Grösste Oppositionszeitung Ungarns soll verkauft werden

Chefredaktor Andras Muranyi (in der Mitte) und Mitarbeiter der Oppositionszeitung standen am Sonntag vor verschlossenen Redaktionsräumen.
Chefredaktor Andras Muranyi (in der Mitte) und Mitarbeiter der Oppositionszeitung standen am Sonntag vor verschlossenen Redaktionsräumen. © KEYSTONE/EPA MTI/ZOLTAN BALOGH
Die vorübergehend eingestellte grösste ungarische Oppositionszeitung «Nepszabadsag» soll nach den Worten ihres Chefredaktors verkauft werden. Die Zeitung solle jedoch «unabhängig bleiben», egal wer der neue Eigentümer werde.

Gespräche zwischen dem Eigentümer Mediaworks und leitenden Redaktoren am Sonntag hätten keine Einigung für einen Neustart der Online-Ausgabe oder den Druck der Montagsausgabe gebracht, erklärte Chefredaktor Andras Muranyi. Beide Seiten hätten sich lediglich über die Bedingungen des Verkaufs geeinigt, sagte der Chefredaktor.

Die Zeitung war am Samstag ohne Vorwarnung vorübergehend eingestellt worden. Sie hatte immer wieder kritisch über den im Jahr 2010 an die Macht gelangten Ministerpräsidenten Viktor Orban berichtet.

Oppositionsparteien, Kritiker und ein Teil der Mitarbeiter sehen in dem Schritt einen einen Schlag gegen die Pressefreiheit. Kritiker werfen dem einwanderungsfeindlichen und rechtsnationalen Ministerpräsidenten vor, die Medien im Land zu Verlautbarungsorganen seiner Regierung machen zu wollen. Zahlreiche privatwirtschaftliche Medien wurden demnach von regierungsfreundlichen Oligarchen aufgekauft.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sprach angesichts der «Nepszabadsag»-Einstellung von einem «beunruhigenden Präzedenzfall». Mitarbeiter des Blattes, die am Sonntag in das Redaktionsgebäude wollten, stiessen auf verschlossene Türen und verdunkelte Fenster.

(SDA)


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