Mit «Openair-Abfall» Flüchtlingen helfen

Natalina Haller und Leo Rüdiger sammeln zum zweiten Mal Zelte nach dem Openair.
Natalina Haller und Leo Rüdiger sammeln zum zweiten Mal Zelte nach dem Openair. © FM1Today/Stefanie Rohner
Am Openair-Sonntag wollen die meisten nur noch eines: Nach Hause, um ihren Kater auszuschlafen und Energie zu tanken. Nicht so Natalina Haller und Leo Rüdiger. Die beiden sammeln am OpenAir St.Gallen übrig gebliebenen, intakten Zelte. Für einen guten Zweck.

«Da sich die Situation für Flüchtende nicht wirklich verbessert, sondern eher noch verschlechtert hat, führen wir die Aktion noch einmal durch. Die intakten Zelte werden sowieso einfach liegengelassen, warum also damit nicht Menschen helfen, die nichts haben?», sagt Natalina Haller. Die beiden finden es traurig, dass so viele Zelte einfach weggeschmissen werden. Schon im letzten Jahr sammelten sie die intakten Zelte ein.

«Da kann ich nicht zuschauen»

«Uns geht es hier so gut und da kann ich nicht zuschauen, wie Zelte, die noch gebraucht werden könnten, achtlos weggeschmissen werden», sagt Leo Rüdiger und ergänzt: «Das Sammeln ist zwar ein grosser Aufwand, aber im Vergleich dazu, was wir damit erreichen können, macht uns das nichts aus.» Beide sind der Meinung, dass es schön wäre, wenn weitere Leute an anderen Openairs ebenso eine Aktion starten würden. «Wir versuchen, die Idee weiter zu verbreiten», sagt Haller.

Zelte werden an vielen Orten gebraucht

Direkt nach dem letzten Konzert des Openair St.Gallen beginnen die beiden damit, die Zelte entgegenzunehmen. «Wir nehmen aber nur Zelte, die intakt und mit allen Heringen bestückt sind. Wir wollen keinen ‘Abfall’ spenden», sagt Haller. Sollte es stark regnen, kommt auf die beiden eine grosse Reinigungsaktion zu. Deshalb suchen sie noch weitere helfende Hände. Rund zehn Personen haben bisher zugesagt. «Wir wären mega dankbar, wenn sich weitere entschliessen, uns ein bis zwei Stunden zu helfen», sagt Haller.

Ursprünglicher Plan wurde durchkreuzt

Geplant war, dass die gesammelten Zelte durch den Verein Refy (Refugee supply transport) nach Calais gebracht werden. Dies ist nun aber noch offen, da in Calais die Polizeipräsenz sehr hoch sei und einige der Spenden daher nicht ankommen würden. «Wir müssen spontan entscheiden, wo wir die Zelte hinbringen können. Wenn nicht nach Calais, werden die Zelte nach Italien und Griechenland gebracht», sagt Rüdiger. Der Transport kostet rund 400 Franken. Dafür suchen die beiden noch Spenden.

«In Calais wurde ein Flüchtlingscamp aufgelöst, seither schlafen viele im Wald. Auch wenn das Camp aufgelöst wurde, sind die Menschen ja doch noch da. Es fehlt dort einfach an allem», sagt Haller. Willkommen wären die Zelte aber wohl auch an vielen anderen Orten.

(str)

 


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