Massenprotest in Kabul nach Enthauptung von Schiiten

Frauen protestieren in der afghanischen Hauptstadt Kabul gegen die Ermordung ihrer schiitischen Glaubensbrüder von der Minderheit der Hasara.
Frauen protestieren in der afghanischen Hauptstadt Kabul gegen die Ermordung ihrer schiitischen Glaubensbrüder von der Minderheit der Hasara. © KEYSTONE/EPA/JAWAD JALALI
In einer der grössten Demonstrationen in Afghanistan seit 2001 haben Tausende Menschen in Kabul gegen die Taliban und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) demonstriert. Die Wut des trotz Regens stundenlangen Protests richtete sich auch gegen die Regierung.

Demonstranten trugen am Mittwoch die Särge von sieben Angehörigen der schiitischen Minderheit durch die Strassen der afghanischen Hauptstadt, die sunnitische Extremisten vergangene Woche in der Provinz Sabul geköpft hatten. Unter den Demonstranten waren auch viele Frauen, was in dem konservativen Land unüblich ist.

Unter den entführten und später geköpften Schiiten waren auch zwei Frauen und ein neunjähriges Mädchen. Unklar ist, ob Mitglieder der Taliban oder Fanatiker des so genannten Islamischen Staates (IS) die Tat begangen haben. Sabul ist weitgehend unter der Kontrolle radikal-islamischer Gruppen.

Aufgebrachte Demonstranten drangen bis zum Präsidentenpalast vor, kletterten dort auf die Mauern und warfen mit Steinen. Polizisten feuerten in die Luft, um die Menge zu vertreiben. Demonstranten skandierten: “Tod den Unterstützern von Terrorismus in Afghanistan.”

Die Demonstranten verlangten auch, dass Präsident Ashraf Ghani und Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah abdanken sollten. Sie seien nicht in der Lage, die Menschen zu beschützen. Die Regierung entsandte Vertreter, um mit den Demonstranten zu reden.

Präsident Ghani sah sich veranlasst, sich im Fernsehen an das Volk zu wenden. “Ich habe die afghanischen Sicherheitskräfte angeordnet, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um Sicherheit für die Nation zu gewährleisten.” Er versprach: “Die Feinde Afghanistans werden für das Blut unseres Volkes bezahlen.”

(SDA)


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