Rettungsarbeiten nach schweren Beben in Japan durch Regen erschwert

Helfer versuchen verschüttete Menschen aus ihren zerstörten Häusern zu ziehen. Nach einem zweiten noch stärkeren Erdbeben in Süd-Japan, das sich zu später Stunde  ereignet hatte, verbringen Tausende die kalte Nacht auf den Strassen.
Helfer versuchen verschüttete Menschen aus ihren zerstörten Häusern zu ziehen. Nach einem zweiten noch stärkeren Erdbeben in Süd-Japan, das sich zu später Stunde ereignet hatte, verbringen Tausende die kalte Nacht auf den Strassen. © KEYSTONE/AP Kyodo News
Nach dem schweren Erdbeben im Süden Japans haben Rettungskräfte am frühen Sonntagmorgen die Suche nach Verschütteten fortgesetzt. Erschwert wurde ihr Einsatz durch immer heftigere Regenfälle und starken Wind.

In der Region wurden bis zu 25’000 zusätzliche Soldaten erwartet, die Feuerwehrleuten, der Polizei und Ärzten bei der Arbeit helfen sollen. Zugleich rief die Regierung dem Fernsehsender NHK zufolge fast eine Viertelmillion Menschen zum Verlassen ihrer Häuser auf, weil die Gefahr bestehe, dass Schlammlawinen die Gebäude zum Einsturz bringen.

Da viele Notunterkünfte bereits überfüllt sind, sollen Zelte und Lastwagen mit Trinkwasser zu den Menschen gebracht werden. Bei dem Beben in der Präfektur Kumamoto starben in der Nacht zum Samstag nach amtlichen Angaben mindestens 32 Menschen, über 1000 wurden verletzt. Viele Menschen werden noch vermisst.

Zahlreiche Häuser, Strassen und Brücken wurden zerstört. Das Beben hatte nach Angaben der Behörden eine Stärke von 7,3. Bei ersten Erschütterungen waren am Donnerstag bereits neun Personen ums Leben gekommen.

Rund 90’000 Menschen wurden in Notunterkünften in Sicherheit gebracht. Die Behörden warnten unterdessen vor weiteren Erdrutschen durch starke Regenfälle. Auch in den nächsten Tagen wird mit weiteren teils starken Nachbeben in der Unglücksregion gerechnet.

Verängstigte Menschen sassen in Decken gehüllt vor ihren Häusern, während andere in den Reisfeldern an den Stadträndern kampierten. Rund 100’000 Haushalte sind ohne Strom und 422’000 ohne Wasser.

Bis Sonntag sollen bis zu 20’000 Soldaten in Kumamoto ins Katastrophengebiet entsandt werden, dazu noch Sanitäter und Feuerwehrmänner. Bis Samstagabend wurden 230 Nachbeben registriert. Experten der US-Erdbebenwarte USGS warnten vor weiteren.

Laut dem Sender NHK kam es bei dem Vulkan Aso zu einem kleinen Ausbruch. Rauch stieg etwa 100 Meter hoch auf. Die 400-Jahre alte Burg von Kumamoto wurde schwer beschädigt, die Mauern brachen. Die drei Atomkraftwerke in der Umgebung meldeten keine Störungen. Eine Tsunami-Warnung wurde wieder aufgehoben.

Ministerpräsident Shinzo Abe sagte schnelle Hilfe zu. Es seien zunehmende Winde und noch stärkerer Regen vorhergesagt. Die Rettungsarbeiten würden daher in der Nacht extrem schwierig werden, “es ist ein Wettlauf gegen die Zeit”, sagte er bei einer Kabinettssitzung. Es seien grossräumige Schäden zu befürchten.

Zahlreiche Fabriken grosser internationaler Konzerne wie Sony, Honda, Toyota, Nissan stellten vorübergehend ihre Produktion ein, um die Fabriken auf Schäden zu untersuchen. Die wirtschaftlichen Folgen der Beben sind nach Aussage von Notenbankchef Haruhiko Kuroda noch nicht absehbar.

Japan war 2011 von einem Beben erschüttert worden, das einen Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima nach sich zog. Damals starben fast 20’000 Menschen.

(SDA)


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