Englische Fans wie immer erwartungsfroh

Roy Hodgson will England erstmals in einen EM-Final führen
Roy Hodgson will England erstmals in einen EM-Final führen © KEYSTONE/AP/JON SUPER
Nach dem ersten EM-Auftritt der Schweiz steht am Samstag auch die Gruppe B auf dem Prüfstand. England spielt in Marseille gegen Russland, Wales trifft in Bordeaux auf die Slowakei.

Die erste Welle der erwarteten 70’000 englischen Supporter ist schon am Donnerstag am alten Hafen von Marseille gestrandet. Singend und trinkend nahmen die Fans die Restaurant-Betriebe in Beschlag – in der Erwartung, dass endlich einmal ihre wie stets immensen Hoffnungen erfüllt werden. Das Scheitern an Europameisterschaften hat Tradition, doch der Glaube stirbt zuletzt.

Keines ihrer letzten 22 Pflichtspiele (Endrunde und Qualifikation) im Rahmen der EM haben die Engländer verloren, zumindest nicht über 90 bzw. 120 Minuten. Die letzte Niederlage datiert vom November 2007. Doch diese Aufzählung hat auch einen Haken. 2012 scheiterten die Engländer in den Viertelfinals im Penaltyschiessen gegen Italien, 2008 hatten sie sich nicht qualifiziert.

Pleiten, Pech und Pannen reihen sich für England in einer NeverEnding-Story aneinander. Noch nie stand das Drei-Löwen-Team in einem EM-Final. Platz 3 im Jahr 1968 und der Vorstoss in die Halbfinals am Heimturnier 1996 – das sind die besten EM-Ergebnisse des Fussball-Mutterlandes, das doch mit der Premier League die finanzstärkste Meisterschaft der Welt beheimatet.

Im ersten Gruppenspiel gegen Russland (Spielbeginn 21.00 Uhr) hofft die Mannschaft des ehemaligen Schweizer Nationalcoachs Roy Hodgson auf einen besseren Start als ehedem. Noch nie konnten die Briten ihren ersten EM-Match gewinnen. Nun treffen sie auf einen Gegner, dessen Achillesferse wohl dieselbe ist: die Verteidigung. Die noch immer vom mittlerweile 30-jährigen Wayne Rooney angeführte Offensive gilt als Prunkstück, doch ob hinten die von Gary Cahill und Chris Smalling geführte Abwehr dicht hält, ist ebenso unsicher wie die Frage, wie sich auf russischer Seite altgediente Kräfte wie die Innenverteidiger Sergej Ignaschewitsch (36-jährig) und Wassili Beresuzki (33) bewähren.

Im russischen Team könnte ein interessanter Mann sein Pflichtspiel-Debüt geben. Roman Neustädter (Vater Ukrainer, Mutter Russin), Bundesliga-Profi bei Schalke 04, erhielt vor zwei Wochen den russischen Pass und wäre für einen Kaltstart bereit.

Mit Wales und der Slowakei treffen in Bordeaux ab 18.00 Uhr zwei EM-Neulinge aufeinander, was allerdings im Fall der Osteuropäer nur bedingt stimmt. Die Slowaken bestreiten zwar ihre erste EM als eigenständige Nation, die sie seit der Unabhängigkeit 1993 sind. Doch sie dürfen darauf verweisen, dass 1976 beim EM-Titelgewinn der Tschechoslowakei im Final gegen Deutschland neben nur vier Tschechen gleich neun Slowaken eingesetzt worden waren.

In Wales fokussiert sich vor dem ersten internationalen Turnier seit der WM 1958 alles auf einen Namen, auf Real Madrids Gareth Bale. Der wehrt sich gegen den Star-Kult, indem er sagt: “Es sind immer elf Mann auf dem Platz.” Gegen die Slowakei schoss er 2006 – als damals 17-Jähriger – in einem Heimspiel sein erstes Länderspiel-Tor. Die Partie endete allerdings 1:5.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen