Rot-Grün triumphiert in Bern

Er ist der eigentliche Gewinner der Stadtberner Wahlen: Alec von Graffenried erzielte auf Anhieb das beste Resultat bei den Gemeinderatswahlen.
Er ist der eigentliche Gewinner der Stadtberner Wahlen: Alec von Graffenried erzielte auf Anhieb das beste Resultat bei den Gemeinderatswahlen. © KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
Das Rot-Grün-Mitte-Bündnis kann in der Stadt Bern auch nach 24 Jahren an der Macht noch zulegen. Bei den Gemeinderatswahlen errang es einen vierten Sitz in der fünfköpfigen Stadtregierung. Die FDP ist nicht mehr dabei.

Der freisinnige Finanzdirektor Alexandre Schmidt verpasste die Wiederwahl am Sonntag. Er habe keine Angst um sich selber, sondern um die Stadt Bern. Ein Teil der Bevölkerung – die Bürgerlichen – sei nun nicht mehr im Gemeinderat vertreten, sagte Schmidt. Seine Abwahl ist darauf zurückzuführen, dass SVP und FDP getrennt antraten.

Das siegreiche RGM-Bündnis sieht sich in der Pflicht. Die 4:1-Mehrheit sei auch mit Verantwortung gegenüber jene Wählern verbunden, die sich nicht von RGM vertreten fühlten, sagte SP-Gemeinderätin Ursula Wyss. Und Franziska Teuscher (Grünes Bündnis) warnte vor Überheblichkeit.

Grund zur Freude hatte nicht nur RGM, sondern auch alt Nationalrat Alec von Graffenried (GFL). Der Neuling schaffte auf Anhieb ein Glanzresultat und düpierte damit die alteingesessene Konkurrenz.

Bei den Gemeinderatswahlen holte von Graffenried 31’127 Stimmen. Ihm folgte mit Schuldirektorin Franziska Teuscher (GB) eine weitere Grüne. Sie brachte es auf 27’866 Stimmen.

Überraschend mit Platz drei begnügen musste sich die amtierende Bau- und Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP). Sie erzielte 26’160 Stimmen. Ihr Parteikollege Michael Aebersold zieht neu in den Gemeinderat ein mit 23’351 Stimmen. Reto Nause (CVP) reichten 11’033 Stimmen für die Wiederwahl.

Das RGM-Bündnis erhielt insgesamt 61,8 Prozent der Parteistimmen. Gegenüber den Wahlen 2012 legte Rotgrün also nochmals um rund zwei Prozent zu.

Nauses Mitte-Liste holte sich den verbleibenden Sitz mit 13,1 Prozent. Die liberal-bürgerliche Liste von Alexandre Schmidt musste sich mit 11,4 Prozent bescheiden. Die SVP, die allein angetreten war und grosse Hoffnungen gehegt hatte, scheitert mit 10,6 Prozent.

Wer in der Stadt Bern die Nachfolge des abtretenden Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät antritt, ist noch offen. Den ersten Wahlgang am Sonntag entschied von Graffenried für sich. Allerdings erreichte keiner der zahlreichen «Stapi»-Kandidaten das absolute Mehr. Der zweite Wahlgang findet Mitte Januar statt.

Ursula Wyss, bereits sehr früh als «Königsanwärterin» gehandelt wurde, musste sich im ersten Wahlgang hinter von Graffenried einreihen. Von Graffenried liess am Sonntag durchblicken, dass er zum zweiten Wahlgang antritt. Wyss betonte, dass RGM die Ausgangslage noch diskutieren werde.

Reto Nause nahm sich aus dem Rennen und signalisierte für den zweiten Wahlgang Unterstützung für von Graffenried.

In der Nacht auf Montag hatte die Linke gleich nochmals Grund zum Jubeln – sie geht auch gestärkt aus den Parlamentswahlen hervor. Zulegen konnten namentlich die jungen Linken von der JUSO und der Jungen Alternative, aber auch die Alternative Linke.

Im Mitte-Lager musste die BDP Federn lassen. Sie hat noch drei statt sieben Stadträte. Bei den Bürgerlichen nahm die FDP der SVP einen Sitz ab. Insgesamt hat der Links-Block nun deutlich über 40 der 80 Sitze, die Mitte ist etwas schwächer, das bürgerliche Lager unverändert.

Überschattet wurden die Stadtberner Wahlen von einer Unregelmässigkeit. Rund 300 Zettel wurden mit der gleichen Handschrift ausgefüllt. Die Zettel wurden für ungültig erklärt. Die Stadtkanzlei wird eine Strafanzeige einreichen, wie sie am späten Abend mitteilte.

(SDA)


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