Ohne Umweg über den “Sackbahnhof” Zürich von Genf nach St. Gallen

Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember gehen die Kohlendreieck- und die Letzigrabenbrücke in Betrieb. Sie dienen primär den Fernverkehrszügen als Ausfahrt Richtung Westen aus dem Durchgangsbahnhof Löwenstrasse.
Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember gehen die Kohlendreieck- und die Letzigrabenbrücke in Betrieb. Sie dienen primär den Fernverkehrszügen als Ausfahrt Richtung Westen aus dem Durchgangsbahnhof Löwenstrasse. © KEYSTONE/WALTER BIERI
Mit dem grossen Fahrplanwechsel am 13. Dezember beginnt für die SBB in der Region Zürich ein neues Zeitalter: Ab diesem Datum verkehren die Fernverkehrszüge von Genf nach St. Gallen auf der Durchmesserlinie (DML) – ohne Umweg über den Kopfbahnhof Zürich.

Die Zickzackfahrten über das halbe Gleisfeld in die Bahnhofhalle sind gezählt. Künftig verkehren die Fernverkehrszüge auf der Ost-West-Achse ab Oerlikon in einer Berg- und Talfahrt von Oerlikon via den Weinbergtunnel und den unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse nach Altstetten.

Zwei Viadukte – die Kohlendreieck- und die Letzigrabenbrücke – sorgen dafür, dass die ausfahrenden Fernverkehrszüge Richtung Westen das Gleisfeld bis nach Zürich-Altstetten kreuzungsfrei queren können. Die Fernverkehrszüge können damit schneller ein- und ausfahren als bisher.

Seit Anfang Oktober wurden auf den beiden Bauwerken zahlreiche Testfahrten durchgeführt, wie der für die Inbetriebnahme verantwortliche Projektleiter Pascal Rechsteiner am Donnerstag vor den Medien ausführte. Eingehend getestet worden sei das Einfädeln in Altstetten, wo drei Gleise in das bestehende Schnellzugsgleis münden, die von vier Zügen pro halbe Stunde befahren werden.

“Gewisse Überlegungen” angestellt werden mussten laut Rechsteiner auch bezüglich der steilen Rampen, die von den bis zu 400 Meter langen Zügen bewältigt werden müssen. Die Signalsteuerung sei so gestaltet, dass die Züge “mit Schwung” ausfahren können und nicht in einer Steigung anhalten müssen.

Bereits seit Juni 2014 wird die DML von der S-Bahn benutzt. Neu verkehren ab Dezember der IC Brig-Romanshorn, der ICN Genf-St. Gallen und der ICN Lausanne-St. Gallen sowie der “Flugzug” Basel-Flughafen Zürich über die DML. Insgesamt werden dann 24 Züge pro Stunde im Bahnhof Löwenstrasse abgefertigt. Heute sind es deren zwölf.

Der kommende Fahrplanwechsel sei für die Region Zürich der herausforderndste seit der Inbetriebnahme der S-Bahn 1990 und der Einführung von “Bahn 2000”, betonte Rechsteiner. Die SBB sei aber gut gerüstet. Mit grossen Überraschungen sei am 13. Dezember nicht zu rechnen. Allenfalls seien nachträglich noch einige Optimierungen nötig.

Mit der Inbetriebnahme für den Fernverkehr sind die Bauarbeiten an der DML zu 95 Prozent abgeschlossen. Bis im Herbst 2017 werden auch die zahlreichen Projekte im Bahnhof Oerlikon mit neuen Personenunterführungen, Zugängen und Perrons abgeschlossen sein. Zudem erhält der Hauptbahnhof Zürich einen neuen Aufgang zur Europaallee.

Gesamthaft sei man auf Kurs, sagte Gesamtprojektleiter Roland Kobel – sowohl bezüglich Einhaltung der Termine als auch kostenmässig. Voraussichtlich wird die gesamte DML 2,068 Milliarden Franken kosten – 37 Millionen oder 1,8 Prozent mehr als ursprünglich geplant. Mehrkosten verursachten laut Kobel zusätzliche Ausgänge im Flucht- und Rettungsstollen, eine Projektänderungen in Oerlikon sowie die Verstärkungen bei den beiden Brückenbauwerken.

Offiziell eingeweiht wird die zweite DML-Etappe am 26. Oktober. Dabei sein werden SBB-Chef Andreas Meyer, die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker-Späh sowie Vertreter des Bundesamtes für Verkehr. Für Gesamtprojektleiter Kobel wird es der krönende Abschluss sein. Er geht Ende Jahr in Pension.

(SDA)


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