Lebt ein NSU-Helfer im Rheintal?

Half Ralf M. der NSU-Zelle bei ihren Morden? Beate Zschäpfe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos werden für neun Morde verantwortlich gemacht.
Half Ralf M. der NSU-Zelle bei ihren Morden? Beate Zschäpfe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos werden für neun Morde verantwortlich gemacht.
Ralf M. beschäftigte von 2000 bis 2002 den berüchtigten Nazi-Killer Uwe Mundlos. Während dieser Zeit verübte der NSU vier seiner insgesamt neun Morde. Der Verdacht, dass der einstige V-Mann daran beteiligt war, hält sich hartnäckig. Unterdessen lebt der Mann im St.Galler Rheintal.

Ralf M. ist 44-jährig, Deutscher, lebt im St.Galler Rheintal und betreibt ein Antiquitätengeschäft in Vaduz. Was harmlos tönt, ist der Neuanfang eines Mannes, der lange in der ostdeutschen Neonazi-Szene aktiv war. Unter dem Decknamen “Primus” wurde er in dieser Zeit auch vom deutschen Verfassungsschutz angeheuert. Zehn Jahre schanzte er der Behörde Informationen zu, ehe er 2002 als Spitzel abgeschaltet wurde. Wohl weil er immer wieder falsche Informationen lieferte.

Neue Recherchen der “Welt” zeigen, dass M. in Zwickau eine Baufirma betrieb. Unter den 15 Mitarbeitern – vornehmlich rechtsextreme Skinheads – befand sich während zwei Jahren auch NSU-Killer Uwe Mundlos.  Dieser ist mit seinen Komplizen Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe für mindestens neun Morde verantwortlich. Die beiden Männer nahmen sich nach ihrer Enttarnung im Jahr 2011 das Leben, Zschäpe als einziger Überlebender wird derzeit der Prozess gemacht. In der betroffenen Phase unter M. tötete der NSU vier Menschen.

Unbehelligt in der Schweiz

In Deutschland sorgt der Verdacht, dass ein Mann des Verfassungsschutzes in die Morde involviert sein könnte, für politischen Zündstoff. Für seine Mandanten sei schwer erträglich, “dass vom Staat bezahlte Spitzel möglicherweise an den Morden des NSU mitgewirkt haben”, sagte der Münchner Opferanwalt Yavuz Narin in einer ersten Reaktion. Eine lückenlose Aufarbeitung der Ereignisse wird immer vehementer.

Klar ist: Ralf M. lebt seit Jahren unbehelligt in der Schweiz. Zuerst im Kanton Graubünden, heute im Kanton St.Gallen an der Landesgrenze zu Liechtenstein. Er selbst will nie Kontakte zu der NSU-Zelle gehabt haben, berichtet das “Liechtensteiner Vaterland” und zitiert seinen Anwalt: “Mein Mandant wird von den Deutschen Medien missbraucht, um Stimmung gegen die chaotischen und fragwürdigen Verhältnisse innerhalb des Deutschen Staatsschutzes zu machen.” (red.)


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