Zeit für Grabpflege

Gemeinschaftsgräber sind häufig künstlerisch gestaltet mit grosszügigen Dimensionen. Die Asche wird in ein Erdloch geschüttet und vergraben. Nur noch ein schlichtes Namensschild auf dem Grabmal erinnert an die Verstorbenen.

Philipp Messer, Präsident des Schweizer Bestattungsdienste-Verbands, sieht die Gründe für den Trend hin zum Gemeinschaftsgrab in der Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen: „Viele sind nicht mehr an die Region gebunden. Die Hinterbliebenen haben häufig keine Zeit mehr, sich um die Grabpflege zu kümmern.“

Die letzte Reise mit der Drohne

Daneben wächst der Wunsch nach aussergewöhnlicheren Bestattungsmöglichkeiten. „Häufig nehmen die Familien die Urnen nach Hause und bestatten die Verstorbenen selbst“, sagt Messer. „Sie streuen die Asche in ein Gewässer, Wälder, nehmen sie mit auf einen Berg oder lassen die Asche zu einem Diamanten pressen.“ Der Fantasie seien kaum Grenzen gesetzt. In der Schweiz schreibe kein Gesetz vor, was mit der Asche zu geschehen habe.

 

Auf Naturflugbestattung.ch beispielsweise kann man seine Angehörigen mit einer Drohne den letzten Wunsch erfüllen. Das Unternehmen wirbt auf der Homepage: „Zielgenau fliegen wir für die Verstreuung an den Wunschort. Da wir leise und umweltfreundliche fliegen, stören wir niemanden. Mit Andacht und Würde erfüllen wir den letzten Wunsch.“

Hinterbliebene können dann über dem gewünschten Ort mit einem Knopfdruck den Verstorbenen dem Wind überlassen.

“Friedhof verliert an Bedeutung”

Gegen solche Auswüchse wehrt sich Walter Moser, Rorschacher Chef-Friedhofsgärtner. Jede Rorschacher Urne geht über seinen Tisch. „Ich finde solche Bestattungsmethoden beängstigend und unpassend. Der Friedhof verliert so an kultureller Bedeutung.“  Er wehrt sich gegen Aussenbestattungen und ist froh, dass diese noch Ausnahmen sind. (sir)


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