CSU droht mit Alleingang im deutschen Asylstreit

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und  Innenminister Horst Seehofer (CSU) sind sich nicht einig über die künftige deutsche Asylpolitik.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) sind sich nicht einig über die künftige deutsche Asylpolitik. © KEYSTONE/EPA/MARKUS HEINE
Im erbittert geführten Asylstreit der deutschen Christdemokratie weist die CSU den Vorschlag von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel zurück, auf eine europäische Lösung zu warten – und setzt ihr ein Ultimatum.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte am Donnerstag nach getrennten Beratungen der Abgeordneten von CDU und CSU im Bundestag, Teile des Masterplanes von Horst Seehofer stünden «in der direkten Verantwortung des Bundesinnenministers» und sollten daher umgesetzt werden, ohne erst auf eine Einigung auf EU-Ebene zu warten.

Es sei dringend nötig, bereits in anderen EU-Staaten registrierte Flüchtlinge an der deutschen Grenze abzuweisen, «um wieder Ordnung an den Grenzen zu schaffen», sagte Dobrindt. Dieser Schritt sei gedeckt durch deutsches und europäisches Recht.

Er sagte, die CSU-Landesgruppe sei in der Frage einig und wolle diese Position nun am Montag in den CSU-Parteivorstand tragen, um dort zu einer Entscheidung zu kommen. Damit setzte er Merkel praktisch ein Ultimatum.

Die CSU mache es sich in der Frage nicht leicht, betonte der CSU-Politiker. Die Auseinandersetzung sei auch eine Belastung in der Beziehung zwischen CDU und CSU, die im Bundestag eine gemeinsame Fraktion bilden. Ziel sei, gemeinsam für eine Neuordnung der Migrationspolitik zu sorgen. Er betonte aber, jetzt sei der Zeitpunkt zum Handeln.

Merkel hatte vor den CDU-Bundestagsabgeordneten um Unterstützung für ihren Kurs in der Asylpolitik geworben. Nach dpa-Informationen von Teilnehmern der Sondersitzung bat sie um Vertrauen bis zum EU-Gipfel am 28. und 29. Juni in Brüssel. Bis dahin will Merkel tiefgreifende Fortschritte für eine gemeinsame Asylregelung in der EU erreichen.

Die CSU will aber nicht so lange warten. Man habe «nicht den Glauben daran», dass eine Lösung auf europäischer Ebene in wenigen Tagen zu erreichen sei, sagte Dobrindt.

Rechtlich betrachtet kann Seehofer kraft seines Amtes als amtierender Bundesinnenminister die Zurückweisung von Flüchtlingen an den Grenzen im Alleingang entscheiden. Er braucht dafür nicht die Zustimmung der Kanzlerin oder des Kabinetts. Die Bundespolizei müsste dann umgehend entsprechend seiner Vorgaben handeln.

Für Merkel und ihre Koalition würde dies aber faktisch das Ende der Regierung bedeuten. Die Kanzlerin könnte, wenn sie den Alleingang verhindern wollte, Seehofer nur das Vertrauen entziehen.

(SDA)


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