Geistliche segnen den Gotthard-Basistunnel

Sie segneten einen Mustertunnel: Pater, Pfarrerin, Imam und Rabbiner. Rechts im Bild Pater Martin Werlen, der den Tunnel mit Weihwasser besprengt.
Sie segneten einen Mustertunnel: Pater, Pfarrerin, Imam und Rabbiner. Rechts im Bild Pater Martin Werlen, der den Tunnel mit Weihwasser besprengt. © Maja Briner/sda
Der Gotthard-Basistunnel ist am Mittwochmorgen feierlich gesegnet worden. Geistliche dreier Religionen führten vor der offiziellen Eröffnung gemeinsam eine Segnungszeremonie im Berg durch. Pater Martin Werlen besprengte den sogenannten Mustertunnel mit Weihwasser.

Zwei Kilometer tief im Berg drin, umgeben von den grauen Betonwänden des Zuganggsstollens Amsteg, segneten die Geistlichen den wenige Meter entfernten Basistunnel. Im Licht von einigen wenigen Scheinwerfern beteten ein Pater, eine Pfarrerin, ein Imam und ein Rabbiner um den Segen für alle Reisenden und Arbeiter im Tunnel. Auch ein Atheist nahm an der Zeremonie teil.


Diese fand aus Sicherheitsgründen nicht im Tunnel selbst, sondern in einem sogenannten Mustertunnel statt – einer grauen, rund zehn Meter langen Röhre mit Geleisen in der Mitte. Die schlichte Zeremonie kam ohne Musik und Publikum aus. Szenen von der Segnung sollen aber später an der Eröffnungsfeier gezeigt werden.

Schutz der Reisenden

Die Geistlichen baten Gott um den Schutz der Reisenden. “Halte Deine segnende Hand über allen, die in Zukunft in diesem Tunnel arbeiten oder als Reisende unterwegs sind”, betete die reformierte Pfarrerin Simona Rauch auf Italienisch. Sie gedachte der neun Todesopfer, die der Bau des Tunnels gefordert hatte.

Die aus Lugano stammende Pfarrerin rief angesichts der Eröffnung des längsten Eisenbahntunnels der Welt dazu auf, Hürden zu überwinden: “Ermutige uns, dass wir nicht vor hohen Bergen ratlos stehen bleiben, sondern über alle Hindernisse hinweg immer neu den Weg zum Miteinander suchen.”

Der “Vater des Gotthard-Basistunnels”, Alt-Bundesrat Adolf Ogi, sieht der Eröffnung voller Enthusiasmus entgegen:

Imam aus Wil

Auch Rabbiner Marcel Yair Ebel aus Zürich und Imam Bekim Alimi aus Wil nahmen in ihren kurzen Gebeten Bezug auf den neuen Reiseweg. Ebel bat Gott, “uns friedlich zu führen, gefahrlos gehen zu lassen, damit wir wohlbehalten ans Ziel gelangen”.

Die in der Schweiz wachsende Gruppe von Menschen ohne Religionszugehörigkeit wurde an der Zeremonie durch Pieter Zeilstra vom Bundesamt für Verkehr (BAV) vertreten. Der Gotthard-Basistunnel sei eine Gelegenheit, um Nord und Süd nicht nur geografisch näher zu bringen, sagte der Leiter der Abteilung Sicherheit beim BAV.

Für SBB-CEO Andres Meyer ist die Eröffnung des neuen Gotthard-Basistunnels ein Meilenstein:

Kritik im Vorfeld

Für Schlagzeilen hatte im Vorfeld gesorgt, dass gemäss dem ursprünglichen Konzept kein protestantischer Geistlicher an der Segnung teilnehmen sollte. Vorgesehen waren ein katholischer Priester, ein Rabbi und ein Imam. Angesichts der Kritik vereinbarten Bund und Kirchenvertreter, auch einen Christen aus der protestantischen Tradition zu berücksichtigen. Die Wahl fiel auf Simona Rauch, derzeit Pfarrerin im Bergell.

Der Tunnel wird heute rund 17 Jahre nach Baubeginn eröffnet – es ist der längste Eisenbahntunnel der Welt. Zur Feier sind neben dem Gesamtbundesrat 1100 Gäste geladen – darunter die Staatschefs aus Deutschland, Italien und Frankreich.

(SDA/uli)


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