Forscher prüfen E-Zigaretten für therapeutische Cannabis-Inhalation

Inhalation statt Pille: Für die medizinische Cannabis-Anwendung könnte sich die E-Zigarette eignen - mit wenig Risiko für Missbrauch, sagen Forscher. (Symbolbild)
Inhalation statt Pille: Für die medizinische Cannabis-Anwendung könnte sich die E-Zigarette eignen - mit wenig Risiko für Missbrauch, sagen Forscher. (Symbolbild) © KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
Mit E-Zigaretten zerstäubtes Haschisch-Öl ist eine vielversprechende Alternative für die medizinische Inhalation von Cannabis. Das zeigt eine Studie des Universitätsspitals Lausanne CHUV.

Cannabis kann bei einigen Leiden Linderung verschaffen, zum Beispiel bei Multipler Sklerose oder gegen einige Nebenwirkungen von Chemotherapien. Als Joint geraucht produziert es jedoch gesundheitsschädliche Nebenprodukte. Daher gibt es den Wirkstoff THC für Therapiezwecke auch als Pille, Tinktur und Spray, oder als Dampf aus einem Vaporisator, wobei weniger schädliche Substanzen entstehen als beim Rauchen.

In der Schweiz ist nur die orale Einnahme zu Therapiezwecken erlaubt. “Dabei gelangt jedoch nur ein Teil des Wirkstoffs ins Blut, da die Aufnahme über den Verdauungstrakt nicht so effizient ist”, erklärte Studienautor Vincent Varlet vom CHUV gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Durch Inhalation gelange er direkt ins Blut. Dadurch liessen sich geringere Dosierungen einsetzen und das Risiko für Missbrauch vermindern.

Die Vaporisatoren sind jedoch unhandlich. Die Forschenden um Varlet haben deshalb getestet, wie sich E-Zigaretten für den medizinischen Cannabis-Konsum eignen. Das “Therapeutische Cannavaping”, wie sie die Methode bezeichnen, beruht auf dem Verdampfen und Inhalieren von Butan-Haschisch-Öl (BHO), einem mit Butangas gewonnenen Extrakt der Hanfpflanze.

BHO ist ein bernsteinfarbenes Wachs und enthält hohe Konzentrationen von THC-A, dem Vorläufer des psychoaktiven Wirkstoffs THC. Da BHO zum Umwandeln von THC-A in THC höher erhitzt werden müsste, als es in einer e-Zigarette möglich ist, verarbeiteten die Forschenden das BHO, bevor sie es mit handelsüblicher Nachfüllflüssigkeit mischten.

Das Gemisch enthielt dabei höchstens zehn Prozent BHO, da es sich bei höheren Konzentrationen nicht mit der wässrigen Flüssigkeit mischt, erklärte Varlet. “Dadurch wird sehr wenig THC verdampft. 80 bis 100 Züge mit der so bestückten E-Zigarette entsprechen etwa einem Joint”. Für die therapeutische Anwendung sei dies perfekt und mache gleichzeitig das Cannavaping fürs Kiffen ohne medizinischen Hintergrund zu ineffizient und daher unattraktiv.

Für den Einsatz als therapeutische Verabreichungsmethode bräuchte es jedoch standardisiert vorgefertigte Kapseln mit dem BHO-Gemisch, meint Varlet. “Man braucht eine wirklich schön klare und homogene Mischung, damit das THC gleichmässig freigesetzt wird und die E-Zigarette nicht verklebt.” Eine solche Mischung zu erzeugen sei nicht trivial. Ein weiterer Grund, warum die Forschenden Missbrauch des Cannavaping für unwahrscheinlich halten.

(SDA)


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