Hasskommentare immer häufiger mit Namensangabe

Ein Verbot von anonymen Kommentaren kann Shitstorms nicht verhindern. Dies zeigt eine neue Studie der Uni Zürich.
Ein Verbot von anonymen Kommentaren kann Shitstorms nicht verhindern. Dies zeigt eine neue Studie der Uni Zürich. © KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
Wer in Sozialen Medien und auf Newsplattformen Hasskommentare absondert, steht immer häufiger mit seinem vollen Namen dazu. Ein Verbot von anonymen Kommentaren kann einen Shitstorm somit nicht verhindern. Dies zeigt eine Studie der Universität Zürich.

Politiker, Prominente, Unternehmen, Ausländer oder Angehörige anderer Religionen: Sie alle können von einem Shitstorm betroffen sein. Beleidigende oder gar bedrohende Kommentare gehören mittlerweile zum digitalen Alltag.

Bisher sei man davon ausgegangen, dass die vermeintliche Anonymität die Hemmschwelle für Hasskommentare sinken lasse, schreibt die Universität Zürich in einer Mitteilung vom Montag.

Eine Studie von Forschenden der Uni Zürich kommt nun aber zu einem ganz anderen Ergebnis: Hass-Kommentatoren stehen zunehmend zu ihrer Meinung und platzieren diese nur zu gerne mit Namensangabe. Mittlerweile sind Hass-Posts mit Namen sogar häufiger als anonyme.

Ein Anonymitätsverbot, wie es auch zahlreiche Schweizer Newsportale einführten, könne Shitstorms somit nicht verhindern, schreibt die Uni. Im Gegenteil: Möglicherweise würden Kommentatoren dadurch erst richtig angeheizt. Denn schliesslich würden viele ihre Posts als moralische Pflicht sehen, als Einsatz für eine gerechte Sache.

Für diese Kommentatoren gebe es gar keinen Grund, sich zu verstecken. Dass sie mit ihrem Namen zu ihrer Meinung stünden, könne vielmehr ihren sozialen Status erhöhen, weil ihr ähnlich denkender “Freundeskreis” die Beiträge mit einem “Like” belohne oder teile.

Zudem könnten Online-Hasser davon ausgehen, dass ihr aggressives Verhalten kaum je geahndet werde. Ein aggressiver Kommentator halte es für sehr unwahrscheinlich, dass – aus der ganzen Flut an Beleidigungen – ausgerechnet er verklagt werde.

Für die Studie wurden rund 500’000 Kommentare ausgewertet.

(SDA)


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