Neffs Fokus liegt auf dem Sport

Titelverteidigung im Kopf: Cross-Country-Weltmeisterin Jolanda Neff will in dieser Saison wieder voll angreifen
Titelverteidigung im Kopf: Cross-Country-Weltmeisterin Jolanda Neff will in dieser Saison wieder voll angreifen © KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Wenn die Mountainbiker am Wochenende ihre Weltcupsaison richtig lancieren, kann wieder mit Jolanda Neff gerechnet werden. Die Ostschweizerin krempelt mit Blick auf die anstehende Heim-WM einiges um.

Die Wohnung auf der Lenzerheide hat sie nicht mehr, die Ambitionen der 25-jährigen Rheintalerin im Bündner Bike-Mekka sind aber grösser denn je. Anfang September findet in der Schweiz die Cross-Country-WM statt, und Jolanda Neff sagt: «Eine Heim-WM ist etwas Einmaliges.»

Die Aussicht auf eine erfolgreiche Titelverteidigung im eigenen Land bewirkte bei der amtierenden Weltmeisterin ein Umdenken. Nach Platz 6 beim Saisonauftakt in Südafrika im März nach kurzer Vorbereitungszeit wegen eines Schlüsselbeinbruchs und vor der zweiten Weltcupstation am Wochenende in Albstadt sagt Neff: «Ich bin jetzt wieder Mountainbikerin und nicht mehr Studentin.» An der Universität, wo sie vor anderthalb Jahren ein Geschichtsstudium begonnen und die Zwischenprüfungen bislang gemeistert hat, zieht sie nun ein Urlaubssemester ein. «Ich will mir die Chance geben, mich gut und richtig auf die Heim-WM vorzubereiten», sagt sie.

Die Vorbereitung wurde zwar, wieder einmal, durch Verletzungen gestört. Der Schlüsselbeinbruch vom Januar ist aber verheilt und die Oberschenkelprellung, die eine volle Belastung zuletzt während mehrerer Wochen verhindert hat, auf einem guten Weg der vollständigen Genesung.

Dass Sport und Studium gleichzeitig nicht ohne Abstriche funktionieren, hat Neff in der letzten Saison erfahren. Unter der Vielfachbelastung litt vor einem Jahr der Formaufbau, erst gegen Ende Saison war sie richtig fit. Das reichte zwar zum ersten WM-Titel, kostete sie aber den dritten Triumph im Gesamtweltcup. Schlussrang 4 war das Ergebnis des ständigen Kompromisses. Die zusätzlichen Verpflichtungen als Weltmeisterin liessen sich dann mit dem Studium kaum mehr vereinbaren. «Ich rannte von einem Termin zum nächsten, hatte keine ruhige Minute mehr. Das wirkte sich auf das Training aus und konnte so nicht weitergehen», so Neff.

Dem kräftezehrenden Zusatzaufwand hat sich auch Neffs vielleicht härteste Gegnerin entledigt. Die 34-jährige Dänin Annika Langvad, Cross-Country-Weltmeisterin von 2016, hat ihr Zahnmedizin-Studium vor kurzem abgeschlossen und liess in den letzten Wochen erahnen, dass sich die frei gewordene Zeit positiv auf ihr sportliches Niveau auswirkt. Schwieriger einzuschätzen ist das aktuelle Leistungsvermögen der letztjährigen Gesamtweltcupsiegerin Jana Belomoina. Die 25-jährige Ukrainerin wurde in der Vorbereitung durch eine schwere Beinverletzung nach einem Asphalt-Sturz ausgebremst.

Weitere Konkurrentinnen Neffs im Kampf um den WM-Titel und den Gesamtsieg im Weltcup sind nebst Teamkollegin Maja Wloszczowska, die Australierin Annie Last, die Französin Pauline Ferrand-Prévot und womöglich das niederländische Talent Anne Tauber. Die 24-jährige Urnerin Linda Indergand wartet derweil noch auf den ganz grossen Wurf. Manche halten den ersten Weltcupsieg nach bisher zwei Podesträngen für fällig.

An Konstanz fehlte es in der letzten Saison ausser Belomoina allen. Der bisweilen zu ungestümen Neff wird diese aber zugetraut. «Wenn Jolanda weniger Ausflüge neben die Strecke machen würde, könnte sie die Szene dominieren», heisst es hinter vorgehaltener Hand.

(SDA)


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