Olympia ohne Russland – Start unter neutraler Flagge möglich

Die russische Flagge wird an den Olympischen Spielen 2018 nicht zu sehen sein
Die russische Flagge wird an den Olympischen Spielen 2018 nicht zu sehen sein © KEYSTONE/EPA DPA FILE/KAY NIETFELD
Das IOC hat Russland von den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea ausgeschlossen. Dennoch bleibt für russische Athleten eine Hintertür offen.Die Überraschung ist gross, nur wenige trauten dem Internationalen Olympische Komitee dieses Urteil zu.

Das IOC schloss die Nation Russland von den Olympischen Spielen in Pyeongchang aus, nur vereinzelte russische Sportler dürfen – unter neutraler Flagge – starten.

Zwar ist die Strafe gegen Russland keine kollektive Verbannung, also kein Komplett-Ausschluss. Aber das Urteil tut weh, sehr sogar. Die Hintertür eines Starts unter olympischer Flagge, die für russische Athletinnen und Athleten offensteht, dürften nicht all zu viele Sportler nehmen. Dazu müssen sie nachweisen können, dass sie unbelastet sind und sich einem unabhängigen Testprogramm unterworfen haben. Der Internationale Leichtathletik-Verband wendet dieses System bereits an. Die IAAF schloss Russland schon vor den Sommerspielen 2016 in Rio aus und lässt seither vereinzelte Athleten unter neutraler Flagge starten.

«Es handelt sich um einen nie dagewesenen Angriff auf die Integrität der Olympischen Spiele und des Sports. Dieser Entscheid soll einen Strich ziehen unter die verheerende Episode», sagte IOC-Präsident Thomas Bach an der Medienkonferenz in Lausanne. Das IOC bestraft das staatlich orchestrierte Dopingsystem in Russland, das bei den Winterspielen in Sotschi vor vier Jahren seinen Höhepunkt erfahren hatte. Mithilfe des russischen Geheimdienstes wurden zahlreiche Dopingproben von russischen Sportlern ausgetauscht.

Über die Athletinnen und Athleten, die unter neutraler Flagge starten werden, sagte Bach: «Alle sauberen Athleten werden unter streng definierten Bedingungen teilnehmen dürfen. Sie können in Pyeongchang eine Brücke bauen», ergänzte der IOC-Boss und fügte an: «Ich sehe auch keinen Grund für einen Boykott russischer Sportler, weil wir sauberen Athleten erlauben teilzunehmen.»

«Das ist ein beeindruckendes Signal zugunsten des sauberen Sports», sagte Corinne Schmidhauser, die Präsidentin von Antidoping Schweiz. Ihr Direktor Matthias Kamber hielt freudig fest, dass er ein solches Urteil nicht erwartet habe.

Einige der weiteren Beschlüsse der 14-köpfigen IOC-Exekutive lauten: Der frühere russische Sportminister Witali Mutko, der aktuell Chef des russischen Fussball-Verbandes und WM-Organisationschef ist, wird als eine Schlüsselfigur im Doping-Skandal von allen zukünftigen Olympischen Spielen ausgeschlossen. Der ROC-Präsident Alexander Schukow ist als IOC-Mitglied suspendiert.

Russland war über das Urteil wenig erfreut. Die staatlichen Fernsehsender werden die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang nicht übertragen. Putin hatte für den Fall einer Demütigung mit einem Boykott gedroht, in den letzten Tagen waren diesbezüglich aber moderatere Töne aus Moskau zu vernehmen. Ein staatlich gelenktes Dopingsystem wird in Russland aber weiter vehement geleugnet. Das Nationale Olympische Komitee Russlands wird voraussichtlich am 12. Dezember über eine Reaktion auf den IOC-Entscheid beraten. Möglich wäre ein Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Auslöser des Skandals war der Dopingbetrug der Russen bei den Heim-Spielen 2014 in Sotschi. Grigori Rodtschenkow, der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Dopinglabors, hatte sich in die USA abgesetzt und als Kronzeuge über den systematischen Austausch von Dopingproben russischer Athleten berichtet. Die Pläne dafür seien bis in höchste politische Kreise bekannt gewesen. So sollen Manipulationen bei 15 von 33 russischen Medaillengewinnern vertuscht worden sein. Viele Athleten sollen indes vor den Wettkämpfen einen leistungssteigernden Cocktail mit Steroiden und Alkohol erhalten haben. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hält all diese Aussagen für richtig.

Der kanadische Rechtsprofessor Richard McLaren hatte im Auftrag der WADA in zwei Berichten umfangreiches Material gesammelt, die staatlich gesteuerte Manipulationen im russischen Sport belegen. Mehr als 1000 Athleten sollen zwischen 2011 und 2015 davon profitiert haben.

Die Kommission unter Leitung alt Bundesrat Samuel Schmid hatte die Aufgabe herauszufinden, wer in dem von McLaren beschriebenen System welche Verantwortung trug. Diese Erkenntnisse dienten auch als Grundlage des IOC-Entscheids über die Sanktionen gegen Russland dienen. «Wir haben eine solche Form des Betrugssystems vorher noch nie gesehen», sagte Schmid. «Das russische Dopingprogramm ist ein beispielloser Schaden für den Olympismus und den Sport. Die Ergebnisse beruhen nicht nur auf den Aussagen von Rodtschenkow. Sie stehen auf einem festen Fundament.»

(SDA)


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