Palästinensisches Mädchen nach Attacke in Jerusalem erschossen

Sanitäter bringen am Montag in Jerusalem den Leichnam des getöteten palästinensischen Mädchens weg.
Sanitäter bringen am Montag in Jerusalem den Leichnam des getöteten palästinensischen Mädchens weg. © /EPA/ABIR SULTAN
In der Nähe des Zentralmarkts von Jerusalem haben am Montag zwei palästinensische Mädchen mit Scheren auf einen Palästinenser eingestochen. Ein Polizist schoss auf die 14 und 16 Jahre alten Angreiferinnen. Die Ältere wurde getötet und die Jüngere schwer verletzt.

Die Tat ereignete sich in der Jaffa-Strasse, eine belebte Fussgängerzone in West-Jerusalem, in der Nähe des orientalischen Markts Machane Jehuda, einer Touristenattraktion.

Bei dem 70-jährigen Mann, den die in Schuluniform gekleideten Mädchen angriffen und leicht verletzten, handelte es sich den Ermittlern zufolge um einen Palästinenser aus dem Westjordanland. Die Polizei vermutet einen Irrtum der Täterinnen.

Ebenfalls leichte Verletzungen erlitt ein 27-jähriger Wachmann, der von einem Querschläger an der Hand getroffen wurde. Die Schüsse wurden von einem Polizisten abgegeben, der in seinem Auto Zeuge des Angriffs wurde. Er habe die Mädchen unter vorgehaltener Waffe aufgefordert, sich zu ergeben, diese seien aber mit den Scheren auf ihn zugestürmt, schilderte die Polizei die Ereignisse.

Am Montag gab es nördlich von Jerusalem einen weiteren tödlichen Zwischenfall. Ein Palästinenser erstach an einer Tankstelle einen israelischen Soldaten. Der palästinensische Angreifer sei daraufhin von Sicherheitskräften erschossen worden, teilte der israelische Rettungsdienst Zaka via Twitter mit.

Fast zeitgleich erschossen Soldaten südlich von Nablus im Westjordanland einen Palästinenser. Er habe versucht, einen Israeli mit einer Stichwaffe anzugreifen, berichtete ein Armeesprecher.

Seit Anfang Oktober ist die Lage in Israel und im Westjordanland äusserst angespannt. Palästinenser verübten fast 200 Attacken auf Israelis, zumeist mit Stichwaffen, aber auch mit Autos oder Schusswaffen. 16 Israelis und ein US-Bürger wurden bei diesen Angriffen getötet, zahlreiche Menschen verletzt. Ein Eritreer wurde von Israelis misshandelt und getötet, weil sie ihn für einen Täter hielten.

Im Zuge der Unruhen, die auch auf das Grenzgebiet zum palästinensischen Gazastreifen übergriffen, starben im gleichen Zeitraum 90 Palästinenser. Dabei handelt es sich in der grossen Mehrzahl um erwiesene oder mutmassliche Attentäter.

Nach der jüngsten Häufung solcher Anschläge nahe dem Siedlungsblock Gusch Ezion im besetzten Westjordanland wurde dort am Montag allen Palästinensern der Zutritt verwehrt. Betroffen waren rund 2000 palästinensische Beschäftigte, die in diesen südlich von Jerusalem gelegenen Grosssiedlungen arbeiten. In Gusch Ezion und den ebenfalls vom Zutrittsverbot erfassten Städten Beitar Illit und Efrat leben etwa 92’000 israelische Siedler.

Auslöser für die Aussperrung, die auf unbestimmte Zeit verkündet wurde, waren die tödlichen Anschläge der vergangenen Tage. Am Sonntag wurde an einer zentralen Strassenkreuzung in der Nähe dieses Siedlungsblocks eine 21-jährige Besucherin aus Israel von einem Attentäter erstochen.

Am Donnerstag feuerte an gleicher Stelle ein Palästinenser aus seinem Auto auf Passanten und tötete einen US-Bürger, einen Israeli und einen Palästinenser. Innerhalb von drei Wochen ereigneten sich damit nahe Gusch Ezion sechs Attacken mit Messern, zwei mit Autos und eine mit Schusswaffen.

Israelische Siedler versammelten sich dort am Sonntag und Montag zu Protestkundgebungen und forderten die Sperrung der Landstrasse 60, die wichtigste Verkehrsachse im Westjordanland, für Palästinenser. Davidi Perl, Vorsitzender des regionalen Siedlerrats, verlangte eine Neuauflage der “Operation Schutzschild”, mit der die israelischen Streitkräfte 2002 auf die zweite Intifada reagiert hatten. Dabei wurden die zentralen palästinensischen Städte besetzt und der Sitz der Autonomiebehörde in Ramallah belagert.

(SDA)


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