“Ich fühle mich in der Stadt zuhause”

Manuel Stahlberger geht mit seinem neuem Album zwischen Stadtl- und Landleben.
Manuel Stahlberger geht mit seinem neuem Album zwischen Stadtl- und Landleben. © Raphael Rohner FM1Today
Der St.Galler Musiker Manuel Stahlberger bringt heute Freitag sein neues Solo-Album “Kristalltunnel” heraus. Wir haben uns mit dem Troubadour in seinem Atelier getroffen und bei einem Bier die Welt besprochen.

“Warum ich eigentlich Schweizerdeutsch singe? – Ich kann nichts anderes”, grinst der St.Galler Musiker Manuel Stahlberger und um seine stahlblauen Augen legen sich Lachfalten. Wir sitzen in seinem Atelier an der Hinteren Davidstrasse im Herzen von St.Gallen. Er bietet Bier und Wasser an, beides warm: “Sorry – bin grad recht im Stress und habe keinen Kühlschrank”, sagt er in typischem St.Galler Dialekt und streicht sich durch die grauen Haare. Unweit vom Neumarkt kritzelt er hier mit Bleistiften an seinen Skizzen und tüftelt in einem kleinen Räumchen mit zwei Gitarren an Texten, die er dann zu Liedern formt.

Leben zwischen Stadt und Dorf

Was geht dem Musiker durch den Kopf, wenn er an sein neues Album denkt, wollten wir von ihm wissen: “Ich habe mir gerade die Lieder noch ein paar Mal angehört und ich finde sie eigentlich ganz gelungen”, Stahlberger grinst wieder. Für Stahlberger geht es im Album unter anderem um den Lebensort Stadt, beziehungsweise das Leben im Dorf: “Ich fühle mich in der Stadt zuhause und könnte mir das Leben im Dorf gar nicht wirklich vorstellen – es wäre mir irgendwie alles zu eng und man beobachtet sich gegenseitig ständig.” Er sei in der Stadt daheim und fühle sich in dieser Welt wirklich heimisch. Hinter seinem Schreibtisch steht im Regal ein etwas verstaubter Prix Walo aus dem Jahr 2001. Stahlberger mustert bedächtig seine neue CD, fährt mit den Händen über das Cover und macht abermals eine Gedankenpause, bevor er einem wieder leicht verträumt ansieht.

Beachboys aus St.Gallen als nächstes Projekt?

Das Album tönt teilweise etwas düster und schwermütig. “Ich bin halt ein Grübli und mag harzige Momente”, Stahlberger nimmt einen Schluck aus seinem Bier, schaut aus dem Fenster zum Himmel und denkt einen Moment lang nach. Er sei ein Mensch, der problematischen Situationen nachdenkt und sich damit auseinandersetzt. Auf seinem neuen Album besingt er unter anderem die Situation, wie die Welt untergeht, ein Komet auf die Erde einschlägt und man an der Kasse eines Supermarktes steht. “S’letzt wo me ghört: Hend sie d’Supercard”, heisst es in einem Stück. “Ich würde gerne einmal ein Album machen, ohne jeglichen Konflikt und ohne jegliche Melancholie”, Manuel Stahlberger blickt abermals nach draussen und grinst. Einmal ein Album nur mit Happy Ends wäre für ihn auch irgendwie denkbar – aber auch langweilig: “Das wär dann wie Beachboys aus St.Gallen.”

Kristalltunnel als zweites Solo-Werk

Manuel Stahlberger fundiert seinen Erfolg auf seine Art zu Arbeiten: “Ich verzettle mich sehr ungern – auch wenn es dazu genug Chancen gäbe.” “Kristalltunnel” ist sein zweites Soloalbum, nach “Innerorts” (2012). Dazu kommen die Band-CDs, die unter dem Namen “Stahlberger” erschienen: “Rägebogesiedlig” (2009), “Abghenkt” (2011), “Die Gschicht isch besser” (2014). An was der Künstler und Chansonier als nächstes arbeiten will, weiss er noch nicht. Im Gespräch wirkt er glücklich, schwärmt über seine kleinen Kinder, die langsam die Musik entdecken und sein grosses Glück, Musiker sein zu dürfen.

Er winkt zum Abschied, trinkt sein Bier leer und meint trocken nebenbei: „So – ich muss mich noch ein bisschen um die Welt kümmern.“ Manuel Stahlberger lacht nochmal freundlich und ruft in den sonnigen Tag hinaus: „Tschüss gell – machs guet!“

Heute Freitag kommt sein neues Album “Kristalltunnel” in den Handel. Hier eine erste Kostprobe. Das Lied “Willkomme im Sunetal” drehte er bei der Ramsenburg in Herisau:

(rar)


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