Rafik Schami: “Ich kann keine weinenden Kinder mehr sehen”

Der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami hilft minderjährigen Opfern des syrischen Bürgerkriegs, weil er ihr Elend kaum erträgt. (Archivbild)
Der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami hilft minderjährigen Opfern des syrischen Bürgerkriegs, weil er ihr Elend kaum erträgt. (Archivbild) © KEYSTONE/GAETAN BALLY
Der deutsch-syrische Autor Rafik Schami verfolgt nicht mehr täglich die Nachrichten aus dem Land seiner Geburt. “Ich kann keine weinenden Kinder mehr sehen, wirklich. Ich breche zusammen. So schöne Kinder stehen mitten zwischen Trümmern und sind verletzt”, sagt er.

Zusammen mit Freunden gründete Schami 2012 den Verein Schams, um geflüchteten syrischen Kindern in der Türkei, Jordanien und dem Libanon zu helfen. Der Verein unterstützt Schulen in Flüchtlingslagern, organisiert Schulbücher und bildet Lehrer aus. Er mache dafür 20 Benefiz-Lesungen im Jahr, sagte Schami.

Den Flüchtlingen sei in den Ländern rund um Syrien am effektivsten geholfen, sagte der Autor, der heute in Marnheim in der Pfalz lebt. “Unten kostet das viel weniger als hier.” Ausserdem blieben die nach Europa, Australien oder Kanada Geflohenen wahrscheinlich in ihrer neuen Heimat. “Wer hier Freiheit geniesst, wer diesen Wohlstand erlebt, kehrt nicht in ein Trümmerfeld zurück”, sagte er.

“Aber nicht dass man mich missversteht: Ich bin für die Aufnahme eines jeden, der berechtigt ist”, sagte Schami weiter. Auch müssten die Flüchtlinge gegen die Angriffe von Rechtsextremen geschützt werden. Auch er helfe, indem er gegen einen “erstarkenden Populismus unter den deutschen Intellektuellen” anschreibe. Am 23. Juni feiert Rafik Schami seinen 70. Geburtstag.

(SDA)


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