Hoffnung für Esel: «Uns ging das Herz auf»

Von Stephanie Martina
Nigel liebkost einen seiner 17 Esel.
Nigel liebkost einen seiner 17 Esel. © FM1Today/Stephanie Martina
Nigel Carey und Willi Steffen sind überwältigt vom Interesse, das ihr Gnadenhof für Esel in den vergangenen Tagen ausgelöst hat. Dass sie sogar einige neue Esel-Paten gewinnen konnten, lässt sie das neue Jahr mit etwas weniger Sorgen beginnen.

Manchmal scheint es, als würde die Zeit ab Weihnachten bis Neujahr etwas langsamer vergehen – als würde sich die Welt zwischen den Jahren für einmal etwas gemächlicher drehen. Im Toggenburg auf dem Eselhof vergingen die vergangenen Tage jedoch wie im Flug. Denn seit FM1today kurz vor Heiligabend über die finanziellen Sorgen der beiden Betreiber berichtet hatte, steht die Welt oberhalb Gähwil Kopf.

«Das Echo war überwältigend. Das Interesse der Leute war für uns eine grosse Bestätigung dafür, dass das, was wir tun, eine gute Sache ist», freuen sich Nigel Carey und Willi Steffen, die gemeinsam das «Eselparadies» führen. Seit über 30 Jahren nehmen die beiden auf ihrem Gnadenhof Esel auf, die von ihren früheren Besitzern misshandelt wurden, geschlachtet werden sollten oder zu Waisen wurden. Bis vor zwei Jahren haben Nigel und Willi den ganzen Unterhalt für 17 Esel und viele weitere Tiere selbst finanziert. Doch inzwischen sei das Geld knapp – und es werde noch enger, wenn Willi in fünf Jahren pensioniert werde, sagt Nigel. Deshalb seien sie immer mehr auf Spendengelder angewiesen.

«Uns ist das Herz aufgegangen»

Wie sich gezeigt hat, wollen ganz viele Menschen den beiden unter die Arme greifen. «Uns ist das Herz aufgegangen. Die Hilfsbereitschaft und Grosszügigkeit der Menschen hat uns sehr berührt. Für uns war es das schönste Weihnachtsgeschenk überhaupt», sagt Nigel. Für jeden Tag zwischen Weihnachten und Neujahr hätten sich zwischen zwei und drei Familien angemeldet, an einem Nachmittag seien sogar sechs Familien bei den Eseln zu Besuch gewesen. «Es war turbulent, aber auch sehr schön. Wir haben uns gerne die Zeit genommen, allen Gästen das ‹Eselparadies› zu zeigen und ihnen unsere Tiere vorzustellen», erzählt Willi.

Spenden und streicheln

Dass aus den Besuchern bereits neue Esel-Gottis und -Göttis wurden, freut Nigel und Willi sehr. Sieben Paten hätten die Patenschaften bereits für ein Jahr bezahlt, weitere hätten ihnen Spenden oder eine Patenschaft zugesprochen. «Mit dieser finanziellen Unterstützung ist uns schon sehr geholfen. Wir sind für jede Hilfe dankbar. Im Moment können wir unser Glück allerdings noch kaum glauben», sagt Nigel.

Sie würden immer wieder feststellen, dass die Leute heutzutage lieber für Sachen und Projekte spenden, bei denen sie genau verfolgen könnten, wie das Geld eingesetzt wird, erzählt Nigel und betont, dass das ihnen entgegenkommt: «Wir wollen nicht nur Gottis und Göttis, die uns helfen, den Unterhalt zu bestreiten, sondern die auch vorbeikommen und Zeit mit den Tiere verbringen. Unsere Esel freuen sich immer über Besuch und Streicheleinheiten.»

Eigentlich bleiben die Esel im Winter lieber drinnen im warmen Stall – aber für ein Gutzi von «Papi» Nigel wagen sich fast alle hinaus in den Schnee:

Zwei Paten für den wuscheligen Zacharias

Inzwischen haben die Eselchen Clementine, Yuma, Angie, Rosie, Ulysee und Zacharias Gottis und Göttis bekommen. Dass gleich zwei Paten Eselchen Zacharias ins Herz geschlossen haben, kann Nigel gut verstehen: «Unser Zacharias hat ein bisschen längeres Fell und ist deshalb etwas wuscheliger als andere Eselrassen. Er hat als kleiner Esel sein Mami verloren und ist als Waise zu uns gekommen. Inzwischen hat ihn aber unsere Clementine adoptiert.»

Einer der frischgebackenen Esel-Göttis ist Christoph Graf. Der St.Galler hat sich für das Eselchen Ulysse entschieden – ganz spontan, wie er sagt: «Als wir ankamen, wurden wir von Nigel und Willi herzlich empfangen und durften gleich in den Stall. Als Willi und ich etwas später im Aussengehege standen und er mir alles über die Eselhaltung erklärte, kam plötzlich ein Esel zu mir: Ulysse. Er stand einfach bei mir und ich habe ihn gestreichelt.» Daraufhin hätten er und seine Partnerin Fabienne Bünzli entschieden, eine Patenschaft für diesen Esel zu übernehmen. Es sei ein gutes Gefühl, sagt er. «Willi und Nigel kümmern sich mit viel Herzblut um die Tiere und den Hof. Wir wollten sie auf diese Weise unterstützen und uns für eine gute Sache engagieren – und unser Paten-Eseli werden wir bestimmt regelmässig besuchen.»

Christoph Graf und seine Partnerin Fabienne Bünzli mit ihrem Paten-Esel Ulysse (Bild: zVg)

Eine etwas hellere Zukunft

Während des Trubels auf dem Eselhof ist es den beiden Besitzern aber trotzdem gelungen, auch etwas Zeit für einander zu finden. Ab nächster Woche kehrt nämlich wieder der Alltag ein. Dieser beginnt für Willi um 4.30 Uhr im Stall, danach fährt er ins rund 40 Kilometer entfernte Nänikon, wo er als Autolackierer arbeitet. Weil Nigel an einer seltenen Hirnkrankheit leidet und seit seiner letzten Operation vor sieben Jahren arbeitsunfähig ist, kümmert sich Willi um die ganze körperliche Arbeit auf dem Hof.

Obwohl die finanziellen und gesundheitlichen Sorgen am Glück von Nigel und Willi nagen, blicken sie doch erleichtert und hoffnungsvoll in die Zukunft. Und dank all der positiven Begegnungen der vergangenen Tage und der neuen Paten, denen viel am Wohl der Esel liegt, starten sie mit etwas weniger Sorgen ins neue Jahr.

Möchtest du mit deinem Weihnachtsgeld etwas Gutes tun? Ab 25 Franken im Monat kannst du eine Esel-Patenschaft für ein Eseli deiner Wahl übernehmen und es jederzeit (nach Voranmeldung) besuchen. Wie du Gotti oder Götti für einen Esel wirst, erfährst du auf der Webseite des «Eselpardies» in Gähwil. Doch nicht nur Paten und Spender sind auf dem Hof willkommen, sondern auch all jene, die Zeit mit den Tieren verbringen möchten. Denn manchmal ist auch schon mit ein paar Streicheleinheiten geholfen.


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