Ostschweizer Freestyler haben einen Lauf

Von Lara Abderhalden
Joel Gisler (links) und Marc Bischofberger wollen an die Weltspitze.
Joel Gisler (links) und Marc Bischofberger wollen an die Weltspitze. © Instagram/Keystone
Wenn Ostschweizer Athleten auf den Ski stehen, kann das ganz schön gut kommen. Zumindest im Fall von Toggenburger Joel Gisler und Appenzeller Marc Bischofberger. Beide sind im Moment so erfolgreich wie noch nie.

Er geht in die Hocke, gleitet fast schon über jede einzelne Schanze, die anderen Fahrer lässt er weit hinter sich – Marc Bischofberger ist im Moment nicht zu bremsen. Bereits am Donnerstag liess er seiner Konkurrenz im Skicross in Innichen keine Chance und holte nicht nur den Sieg, sondern setzte sich selbst auch gleich an die Spitze des Gesamt-Weltcups.

Diese Position konnte er am Freitag verteidigen. Es folgte der zweite Triumph in Innichen. «Das ist natürlich ein unglaubliches Gefühl», erzählt der 26-jährige Appenzeller nach dem Rennen. «Ich hätte nie gedacht, dass auch der zweite Tag so erfolgreich endet.»

«Das ist sensationell»

Es sei eine besondere Ehre, dass mit Alex Fiva ein zweiter Schweizer auf dem Podest stehen konnte. Mit dem zweiten Sieg hat er auch die «Cross Alp Tour» gewonnen: «Ich hätte mir niemals Chancen ausgerechnet, überhaupt vorne mitmischen zu können. Jetzt habe ich gewonnen, das ist sensationell. Es ist einfach perfekt aufgegangen.»

«Es ist eine Zitterpartie»

Warum er gerade so einen Lauf hat, kann sich der Appenzeller nicht erklären: «Es ist schwierig, zu sagen, was im Skicross passiert. Als Fahrer merkt man nicht, wo die Gegner sind oder was sie tun. Es ist eine rechte Zitterpartie und braucht immer auch ein Quäntchen Glück.» Dieses hatte Marc Bischofberger und darum darf er auch mächtig feiern: «Ich werde schon noch anstossen und eins oder zwei trinken.» Später gebe es ganz viele SMS und Glückwünsche, die er beantworten dürfe.

Noch eine Nacht bleibt Marc Bischofberger in Innichen, dann geht es zurück in die Ostschweiz. «Ich feiere Weihnachten mit meiner Freundin und meiner Familie. Natürlich gibt es schon eine kurze Pause mit ein paar Gläsern Wein oder Bier. Anfang Januar wird aber das Training fortgesetzt.»

Olympische Medaille als Ziel

Viel Ausgang liegt nicht drin, denn schon bald steht mit den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang das nächste Highlight auf dem Programm. Auch wenn Marc Bischofberger noch nicht definitiv dabei ist, hat er grosse Ziele: «Wenn ich gehen kann, ist mein Ziel klar eine Medaille.»

Die Saison habe schon sehr gut angefangen, jetzt hofft er, dass weitere gute Rennen folgen. Ein Ritual vor den Rennen hat Marc Bischofberger nicht: «Ich habe bewusst kein Ritual, denn wenn ich ein Ritual nicht durchführen kann, bringt mich das nur durcheinander. Es gibt ja solche, die immer dasselbe T-Shirt oder dieselben Unterhosen tragen. Das mache ich definitiv nicht. Ich fahre einfach.»

Bischofberger wollte eigentlich Skirennen fahren

Das dürfte auch das Erfolgsrezept von Marc Bischofberger sein. Dass er einfach einmal macht oder wagt. Eigentlich hatte der 26-Jährige gar nicht vor, Skicross zu fahren. «Ich war ein normaler alpiner Skifahrer.» Wegen zahlreicher Verletzungen und einer Pause entdeckte er dann aber den Skicross: «Ich habe eine Aussschreibung gesehen und bin so irgendwie in die Disziplin hinein gerutscht.» Bereits in der zweiten Saison wurde er ins B-Kader aufgenommen. Seit vergangenem Jahr fährt Marc Bischofberger in der Nationalmannschaft. Seinen ersten Weltcup-Sieg feierte er vor zwei Jahren.

Toggenburger fliegt am schönsten

Zum allerersten Mal auf einem Weltcup-Podest stand der Toggenburger Joel Gisler. Der 23-Jährige aus Mosnang schaffte es in der Halfpipe im Secret Garden Resort in China am Freitag auf den zweiten Platz. Die Voraussetzungen für die kommenden Winterspiele in Pyeongchang sind somit gegeben. Gisler durfte bereits im Jahr 2014 für die Schweiz an die olympischen Winterspiele. Dort schaffte er es auf den 18. Platz.

Joel Gisler bei seiner Finalfahrt:


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