Prävention mit Dashcam in St. Gallen undenkbar

Prävention mit Dashcam in St. Gallen undenkbar
Seit die Temperaturen bei uns gefallen sind, ist im Strassenverkehr wieder erhöhte Vorsicht geboten. Im Internet machen ausländische Polizeien die Lenker mit schockierenden Unfall-Videos von offiziellen Dashcams auf Gefahren bei Schneewetter aufmerksam. In der Ostschweiz reagiert man darauf zurückhaltend.

Es soll den Automobilisten einen möglichst bleibenden Eindruck hinterlassen.  Zunächst bereitet ein Beamter der Montana State Police den Zuschauer darauf vor, was er in wenigen Sekunden zu sehen bekommt: Eine Massenkollision in einem Schneesturm in der Nähe von Missoula aus dem Dezember des letzten Jahres; rechtzeitig aus dem Archiv ausgegraben, um die Lenker in diesem Winter auf die Gefahren des winterlichen Strassenverkehrs aufmerksam zu machen.

Eine Unfallserie vor Missoula

Die Szene beginnt relativ harmlos. Als die Polizisten an dem Unfallort eintreffen, ist eine Mutter von zwei Kindern bereits in die Leitplanke geknallt und steht in entgegengesetzter Fahrtrichtung auf dem Pannenstreifen. Plötzlich kommt ein Lastwagen angeschossen und donnert mit voller Wucht in das Familienauto – die Mutter wird mit hohem Bogen aus ihrem Fahrzeug geschleudert und liegt – von den Polizisten zunächst nicht bemerkt – am linken Rand der Fahrbahn. Erst als sich das Opfer zu bewegen beginnt, wird sie entdeckt. Während die Erstversorgung noch läuft, kracht zunächst ein weiteres Auto in die Unfallszene mit dem Lastwagen hinein und wieder nur kurze Zeit später kollidieren im Hintergrund zwei Pick-Up’s seitlich miteinander. Das fünfminütige Video endet mit dem Eintreffen der Ambulanz. Im Abspann mahnt die State Police zu vorsichtigem Fahren; insbesondere, wenn man sich einer Unfallstelle nähert. Und wir erfahren, dass alle Beteiligten die Unfallserie überlebt haben.

Bei der Kantonspolizei St. Gallen reagiert man auf solche Präventionsmassnahmen mit grosser Zurückhaltung. Ein Veröffentlichen von offiziellen Dashcam-Bildern sei hierzulande nicht so einfach möglich, so Mediensprecher Gian-Andrea Rezzoli: “In den meisten dieser Fälle geht es um ein Verkehrsdelikt oder einen Unfall. Bilder davon sind Beweismittel und müssen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden.” Das gefilmte Ereignis werde in der Folge juristisch aufgearbeitet, was in der Regel längere Zeit in Anspruch nimmt. Und auch wenn allfällige Strafverfahren abgeschlossen sind, lasse sich Bildmaterial nicht ohne Weiteres verwenden. Die Betroffenen haben Bild- sowie Persönlichkeitsrechte und müssten daher mit einer Veröffentlichung ausdrücklich einverstanden sein.

Kantonspolizei setzt auf Unfallfotos

Kurz: Das Zurückgreifen auf Dashcam-Material würde für die Kantonspolizei St. Gallen einen unverhältnismässigen Aufwand bedeuten. “Bilder sind für die Prävention sicherlich wichtig; wir setzen aber vornehmlich auf Fotos vom Unfallort”, so Rezzoli. Es müsse nicht zwingend Bewegtbild sein. Wenn sich ein Auto dreimal überschlagen habe, würden auch Aufnahmen vom zerstörten Autowrack eine präventive Wirkung erzielen. Eindruck scheinen die Videos der ausländischen Kollegen dennoch zu machen: “Bislang waren Dashcam-Aufnahmen bei uns kein Thema, aber wir müssten es uns einmal genauer anschauen.”

So oder so dürfte die Sache technisch aber einen Haken haben: Die Polizeiautos sind zwar mit Kameras bestückt, diese sind aber in der Regel nicht eingeschaltet. Kameraeinsatz ist bei der Kantonspolizei St. Gallen vor allem dann gefragt, wenn sie einen Temposünder verfolgt und die genaue Geschwindigkeit feststellen und belegen möchte.

Wenn wir schon beim Thema sind: Nicht zu vergessen sind natürlich die Mitschnitte zahlreicher Unfälle durch russische Dashcams:

Und dann gibt es noch “Unfall-Verrückte”, die stundenlang am Strassenrand ausharren, um Unfälle zu filmen und die Menschen damit aufzurütteln…

(mla)


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