Haben Afrikaner das Toggenburg geklaut?

Von Marco Latzer
In Namibia findet sich das südwestafrikanische Toggenbrug. Bild: Marco Latzer / FM1Today
In Namibia findet sich das südwestafrikanische Toggenbrug. Bild: Marco Latzer / FM1Today
Es ist eine FM1Today-Entdeckung der kuriosen Art: Im nordnamibischen Grootfontein findet sich ein offizielles Schild von Toggenburg-Tourismus. Beim afrikanischen Namensvetter handelt es sich um eine Farm mit Schweizer Wurzeln. Und die Tafel-Kopie soll anscheinend Gäste auf einen Camping-Platz locken. Die Verantwortlichen im “richtigen” Toggenburg nehmen es mit Humor.

30 Grad im Schatten und Wüsten-Feeling. Wo sich nicht Fuchs und Hase, sondern Schakale und Antilopen “Gute Nacht” sagen – hier liegt das Toggenburg. Oder zumindest die namibische Ausgabe davon. Es liegt 25 Kilometer nordwestlich von Grootfontein (16’200 Einwohner) an der Hauptstrasse C42 nach Tsumeb. Und: Auch hier gibt es Ansammlungen von Felsen und Hügel, die ein Gebirge bilden.

Am Strassenrand prangt auf braunem Hintergrund das Logo von Toggenburg-Tourismus; also der europäischen Ausgabe. Es ist identisch mit demjenigen, das man auch heute noch in der Ostschweiz an vielen Orten antrifft (bei Autobahnausfahrten zum Beispiel). Der Wegweiser prangt am Eingang von einem grossen Privatgrundstück. Der Name “Coetzee” weist auf die Inhaber-Familie hin. Und ein kleines grünes Schild mit Zelt deutet an, dass es hier auch ein Camping-Angebot gibt. Von der geteerten Hauptstrasse führt eine Schotterpiste kilometerweit ins Grundstück hinein.

Ein Toggenburger in Deutsch-Südwestafrika

Was hat es damit auf sich? Die Besitzer konnten von FM1Today nicht kontaktiert werden, eine offizielle Homepage gibt es offenbar nicht. Aber eine Recherche der Seite “Swissroots-za.ch” zeigt, dass das Grundstück auf einen gewissen Otto Bösch zurückgeht, der sich hier in den Kriegsjahren 1915/16 niederliess und unter anderem als Bäcker und Hotelier tätig war. Das erscheint plausibel: Zu Beginn des letzten Jahrhunderts war das heutige Namibia eine Kolonie, die zu Deutschland gehörte. Noch heute tragen viele Ortschaften und Strassen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika deshalb entsprechende Namen.

Und der Name Toggenburg hat sich seither standfest gehalten – ein ganzes Jahrhundert lang. Das Schild von Toggenburg-Tourismus deutet darauf hin, dass sich auch spätere Generationen mit dem “richtigen” Toggenburg befasst haben und mit ihren Wurzeln noch immer verbunden sind. Und das obwohl in Namibia Englisch und Afrikaans der deutschen Sprache längst den Rang abgelaufen haben.

“Richtiges” Toggenburg nimmt es gelassen

Bei Toggenburg-Tourismus nimmt man das südwestafrikanische Toggenburg mit Humor zur Kenntnis. “Wir sehen das durchaus positiv”, sagt Geschäftsführerin Sonja Fuchs. Von der Existenz dieses Toggenburgs habe man erst dank FM1Today erfahren. “Vielleicht motiviert das ja den einen oder anderen, der am Schild vorbeikommt, auch das ‘richtige’ Toggenburg bei uns zu besuchen.”

Trotz der offensichtlichen Kopie müssen die Namibier übrigens keine rechtlichen Konsequenzen befürchten. Beim Logo auf dem Schild handelt es sich zwar um weit verbreitetes, aber kein aktuelles Logo von Toggenburg-Tourismus. Auch wenn dieses auch heute noch in der Schweiz in Gebrauch ist. “Ausserdem wissen nicht einmal wir, bei wem die Urheberrechte dafür liegen”, sagt Fuchs.


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