Kein Platz für Sexismus

Von René Rödiger
Wie weit darf ein Künstler bei seinen Texten gehen? (Symbolbild)
Wie weit darf ein Künstler bei seinen Texten gehen? (Symbolbild) © iStock
Die Grabenhalle hat einen Rapper ausgeladen, weil dem St.Galler Kulturlokal die Texte zu sexistisch sind. Der Entscheid ist richtig und hat auch nichts mit Zensur zu tun. Ein Kommentar.

Selbstverständlich darf ein Kulturlokal selbst entscheiden, welchen Veranstaltungen es eine Bühne bieten will. Ein bisschen komplizierter wird es bei der Grabenhalle, welche von Stadt und Kanton St.Gallen subventioniert wird. Doch auch wenn öffentliche Gelder fliessen, soll und muss ein solcher Entscheid beim Kollektiv der Grabenhalle liegen. Schliesslich bekommt das Kulturlokal die Subvention für genau diese Arbeit.

Im Manifest der Grabenhalle steht: «Der Zugang zum Raum steht grundsätzlich allen als Veranstaltende offen, welche das Manifest der Grabenhalle anerkennen und respektieren.» Und: «Wir lehnen Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie, Nationalismus und jegliche andere Arten der Diskriminierung strikt ab. […] Diese Erwartungen stellen wir auch an Veranstaltende.» Sicher waren auch diese Punkte mit ausschlaggebend, dass Flows Powers ausgeladen worden ist.

Die Grabenhalle hat sich die Ausladung des St.Galler Rappers Flows Powers nicht einfach gemacht. Das merkt man, wenn man die umfangreiche Begründung im Mailverkehr an den Veranstalter liest. Offenbar ist für das Kulturlokal klar, dass der Musiker die Rolle des Sexisten und Homophoben nicht nur spielt. Ansonsten wäre das Kollektiv zu einem anderen Entscheid gekommen. Nur schon dies zeigt, dass es sich solchen Auseinandersetzungen nicht verwehrt.

Hier «Zensur» zu schreien, ist fehl am Platz. Flows Powers und sein Publikum dürfen diese Meinung haben. Sie dürfen sie auch verbreiten. Nur halt nicht in der Grabenhalle (die ja nicht das einzige Kulturlokal St.Gallens ist). Der Grabenhalle kann man höchstens vorwerfen, dass sie zu lange mit der Ausladung gewartet hat, das Konzert hätte immerhin schon Ende März stattfinden sollen.

Auf den ersten Blick mag es irritieren, dass schon viele andere Rapper, mit zum Teil ebenfalls sexistischen Texten, in der Vergangenheit in der Grabenhalle aufgetreten sind. Diese haben den Inhalt jedoch immer in einen politischen, gesellschaftlichen oder ironischen Kontext gesetzt. Bei Flows Powers kann man das leider nicht behaupten. Gerade in Zeiten von #MeToo ist hier besonderes Augenmass gefragt. Einer solchen Einstellung soll keine Plattform geboten werden.

Eine Sexismus-Debatte ist immer wünschenswert. Ob eine solche aber durch einen Auftritt eines sexistischen Rappers entstanden wäre, ist zweifelhaft. Sein Publikum hat sich leider eindrucksvoll bei den Facebook-Kommentaren gezeigt, kann und will eine solche Debatte nicht führen. Interessant wäre es, wenn die Grabenhalle Flows Powers zusammen mit anderen St.Galler Rappern zu einem öffentlichen Gespräch über Sexismus und Homophobie im Rap einladen würde. So käme auch Flows Powers zu seinem Auftritt und könnte seinen Kritikern zeigen, dass er mehr auf dem Kasten hat.


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