Mörder von palästinensischem Teenager erhalten lange Haftstrafen

Die Gewalt geht weiter im Nahen Osten. Im Bild Festnahme eines protestierenden Palästinensers im Westjordanland.
Die Gewalt geht weiter im Nahen Osten. Im Bild Festnahme eines protestierenden Palästinensers im Westjordanland. © KEYSTONE/EPA/ALAA BADARNEH
Mehr als eineinhalb Jahre nach der Verbrennung eines palästinensischen Jugendlichen sind zwei Israelis zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Die Zurechnungsfähigkeit des dritten Täters, des einzigen erwachsenen Angeklagten, wird derzeit noch geprüft.

Die drei Angeklagten hatten den 16-jährigen Palästinenser Mohammed Abu Chedair im Juli 2014 als Rache für den Mord an drei israelischen Jugendlichen bei lebendigem Leib verbrannt. Das Bezirksgericht in Jerusalem verhängte am Donnerstag lebenslange Haft gegen einen der Täter. Der zweite muss für 21 Jahre ins Gefängnis. Er habe den Mord nicht mit begangen, sondern lediglich mit vorbereitet, hiess es in der Urteilsbegründung.

Die Verurteilten, die zur Tatzeit minderjährig waren, müssen den Angehörigen des Opfers auch Entschädigung in Höhe von jeweils 30’000 Schekel (7684 Franken) bezahlen. Die Mutter von Mohammed Abu Chedair kündigte bereits an, die Entschädigungszahlungen nicht anzunehmen.

Der Tod des Jugendlichen aus dem arabischen Ostteil Jerusalems löste damals gewaltsame Proteste aus. Die Morde an den drei jüdischen Teenagern und an Abu Chedair gelten als einer der Auslöser des Gaza-Kriegs im Sommer 2014.

Der Vater des verbrannten Palästinenser sagte, er werde das Urteil anfechten. Er werde nicht ruhen, bis auch der Hauptangeklagte verurteilt werde und auch der zweite Täter lebenslange Haft bekomme. Die Häuser der Familien der jüdischen Mörder müssten zerstört werden wie jene von palästinensischen Attentätern, forderte er zudem. “Mit weniger geben wir uns nicht zufrieden”.

Bei den beiden Verurteilten handelt es sich um zwei inzwischen 18-jährige rechtsextreme Juden. Einer von ihnen stammt aus Jerusalem, der andere aus der israelischen Stadt Beit Schemesch.

Voraussichtlich am kommenden Donnerstag soll entschieden werden, ob der mutmassliche Drahtzieher, ein 31-jährige Siedler, schuldfähig ist. Die Anwälte des Mannes hatten seit Beginn des Prozesses Ende Juli 2014 erklärt, ihr Mandant, der sich selbst als “Messias” bezeichnet, sei geisteskrank. Allerdings legten sie ein entsprechendes psychiatrisches Gutachten erst kurz vor dem Schuldspruch vor.

Die geständigen Angeklagten hatten angegeben, die Tat als Racheakt für die Verschleppung und Tötung von drei israelischen Jugendlichen drei Wochen zuvor verübt zu haben. Die drei jüdischen Talmudschüler waren Mitte Juni 2014 im Süden des Westjordanlands gekidnappt worden.

Israel startete daraufhin eine grossangelegte Militäraktion, um die Jugendlichen zu finden und ihre Entführer aufzuspüren. Die Entführten wurden schliesslich am 30. Juni, zwei Tage vor Mohammed Abu Chedairs Verbrennung, erschossen in einem unwegsamen Gelände nördlich von Hebron aufgefunden.

In Israel und den palästinensischen Gebieten geht derweil die Serie von Gewalttaten weiter. Nach einem tödlichen Anschlag dreier Palästinenser auf eine Polizistin in Jerusalem riegelte die israelische Armee am Donnerstag die Stadt Kabatia im nördlichen Westjordanland ab.

In dem Heimatort der nach dem Anschlag getöteten Attentäter kam es zu Zusammenstössen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern, wie Gemeindepräsident Mahmud Kmeil mitteilte. Dabei wurden nach Angaben von Rettungskräften vier Palästinenser verletzt.

Die drei palästinensischen Angreifer hatten sich mit Schusswaffen, Messern und einer Rohrbombe bewaffnet einem israelischen Kontrollposten am Damaskus-Tor, einem Eingang zur Jerusalemer Altstadt, genähert.

Israelische Zeitungskommentatoren sehen in dem Anschlag einen Wendepunkt in der Gewaltwelle – von Einzeltätern hin zu organisierten Terroranschlägen. Bisher griffen Palästinenser fast ausschliesslich mit Messern und anderen Stichwaffen an.

(SDA)


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