Geboren, um zu siegen

Von Leila Akbarzada
Lara Gut beim Super G in Zauchensee.
Lara Gut beim Super G in Zauchensee. © KEYSTONE/ EPA/EXPA / ERICH SPIESS
Man hat es mit Freude erwartet, nun ist es offiziell: Lara Gut ist Gesamtweltcupsiegerin. Damit hat sie ihrer jungen Karriere ein erstes, dickes Sahnehäubchen aufgesetzt. Ein Blick auf ihr bisheriges “Werk”.

Seit Vreni Schneider im Jahr 1995 die Kristallkugel geholt hat, war es keiner Schweizerin gelungen, den Gesamtweltcup für sich zu gewinnen. Doch jetzt haben wir ja Lara Gut. Die ist einfach besser als gut. Dass sie diesen Titel geholt hat, ist nicht überraschend, sagt Vreni Schneider im Interview mit Watson. Gut habe schon viele Niederlagen wegstecken müssen, trotz ihres raschen Erfolgs.

In den Sport geboren

Kommen wir zu den Anfängen von Lara Guts Karriere. Die 24-Jährige wächst in der Gemeinde Comano in der Nähe von Lugano auf. Ihr Vater – gleichzeitig ihr Trainer – ist Deutschschweizer, die Mutter aus der Romandie. Ihr Vater war zuvor selber Skiläufer und Lehrer, die Mutter Sportlehrerin.

Mit 15 beginnt Lara Gut, erste Erfolge als professionelle Skifahrerin zu verzeichnen: Sie gewinnt 2006 den Juniorenwettbewerb Trofeo Topolino in der Disziplin Slalom. Mit 16 fährt die Tessinerin ihr erstes Weltcuprennen, und etwa einen Monat später steht sie auf dem Podest: Bei der Juniorenmeisterschaft 2007 in Altenmarkt gewinnt sie knapp hinter Tina Weirather die Silbermedaille in der Abfahrt. Im gleichen Jahr wird sie Schweizer Meisterin im Super-G. Sie ist zu der Zeit die zweitjüngste Schweizer Fahrerin (noch jünger war nur Bernadette Zurbriggen im Jahre 1972), der das gelingt.

Zicken-Alarm

Der Rummel und die Aufmerksamkeit um Lara Gut werden grösser. Sie steht plötzlich im Rampenlicht der Medien, sämtliche Aussagen werden genau analysiert. Ende 2008 heisst es denn auch erstmals in den Medien, Lara Gut sei eine Zicke. Sie verweigert bei Misserfolgen Interviews. Wenn sie dann mal zu einem Gespräch bereit ist, kanzelt sie laut „Blick“ jede zweite Frage als „blöd“ ab. Die Sportlerin ist damals gerade mal 17 Jahre alt. Das kann man einem Teenager verzeihen.

Nach dem fulminanten Debüt hat Gut jedoch mehrere Jahre lang nur sporadisch Erfolge. 2013 kommt der Durchbruch: Lara Gut gewinnt mit grossem Vorsprung ihr erstes Weltcuprennen (Saison 2013/14), den Riesenslalom in Sölden. Sie kann kurzzeitig die Führung in der Gesamtwertung des Skiweltcups für sich behaupten, fällt dann aber wieder auf den fünften Platz. Die Saison 14/15 ist dann ziemlich durchzogen von Erfolgen und Misserfolgen.

Wechsel der Marke führt zum Erfolg

Gut wechselt für die aktuelle Saison ihre Marke: Statt mit Rossignol fährt sie nun mit Head-Skiern. Diese Umstellung wird oft als einen der Gründe ihres momentanen Erfolges gedeutet. Zudem lässt sie sich von alten Ski-Hasen wie Didier Cuche oder Daniel Albrecht beraten. Und sie ist nicht mehr nur mit Privatsponsoren unterwegs, sondern nun offiziell Teil des Swiss-Ski-Verbandes. Das entspannt beide Seiten, denn zuvor gab es oft Streitereien zwischen dem Verband und Lara Gut, die immer wieder privat Medienkonferenzen mit ihren persönlichen Sponsoren gab.

Dies alles hat Lara Gut offenbar in die Hände gespielt. In dieser Saison hat sie treu nach ihrem Motto “Schnell sein” alle Herzen für sich erobert. Sie hat über die letzten neun Jahre eine starke Entwicklung gemacht, nicht nur im Sport, sondern auch persönlich. Wir sind gespannt, wie es weitergeht Lara!

Die grössten Erfolge von Lara Gut

Weltcup
11 Siege, 19 Top-3 Platzierungen, 55 Top-10 Platzierungen, 141 Rennen
7.12.2014: Sieg, Super G, Beaver Creek
13.03.2014: Sieg, Super G, Lenzerheide (CH)
12.03.2014: Sieg, Abfahrt, Lenzerheide (CH)
26.01.2014: Sieg, Super G, Cortina d’Ampezzo (I)
8.12.2013: Sieg, Super G, Lake Louise (CAN)
30.11.2013: Sieg, Super G, Beaver Creek (USA)
29.11.2013: Sieg, Abfahrt, Beaver Creek (USA)
26.10.2013: Sieg, Riesenslalom, Sölden (A)
14.12.2012: Sieg, Abfahrt, Val d’Isère (F)
9.01.2011: Sieg, Super G, Zauchensee (A)
20.12.2008: Sieg, Super G, St. Moritz (CH)

Weltmeisterschaft
2013: Silbermedaille / Rang 2, Super G, Schladming (A)
2011: Rang 4, Abfahrt, Garmisch-Partenkirchen (D)
2011: Rang 4, Super G, Garmisch-Partenkirchen (D)
2009: Silbermedaille / Rang 2, Abfahrt, Val d’Isère (F)
2009: Silbermedaille / Rang 2, Super Kombination, Val d’Isère (F)
Vier weitere Top-20 Platzierungen
Olympiade
2014: Bronzemedaille / Rang 3, Abfahrt, Sotschi, Russland
2014: Rang 4, Super G, Sotschi, Russland
2014: Rang 9, Riesenslalom, Sotschi, Russland
Junioren-Weltmeisterschaft
2008: Silbermedaille / Rang 2, Abfahrt, Formigal (E)
2008: Rang 4, Super G, Formigal (E)
2007: Silbermedaille / Rang 2, Abfahrt, Zauchensee (A)

Übrigens: auch der stärkste Wind kann Lara nicht die Laune verderben.

Hello?! Can you hear me now?? 🌪🌪#justalittlebitwindy

Ein von Lara Gut (@laragutofficial) gepostetes Video am


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