Konzertsaal beeinflusst emotionalen Effekt von Musik

Der Wiener Musikverein ist ein typischer "Schuhkarton"-Konzertsaal. Finnische Forscher haben den Effekt der Akustik dieses Saals und fünf weiterer Konzerthäuser auf die emotionale Wirkung klassischer Musik untersucht.
Der Wiener Musikverein ist ein typischer "Schuhkarton"-Konzertsaal. Finnische Forscher haben den Effekt der Akustik dieses Saals und fünf weiterer Konzerthäuser auf die emotionale Wirkung klassischer Musik untersucht. © Jukka Pätynen
Nicht nur Orchester und Dirigent, auch die Saalakustik trägt dazu bei, welche Emotionen ein klassisches Konzert schürt. Finnische Forscher lüften mit dieser Erkenntnis das Geheimnis, warum manche Konzertsäle besonders beliebt sind. Klassische Musik kann uns zutiefst berühren.

Sie kann Hirnareale aktivieren, die mit Genussempfinden und Belohnung zusammenhängen, und sogar Gänsehaut auslösen. Für das perfekte Musikerlebnis wurden seit dem 18. Jahrhundert Konzerthäuser gebaut, und Wissenschaftler beschäftigen sich seit über hundert Jahren mit den akustischen Eigenschaften dieser Säle und ihrer Wirkung.

Zwar sind dabei viele vorteilhafte akustische Eigenschaften von Sälen identifiziert worden. Aber was genau den Unterschied zwischen einem akzeptablen und einem herausragenden Konzerthaus ausmacht, konnte anhand dieser Eigenschaften bisher nicht geklärt werden. Wissenschaftler der finnischen Aalto Universität berichten nun, dass manche Säle einen grösseren emotionalen Effekt erzeugen als andere.

Die Forscher liessen 28 Probanden einen Ausschnitt aus Beethovens siebter Symphonie hören. Das Stück war in einem hallfreien Raum aufgenommen und nachträglich mit den akustischen Parametern von sechs Konzertsälen versehen worden: dem Wiener Musikverein, dem Amsterdamer Concertgebouw, dem Berliner Konzerthaus sowie der Philharmonie, der Kölner Philharmonie und dem Helsinki Musiikkitalo.

Während die Probanden zuhörten, wurde ihre emotionale Reaktion anhand ihrer Hautleitfähigkeit gemessen. Dabei stellte sich heraus, dass die Akustik eines Saals vom “Schuhkarton”-Typ, wie der Wiener Musikverein, das Berliner Konzerthaus oder auch das KKL in Luzern, offenbar stärkere Emotionen auslöst als der sogenannte “Weinberg”-Typ, bei dem die Zuhörer in einem ansteigenden Oval sitzen.

“Manche Interpretationen des gleichen Musikstücks rufen stärkere Emotionen hervor als andere”, sagte Studienautor Jukka Pätynen von der Aalto Universität in einer Mitteilung der Hochschule vom Mittwoch. Die Studie zeige, dass auch die Saalakustik eine grosse Rolle für die gesamte emotionale Wirkung spiele. Immerhin sei das emotionale Erlebnis ein Schlüsselfaktor für viele Zuhörer.

Die Studie erschien im Journal der Acoustical Society of America.

(SDA)


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