«Er rannte blutüberströmt aus dem Haus»

Ein Siegel der Polizei hängt an der Haustüre des Tatorts in Bazenheid.
Ein Siegel der Polizei hängt an der Haustüre des Tatorts in Bazenheid. © FM1Today/Lara Abderhalden
In Bazenheid ist man schockiert, kann die schreckliche Tat, die sich gestern mitten im Toggenburger Dorf ereignete, noch nicht ganz fassen. Sogar die Polizei spricht von einer Szenerie am Tatort, die niemand erleben möchte.


Ein Mann, der seinen Bruder ersticht, eine Familie die dabei zuschaut – jeder der heute am Tatort vorbeigeht, bleibt kurz stehen, schüttelt den Kopf. Kann oder möchte nicht glauben, was in diesem hellblauen Familienhäuschen in einem friedlichen Quartier in Bazenheid passiert ist. «Unglaublich, ich habe die Familie immer wieder im Coop gesehen. Die hatten einen engen Zusammenhalt», sagt ein Nachbar. Allerdings habe der Täter Drogenprobleme gehabt, dies sei im Dorf bekannt gewesen.

«Ich kann nicht glauben, was passiert ist»

Auch ein enger Freund des Opfers bestätigt, dass der Täter ein Problemkind war: «Ich bin auf dieselbe Schule gegangen wie er. Er ist jedoch nach einem Jahr aus der Schule geflogen.» Mit dem Opfer habe er erst vorgestern noch Kontakt gehabt. «Wir waren sehr gute Freunde, haben uns immer wieder getroffen. Ich kann nicht glauben, was passiert ist.» Das Opfer sei stets fröhlich und aufgestellt gewesen, habe sich um die Familie gekümmert und sie zusammen gehalten. «Er hatte vor zu heiraten.»

Streit eskalierte

Das Drama ereignete sich am Montagnachmittag im Elternhaus der beiden Brüder. Laut Polizei seien drei Brüder bei den Eltern in Bazenheid gewesen, dabei habe es einen Streit gegeben, sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen: «Im Verlaufe dieses Streites kam es zu einem Gerangel, bei dem auch ein Messer im Spiel war.» Dabei wurde ein 33-Jähriger von seinem 28-jährigen Bruder schwer am Hals verletzt. Ob der Bruder absichtlich auf seinen älteren Bruder einstach oder ob es ein Versehen war, darüber kann die Polizei keine Auskunft geben.

«Er rannte blutüberströmt aus dem Haus»

«Sie können sich gar nicht vorstellen, wie es dort aussah. Ich möchte das nicht beschreiben. Es reicht, dass die Familie und die Polizei das erleben musste. Für die Familie ist es schrecklich und ich behalte es lieber für mich», sagt Hanspeter Krüsi der gestern am Tatort in Bazenheid war.

Wie verschiedene Nachbarn schildern, sei das Opfer nach dem Gerangel aus der Wohnung in Richtung Arztpraxis gerannt und sein Bruder hinterher. Dies hat auch eine Wirtin gehört, die ihre Bar gegenüber der Arztpraxis hat: «Ich habe von einem Bekannten gehört, dass der eine blutüberströmt aus dem Haus rannte und der andere Bruder hinterher. Der vordere Mann hatte seine Hände am Hals.»

Den Vorfall selber hatte die Wirtin nicht miterlebt, den ganzen Tumult danach schon: «Ich habe gesehen, wie plötzlich überall Polizeiautos waren und Rettungswagen. Kurze Zeit später stand auch schon der Rega-Heli vor der Praxis.»

Blutspuren in der Praxis

In der Arztpraxis habe man laut Polizei versucht, dem Mann zu helfen. Er wurde mit der Rega ins Spital geflogen, starb dort aber an den Folgen der schweren Verletzungen.

Vor der Praxis sind Blutspuren zu sehen. Diese führen vom Elternhaus bis zur Praxis, die ein paar hundert Meter entfernt liegt. Die Ärztin selber möchte gegenüber den Medien keine Stellung nehmen. Ein Blick in die Praxis zeigt aber, dass sich dort dramatische Szenen abgespielt haben müssen. Der Boden ist voller Blut.

Ging es um Geld?

Zum Hintergrund des Streites lässt sich noch nichts sagen. Es wird spekuliert, dass es um Geld ging oder um den Verkauf des Hauses. Die Ermittlungen der Polizei laufen. Der 28-jährige Bruder liess sich kurz nach der Tat widerstandslos von der Polizei verhaften. Er befindet sich in Untersuchungshaft.

«Es ist unvorstellbar, dass so etwas passiert ist», sagt die Wirtin, «es lässt sich nicht in Worte fassen. So etwas möchte man nicht erleben müssen.»

(abl)


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