Massenhaft Stichlinge im Bodensee

Immer weniger Fische werden aus dem Bodensee gezogen.
Immer weniger Fische werden aus dem Bodensee gezogen. © Nana do Carmo/St.Galler Tagblatt
Die Berufsfischer am Bodensee haben im letzten Jahr so wenig Fische gefangen, wie seit fast hundert Jahren nicht mehr. Einer der Gründe ist die schlagartige Vermehrung des dreistachligen Stichlings.  Fischer setzen nun auf Karpfen und Rotaugen.

Die 106 Berufsfischer am Bodensee-Obersee haben im Jahr 2015 nur noch rund 261 Tonnen Fisch aus dem Bodensee gezogen. “Das ist das schlechteste Ergebnis seit 1917”, heisst es in einer Mitteilung der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei. Der Felchenfang lag fast 70 Prozent unter dem Zehnjahresmittel. Auch der Barschfang ist von 50 Tonnen im Vorjahr auf 23,4 Tonnen zurückgegangen.

Beim Hechtfang habe sich der Aufwärtstrend fortgesetzt, zunehmende Fänge seien auch bei Weissfischen, Aalen, Karpfen und Welsen zu verzeichnen. Ein besseres Fangergebnis erreichten die rund 13’000 Angelfischer mit rund 47 Tonnen. “Im langjährigen Vergleich bedeutet jedoch auch dieser Ertrag ein unterdurchschnittliches Ergebnis”, heisst es.

Viele Stichlinge, wenig Nährstoffe

Verschiedene Faktoren sind offenbar für die negative Entwicklung für die Berufsfischer verantwortlich. Die Fischer schreiben von einer “explosionsartigen Entwicklung” des Dreistacheligen Stichlings im offenen See seit 2013/2014. Die Stichlinge, die nicht verwertbar seien, machen zahlenmässig inzwischen 80 Prozent des Fischbestandes aus. Zudem ist weiter ein Nährstoffrückgang, der die Bestände von Felchen, Barsch und Saibling negativ beeinflusst, zu beobachten.

Fischereiforschungsstelle Langenargen

Ein Forscher zeigt einen Stichling. (Fischereiforschungsstelle Langenargen)

Schutzmassnahmen beschlossen

Um auf den Rückgang zu reagieren, hätten einige Berufsfischer mit der Verarbeitung von Karpfen und wenig gängigen Fischarten wie Rotaugen und anderen Weissfischen begonnen.

Ausserdem haben die Fischer zum Schutz der Barsche und Felchen neue Schonmassnahmen beschlossen. Die Netze dürfen saisonal nur noch bis 20 Meter Tiefe eingesetzt werden. Wegen dem verlangsamten Felchenwachstum wurden die Netzeinsatzzeiten der Berufsfischer geändert. In der Angelfischerei wurde das Fangkontingent für den Barsch von 50 auf 30 pro Tag und Angler reduziert, bei den Felchen wurde die Begrenzung von zwölf Stück unbefristet verlängert.

(red.)

 


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