Pakistan bittet Ban um Vermittlung

Pakistanische Demonstranten verbrennen eine Strohpuppe, die den indischen Premierminister Narendra Modi darstellen soll. Die Situation an der Grenze zwischen den beiden Atommächten hat sich gefährlich zugespitzt.
Pakistanische Demonstranten verbrennen eine Strohpuppe, die den indischen Premierminister Narendra Modi darstellen soll. Die Situation an der Grenze zwischen den beiden Atommächten hat sich gefährlich zugespitzt. © KEYSTONE/AP/FAREED KHAN
Angesichts der gefährlichen Eskalation im Kaschmir-Konflikt hat Pakistan UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon um Vermittlung gebeten. Pakistans UNO-Botschafterin verlangte eine «entschlossene Intervention» Bans, um eine Krise zu vermeiden.

«Dies ist ein gefährlicher Moment für die Region», sagte Pakistans UNO-Botschafterin Maleeha Lodhi am Freitag. Die Spannungen zwischen den verfeindeten Bruderstaaten Indien und Pakistan sind seit einem tödlichen Angriff auf ein indisches Militärlager stark gestiegen.

Lodhi warf Indien vor, den «regionalen und internationalen Frieden» zu gefährden. «Dies ist eine Krise zwischen zwei atomaren Nachbarn. Dies ist so gefährlich, wie es nur sein kann», sagte Lodhi nach einem Treffen mit Ban in New York. Sie habe ihm vorgeschlagen, eine für November geplante Reise nach Indien und Pakistan vorzuziehen, um die Situation zu entschärfen.

Bans Sprecher Stéphane Dujarric sagte, der Generalsekretär würde alle Vorschläge oder Initiativen zur Deeskalation des Konflikts begrüssen. Ban verfolge die scharfe Rhetorik beider Seiten sowie die Zunahme der Spannungen an der Grenze «mit grosser Besorgnis», sagte Dujarric. UNO-Militärbeobachter in Kaschmir würden Berichten über eine Verletzung der Waffenruhe an der Demarkationslinie nachgehen.

Indien hatte am Donnerstag verkündet, in Kaschmir mehrere Stellungen der Rebellen auf der pakistanischen Seite der Demarkationslinie angegriffen zu haben. Während es immer wieder Schusswechsel an der Grenze gibt, ist der Einsatz von Bodentruppen auf gegnerischem Gebiet selten.

Die indische Regierung sagte sie habe damit auf einen Überfall von Rebellen auf einen indischen Militärstützpunkt in Kaschmir mit 18 Toten reagiert. Indien machte Islamabad für den Angriff mitverantwortlich und Regierungschef Narendra Modi warf Pakistan vor, «Terrorismus in alle Ecken» zu exportieren.

Pakistans Premierminister Nawaz Sharif wiederum bezeichnete den indischen Militäreinsatz vom Donnerstag als «offene Aggression». Die Vereinten Nationen äusserten sich besorgt über die Eskalation und riefen zur Zurückhaltung auf.

Nach dem Militäreinsatz auf pakistanischem Gebiet evakuierte Indien am Freitag mehrere Dörfer entlang der Grenze aus Sorge vor Vergeltungsangriffen. Die Behörden im Norden Indiens teilten mit, sie würden Dörfer bis zu einer Entfernung von zehn Kilometern von der Grenze räumen. Allein im Bundesstaat Jammu und Kaschmir wurden laut Polizei 1500 Dorfbewohner in Sicherheit gebracht.

Seit der Tötung eines Separatistenführers durch indische Sicherheitskräfte im Juli gibt es in Kaschmir regelmässig Zusammenstösse. Dabei wurden mehr als 80 Menschen getötet.

Die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Bergregion ist seit einem Krieg 1947 zwischen Indien und Pakistan geteilt, wird aber bis heute von beiden Staaten vollständig beansprucht. Seit 1989 kämpfen mehrere Rebellengruppen teils für die Unabhängigkeit Kaschmirs, teils für den Anschluss an Pakistan.

(SDA)


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