Rapper ohne Filzpantoffeln

Eine ungewöhnliche Umgebung für Rap: Xen, Eaz und Liba von Physical Shock drehen das Video für ihren Song Mozart in der Stiftsbibiliothek St.Gallen.
Eine ungewöhnliche Umgebung für Rap: Xen, Eaz und Liba von Physical Shock drehen das Video für ihren Song Mozart in der Stiftsbibiliothek St.Gallen. © Screenshot/youtube/Physical Shock, Mozart
Weltkulturerbe Stiftsbibliothek und Rap? Eher ein Widerspruch. Doch drei Zürcher Rapper Xen, EAZ und Liba haben hier ein Video gedreht, ganz ohne Filzpantoffeln. Das St.Galler Weltkulturerbe wird so zum Renner im Netz.

Rund 400’000 Mal wurde das Video von Xen, Eaz und Liba geklickt und nicht wenige haben die «geile Location» im Kommentar erwähnt. Die Location ist das Unesco Weltkulturerbe in St.Gallen – doch die Stiftsbibliothek gilt nicht unbedingt als klassischer Hintergrund für Rap-Musik.

Für die Räumlichkeiten Miete gezahlt

«Dank des Videos wird unsere Bibliothek einem Publikum bekannt gemacht, das sich üblicherweise nicht unbedingt für uns interessiert», sagt Silvio Frigg von der Stiftsbibliothek St.Gallen. Er hat die Zürcher Rap-Formation während den Filmaufnahmen in der Bibliothek begleitet. Die Zürcher Rapper Eaz, Xen und Liba sind in der Schweizer Rapper-Szene durchaus bekannt und haben gerade mit dem Lyrics-Award einen renommierten Schweizer Rap-Music-Preis für den besten Song und das beste Album erhalten.

«Die Anfrage der Rapper kam vor rund einem Jahr. «Es war eine kommerzielle Anfrage für die Dreharbeiten zu ihrem Song ‘Mozart’, das heisst die Rapper haben für die Räumlichkeit Miete bezahlt», sagt Silvio Frigg. «Vom Song kannten wir damals nur den Refrain, der schien uns okay.»

Prügel und Bomben

Der Song «Mozart» ist eine klassische Selbstbeweihräucherung: «Denn das einzige, was ich hinterlass’, sind Note ‘Mozart’.» Doch so harmlos bleibt der Text nicht: «Ich brich jede, wo öbis falsches seit, egal wer, de blibt ide Reha glähmt.»

«Ich weiss nicht, ob wir anders entschieden hätten, wenn wir den ganzen Text gekannt hätten», sagt Frigg. «Dini crews sind nur trottels, wo eus nahmachet, Üsii tour laht die opfer alli abchratze, Mini strophe, mini tatwaffe, Ich schüsse bombe uf all die attrappe», singen die Rapper in den Räumen, wo eine der bedeutendsten und ältesten Buchsammlungen der Welt aufbewahrt wird.

Die Aufnahmen für das Rap-Video fanden bereits vor einem Jahr statt. Frigg bleiben sie aber durchaus in guter Erinnerung. «Die jungen Männer haben sich sehr respektvoll verhalten und waren auch von der Bibliothek beeindruckt.» Im Video kommen sie allerdings mit den üblichen Rapper-Allüren daher. «Sie wirkten im echten Leben ganz anderes als im Video», sagt Frigg.

Ohne Filzpantoffeln

Für alle, die schon die Stiftsbibliothek besucht haben, stellt sich die Frage, weshalb die Sänger ohne Filzpantoffeln die wertvollen Böden betreten durften. «Wenn die Schuhe sauber und trocken sind, ist das kein Problem, das schadet den Parketböden nicht. Wir machen immer wieder Ausnahmen, besonders bei Gebrechlichen und Leuten mit Krücken», sagt Frigg. Und offenbar auch bei Zürcher Rappern.

(agm)

 


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