Ostschweizer Trio erobert Hockey-Welt

Talent hoch drei: Timo Meier, Kevin Fiala und Jens Nater (von links).
Talent hoch drei: Timo Meier, Kevin Fiala und Jens Nater (von links). © Gettyimages und HC Davos
Sie trainierten als Sportschüler gemeinsam, nun haben die drei Ostschweizer Eishockey-Talente Grosses vor: Kevin Fiala und Timo Meier stehen vor einer NHL-Karriere, Jens Nater will sich bei Meister Davos durchsetzen.

Eine Ansammlung gleichaltriger und vor allem überdurchschnittlicher Spieler sind im Sport derart selten, dass die Generation häufig unter einem speziellen Namen in die Geschichtsbücher eingeht. Bei Manchester United ist die Gruppe rund um David Beckham als Fergie’s Fledglings (Alex Fergusons Küken) bekannt.

Noch hat niemand einen passenden Namen für das Ostschweizer Trio Kevin Fiala, Timo Meier und Jens Nater kreiert, „doch diese Talent-Ansammlung ist für hiesige, wenn nicht gar Schweizer Verhältnisse, aussergewöhnlich“, sagt Roger Nater. Er ist nicht nur Jens Vater, er hat auch alle drei Talente trainiert. Der Uzwiler Fiala (Jahrgang 1996) und die beiden Herisauer Meier (1996) und Nater (1995) besuchten 2010 die Sportschule Appenzellerland und trainierten gemeinsam zweimal die Woche, jeweils um 6.15 Uhr in der Früh, im Sportzentrum Herisau.

Fiala als Ausnahmetalent

Die drei haben schon viel erreicht – und noch mehr vor. Kevin Fiala und Timo Meier sorgen international für Aufsehen. Sie wurden in der ersten NHL-Draftrunde gezogen – Fiala 2014 von den Nashville Predators an elfter Gesamtstelle, Meier 2015 von den San José Sharks an neunter. Nater darf sich seit dieser Saison NLA-Verteidiger nennen. Er trägt das Trikot des aktuellen Schweizermeisters HC Davos.

Roger Nater, ehemaliger Stürmer des SC Herisau (über 300 Tore in 518 Spielen), findet lobende Worte für die Jungstars. Am meisten bringt Kevin Fiala mit. Der Sohn von Ex-Lugano-Spieler Jan Fiala sei der kompletteste Spieler: “Er ist technisch stark, schnell sowie wendig und weist eine hohe Spielintelligenz auf”, sagt Nater. Bei Timo Meier hebt er besonders die Torgefährlichkeit hervor. Er treffe in allen Ligen, Altersstufen und Teams. “Das ist aussergewöhnlich.” Bei Jens ist väterliche Zurückhaltung angesagt.

Wie Stricker und Forster

Die Naters und Meiers sind Nachbarn, die Junghockeyaner sind gemeinsam aufgewachsen. Eine ähnliche Konstellation gab es in Herisau bereits einmal. Daniel Stricker, einer der besten Schweizer Schiedsrichter, wuchs neben HCD-Verteidiger Beat Forster auf. Der Referee fand dank den Forsters überhaupt den Weg ins Eishockey.

Jens Nater und Timo Meier haben ihre Wurzeln ebenfalls im Ausserrhoder Traditionsverein, verliessen den Club aber in jungen Jahren. Nater ging nach Davos, wo er auf diese Saison hin einen Profivertrag erhalten hat und behutsam aufgebaut wird. Er bestritt bislang vier Meisterschaftsspiele. “Geduld ist gefragt, vor allem als Verteidiger”, sagt sein Vater. Eine besondere Herausforderung ist das Tempo-Eishockey von Trainer Arno Del Curto. Als Verteidiger dürfe man sich keine Fehler erlauben. Nicht auszuschliessen ist, dass Nater Junior an einen NLB-Klub ausgeliehen wird, damit er Erfahrungen sammeln kann.

Meier nun Captain

Timo Meier ging zunächst zu den Pikes Oberthurgau, später in die Nachwuchsabteilung der Rapperswil-Jona Lakers und schaffte anschliessend den Sprung nach Nordamerika. Nach dem Entry-Draft machte er die Saisonvorbereitung mit den San José Sharks mit. Er ist mittlerweile zu den Halifax Mooseheads in die Juniorenliga Quebecs zurückgekehrt – nicht weil es dem Herisauer nicht für die NHL reichen würde. “Die Trainer haben mir gesagt, dass ich in der vierten Linie spielen könne. Für meine Entwicklung sei es aber besser, noch ein Jahr bei den Junioren zu verbringen”, sagt er gegenüber FM1Today.

Bei den Kanadiern darf und muss er mehr Verantwortung tragen. Er ist neu Captain und soll das verjüngte Team führen. Von ihm werden zudem viele Tore erwartet. Team-Topscorer Nikolay Ehlers, Sohn des Lausanne-Trainers Heinz Ehlers, ist zu den Winnipeg Jets gewechselt. Möglich, dass Meier bereits in dieser Saison NHL-Luft schnuppert. Vielleicht holen ihn die Sharks zum Saisonfinale ins Kader.

Fiala in der AHL

Mit Kevin Fiala, mit dem er gemeinsam die Thurgauer Sportschule NET besuchte, hat Timo Meier hin und wieder Kontakt. Kevin Fiala fand über Uzwil, den ZSC Lions und dem schwedischen Klub HV71 Jönköping nach Übersee. In der vergangenen Saison gab der in Zuzwil aufgewachsene Ostschweizer sein Debüt in der NHL. Er wurde je in einem Regular-Season- sowie in einem Playoff-Spiel der Nashville Predators eingesetzt. Seit Januar spielt er für deren Farmteams, den Milwaukee Admirals, in der AHL. Weitere NHL-Einsätze sind aber wahrscheinlich. Laut kanadischen Hockeyexperten passt Fialas Spielweise bestens zum System von Headcoach Peter Laviolette.

Von alle drei Ostschweizer Hockeytalenten werden wir also noch viel lesen.


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