Mehr Selbstvertrauen dank Rollstuhl-Rugby

Von Laurien Gschwend
Andi Brändli (links) im Zweikampf beim Rollstuhl-Rugby.
Andi Brändli (links) im Zweikampf beim Rollstuhl-Rugby. © zvg
Andi Brändli ist Tetraplegiker. Um sich trotzdem sportlich betätigen zu können, spielt der Rapperswiler seit 16 Jahren Rollstuhl-Rugby. Von Mittwoch bis Sonntag steht mit der Heim-Europameisterschaft eine Herausforderung für Andi und sein Team an. 

Kommen die Schweizer Rollstuhl-Rugby-Nationalspieler ins Finale, so steigen sie in die A-Division auf. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen», sagt Andi Brändli wenige Stunden vor dem ersten Spiel am Mittwochabend. An der letzten Europameisterschaft in Prag habe die Nationalmannschaft mit viel Pech den dritten Platz belegt. «Wir haben so hart trainiert, dass wir uns diesmal grosse Chancen ausrechnen», ergänzt der Rapperswiler.

Auch wer im Nationalteam ist, kann nicht vom Sport leben. «Wir sind Milizsportler und arbeiten alle neben dem Rugby», so Andi. Er ist seit fünf Jahren als ziviler Angestellter bei der Kantonspolizei St.Gallen tätig. «Die Stelle lässt mir viel Freiraum, damit ich mich auf den Sport konzentrieren kann.» Zwei Mal in der Woche trainiert der Rapperswiler in der Halle und auch Übungen im Kraftraum stehen regelmässig an.

Andi Brändli ist 38 Jahre alt und lebt in Rapperswil. Im Jahr 1999 verunfallte er in den Ferien in Spanien. Seither ist er vom fünften Halswirbel an gelähmt. Aber auch als Tetraplegiker betätigt er sich gerne sportlich: Seit 16 Jahren spielt er Rollstuhl-Rugby und ist Teil der Nationalmannschaft.

Laien denken sich womöglich, Rugby sei im Rollstuhl ziemlich brutal. «Mit dem Rugby für Fussgänger hat unsere Sportart nicht viel zu tun», sagt Andi. Gespielt wird die aussergewöhnliche Sportart auf einem Basketballfeld. Der Ball, ähnlich einem Volleyball, wird bei der Grundlinie eingeworfen. Ziel ist es, diesen innert 12 Sekunden über die Mittellinie und nach 40 Sekunden über die gegnerische Grundlinie zu befördern. Die Bedingung: Alle zehn Sekunden muss man prellen oder den Ball weiterpassen. Jedes Spiel dauert vier Mal acht Minuten.

«Rollstühle wie Autoscooter an der Chilbi»

«Sieht man uns das erste Mal spielen, so erschrickt man bestimmt ein wenig», gibt Andi Brändli zu. Auf dem Spielfeld gehe es ganz schön hektisch zu, und ab und zu «chlöpfe» es auch. Kippt jemand mit dem Rollstuhl um, so hilft ihm ein Betreuer wieder auf. «Wir befinden uns aber gut geschützt in beschalten Rollstühlen, die sehen ähnlich wie Autoscooter auf der Chilbi aus», beruhigt der Tetraplegiker. Es verletze sich fast nie jemand. «Ich hatte in den vergangenen 16 Jahren nur ab und zu eine Schürfwunde.»

Bevor Andi Brändli im Jahr 1999 in den Ferien verunfallte, spielte er 15 Jahre Handball. «Es war sehr wichtig für mich, wieder eine Sportart zu finden, die mir Spass macht», blickt der 38-Jährige zurück. Während der Rehabilitation in Nottwil sei er auf die besondere Sportart aufmerksam geworden. Das Rollstuhl-Rugby habe ihm genau das Selbstvertrauen gegeben, was wichtig war, um auch nach dem Schicksalsschlag zurück ins Leben zu finden.

Selbständiger dank Rollstuhl-Rugby

Heute ist es Andi möglich, alleine zu leben, ohne fremde Hilfe einen Haushalt zu führen. Im Rollstuhl-Rugby-Team befinde man sich unter Gleichgesinnten, man könne einander helfen, wenn immer dies nötig sei. Die Mannschaft freue sich jeweils über neue Mitglieder. «Aber jeder, der im Rollstuhl landet, muss natürlich für sich entscheiden, ob er bereit ist, einen solchen Sport auszuüben», sagt der Ostschweizer.

Weil immer wieder Räder kaputtgehen oder die Spieler Hilfe beim Anziehen brauchen, ist die Rugby-Mannschaft auf die Hilfe von Freiwilligen angewiesen. Hier können sich Helfer melden, um den Behindertensport zu unterstützen. Und hier kannst du im Livestream mitfiebern.


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