Gebremste Abfahrer am Lauberhorn beschweren sich

Abfahrts-Weltmeister Patrick Küng bei einem Sprung im ersten Training am Lauberhorn
Abfahrts-Weltmeister Patrick Küng bei einem Sprung im ersten Training am Lauberhorn © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Mehr als die Trainingsfahrten gibt am Dienstag in Wengen bei Carlo Janka, Patrick Küng und Co. ein neuer Sprung in der Lauberhorn-Abfahrt zu reden.Ein solcher wurde im oberen Teil des Hanneggschusses neu eingebaut.

In diesem Hochgeschwindigkeits-Abschnitt war der Franzose Johan Clarey 2013 mit dem Weltcup-Weltrekord von 161,9 km/h gemessen worden. Das Ziel an dieser Stelle ist es nun, den Fahrer aus der Hocke-Position zu zwingen, weil er den Sprung vorbereiten muss. Der vergrösserte Luftwiderstand führt zu weniger Tempo und damit mehr Sicherheit für die Athleten.

Der Weltverband FIS wolle keine Tempi über 160 mehr und Sicherheit sei letztlich das oberste Ziel, so Urs Näpflin, OK-Präsident der Lauberhornrennen. Tatsächlich erreichte im ersten Training am Dienstag niemand mehr Tempo 150. Bei Janka, Küng und Beat Feuz wie auch bei den österreichischen Top-Cracks war die Meinung über den neuen Sprung indes fast einhellig: «unnötig» (Janka und Küng), «fraglich» (Feuz) oder gar «komplett sinnlos» (Klaus Kröll) und «Schwachsinn» (Hannes Reichelt).

Für Janka ist klar, dass «man die Abfahrten nicht allzu stark entschärft und vereinfacht. Das Tempo und damit eine Portion Gefahr soll dazugehören.» Abfahrts-Weltmeister Küng fügte zwar an, dass es nicht an den Athleten sei zu entscheiden, was es brauche. Der Glarner meinte aber auch, dass es nicht nötig sei, «eine Abfahrt wie das Lauberhorn neu zu erfinden».

Feuz wiederum fand den Sprung am Dienstag «schwer einschätzbar, zudem auch recht weich und mit einer unnötigen Delle». Die Kritik, dass die Stelle noch nicht ideal präpariert war, akzeptierte Näpflin. «Das wird für die nächsten Tage korrigiert und wird kein Problem mehr darstellen», versprach der OK-Präsident.

Die übrige Kritik nahm Näpflin sportlich: «Bei neuen Sachen gibt es immer Fahrer, die dafür, und solche, die dagegen sind.» Für den TV-Zuschauer wird die neu gestaltete Passage bei der Hannegg, die im Live-Bild und teils auch in Slow-Motion gezeigt werden wird, wohl eindeutig attraktiver. «Tempo alleine ist am Bildschirm nicht ersichtlich. Nun hat der Fan da mehr Bewegung. Ich finde diese Stelle deshalb eine Aufwertung unserer Abfahrt.»

In der Nacht auf Mittwoch werden in Wengen rund 15 cm Neuschnee erwartet. Um die Helfer, die gemäss Wetterprognosen später in der Woche noch stark gefordert sein werden, nicht zu stark zu belasten, setzte der FIS-Renndirektor Markus Waldner für Mittwoch nur ein verkürztes Training an. Dieses führt vom Start auf der Lauberhornschulter nur bis kurz nach der Wasserstation. Start ist um 11.00 Uhr.

Wenn dieses zweite Training stattfinden kann, wäre dem Reglement Genüge getan, um am Samstag die Weltcup-Abfahrt auf der gesamten Lauberhornstrecke durchführen zu können. FIS-Renndirektor Waldner hat in diesem Fall auch bereits angekündigt, dass am Donnerstag im Berner Oberland kein Training stattfinden wird. «Einerseits sind für Donnerstag die Prognosen ungünstig, zudem soll das Programm für die Fahrer nicht überladen werden», so der Südtiroler.

Waldner erklärte zudem, dass bis am Donnerstag um 16.00 Uhr entschieden werde, ob bei der Kombination am Freitag mit dem Slalom statt wie üblich mit der Abfahrt gestartet werden soll (Startzeiten 10.30/14.00 Uhr). Ebenfalls bis Donnerstagabend müssen Waldner und das Wengener OK entschieden, ob ein Abtausch zwischen Abfahrt (Samstag) und Slalom (Sonntag) erfolgt. «Diesen wird es aber nur geben, wenn die Wettervorhersage für Sonntag klar besser ausfällt als für Samstag», sagte OK-Präsident Näpflin.

(SDA)


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