Mein Haustier, der Fischreiher

Von Marco Latzer
Seit anderthalb Jahren flattert ein Fischreiher durch die Wohnung von Gisela Minder in Kreuzlingen. Conchita heisst das Tier und stammt aus einer nahe gelegenen Wildvogelstation. Eine herzerwärmende Geschichte über eine kuriose Freundschaft zwischen Tier und Mensch.

Einfach nur herzig, dieser Fischreiher. Conchita stolziert durch die Wohnung, macht gar vor dem Bett nicht halt und schnappt zu den Liedern im Radio eifrig mit dem Schnabel mit (siehe Video). Dem rund 50 Zentimeter grossen Tier ist es im Handumdrehen gelungen, das Herz von Familie Minder in Kreuzlingen für sich zu erobern. Täglich schaut das Tier auf dem Balkon im dritten Stock vorbei, klopft mit dem Schnabel an die Scheibe, um seine Anwesenheit zu verdeutlichen, und hofft auf einen leckeren Fisch-Leckerbissen.

Dabei bleibt es aber selten – in der Regel stattet Conchita gleich einen kompletten Hausbesuch ab, stolziert umher und beobachtet die Familie neugierig in ihrem Alltag. “Wir haben Conchita voll in unser Herz geschlossen”, sagt ‘Frauchen’ Gisela Minder.

Ein geselliger Reiher

Mit einem Haustier im traditionellen Sinne sei der Reiher aber nicht zu vergleichen. “Wenn Conchita nicht bei uns ist, lebt sie ein ganz normales Leben als Wildvogel”, sagt Minder. Daran habe man sich gewöhnt. Ab und an kommt es nämlich durchaus vor, dass sie zwei oder gar drei Tage wegbleibt – um dann doch wieder zurückzukommen. Was wohl nichts anderes bedeutet, als dass der imposante Vogel menschliche Gesellschaft zu schätzen weiss.

In der direkten Nachbarschaft zu Minders Wohnung befindet sich eine Wildvogelstation unter der Leitung von Tierschützerin Elsbeth Eberle. Dort landete Conchita erstmals vor zwei Jahren und wurde relativ schnell wieder in die Freiheit entlassen. Nur zwei Wochen später machte sie aber auf einem Sitzplatz in Altnau auf sich aufmerksam – und kam wieder zurück nach Kreuzlingen. Offensichtlich um zu bleiben. Denn seither schwirrt der Reiher in der Nachbarschaft umher. “Das ist definitiv ein einzigartiger Vogel”, sagt Eberle.

Völlig anders als “normale” Reiher

Fischreiher sind im Prinzip klassische Wildtiere. Kontakte mit Menschen versuchen sie eigentlich zu vermeiden. Umso aussergewöhnlicher ist daher das Verhalten dieses Kreuzlinger Exemplars, das es mit den Gepflogenheiten seiner Gattung nicht ganz so ernst zu nehmen scheint. Der Name von Conchita ist eine bewusste Anlehnung an die österreichische ESC-Gewinnerin mit ihrem berühmten Bartwuchs. Und zwar aus triftigem Grund: Bei Reihern lässt sich das Geschlecht nur äusserst schwer feststellen, weshalb letztlich unklar bleibt, ob es sich in diesem Fall um ein Männchen oder ein Weibchen handelt. Echt schräg, dieser Vogel.

Mehr über das Zusammenleben der Minders mit Conchita im TVO-Beitrag.


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