Sarganser rennt ersten Marathon und gewinnt

Fabian Anrig (Mitte) gewinnt seinen ersten Marathon in Luzern.
Fabian Anrig (Mitte) gewinnt seinen ersten Marathon in Luzern. © swiss-image.ch/Andy Mettler
Fabian Anrig aus Sargans ist Schweizer Meister im Marathon. Er ist am Wochenende in Luzern zum ersten Mal in seinem Leben einen Marathon gelaufen und hat alle Top-Läufer hinter sich gelassen. Wir haben mit ihm gesprochen.

Sein Geld verdient Fabian Anrig als Primarlehrer in Sevelen. Seine gesamte Freizeit widmet der 30-Jährige dem Laufsport. Zum allerersten Mal ist er am Wochenende in Luzern einen Marathon gelaufen und sprintete als erster über die Ziellinie. Der Marathon in Luzern war gleichzeitig die Schweizer Meisterschaft.

Fabian Anrig, du rennst deinen ersten Marathon und gewinnst. Welche Reaktionen hast du nach dem Lauf erhalten?
Ich bin mich gewohnt, dass ich zwei, drei Nachrichten erhalte. Dieses Mal sind aber sehr viele Reaktionen gekommen. Das war sehr schön.

Was war das für ein Gefühl, als du als Erster über die Ziellinie gerannt bist?
Ich kann nicht sagen, dass es für mich eine Überraschung war. Ich hatte immer im Hinterkopf, dass ich den Lauf gewinnen kann. Dass es dann tatsächlich aufging, das war eine grosse Erleichterung für mich und ich war sehr zufrieden, dass ich mein Ziel erreicht hatte. Ich hatte extrem Respekt vor dem Marathon. Irgendwann habe ich dann auch Ansätze von Krämpfen bekommen. Ich wusste zwar, dass der Vorsprung reichen sollte, die Krämpfe hätten aber alles zerstören können.

Wie hast du dich auf diesen Marathon vorbereitet?
Es war tatsächlich das erste Mal am Marathon selber, dass ich so weit gelaufen bin. Im Training habe ich jeweils eine Distanz von bis zu 36 Kilometer gelaufen. Das Ziel habe ich mir schon länger gesteckt und mich auch intensiv vorbereitet. Ich trainiere sechs bis sieben Mal in der Woche. Ausserdem brauche ich auch Zeit für die Erholung, das ist sehr wichtig. Sei es für Massagen oder einfach um auf der Couch zu sitzen. Für Krafttrainings oder Koordinationstrainings. Ein grosser Teil meiner Freizeit widme ich dem Laufsport.

Mit Erfolg, wie der erste Platz an den Schweizer Meisterschaften zeigt. Schlägst du jetzt eine Karriere als Profisportler ein?
Das wäre schön, ist jedoch vorerst ein Traum. Sehr wenige Leute können vom Laufen leben. Es macht zwar schon Lust auf mehr, so ein erster Platz, und ich werde intensiv dran bleiben. Mein Stundenplan ermöglich es mir, den Sport und Beruf gut unter einen Hut zu bringen und dem Laufen viel Zeit zu widmen.

Wie hat die Lauf-Community auf deinen Sieg reagiert? Du kamst ja quasi aus dem Nichts…
Naja, ganz aus dem Nichts bin ich nicht gekommen. Ich habe vor fünf Jahren intensiv mit dem Laufen begonnen und wurde in diesem Jahr bereits zweimal Vierter bei den Schweizermeisterschaften im 10-Kilometer- und 21-Kilometer-Lauf. Dieses Jahr lief also schon einmal ziemlich gut für mich. Ich denke, deshalb haben schon ein paar mit mir gerechnet, für viele kam der Sieg aber sicher auch unerwartet.

Und jetzt bist du überzeugt, dass der Marathon deine Distanz ist?
Wenn man einen Halbmarathon läuft und sich überlegt, die ganze Strecke noch einmal zu rennen, hat man das Gefühl, das nicht zu schaffen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, ein Marathon ist machbar und die Distanz hat mir schon sehr zugesagt. Man startet langsamer und ist nach 21 Kilometern noch nicht völlig ausgepowert. Es war bestimmt nicht mein letzter Marathon.

Welche Privilegien geniesst man als amtierender Schweizer Meister?
Ich werde ab und zu zu Läufen eingeladen. Für den Trainingsaufwand springt finanziell aber nicht viel raus. Wenn ich an internationalen Meisterschaften mitwirken will, muss ich eine gewisse Limite erreichen. Diese Zeit kann ich aber nur bei einem flachen Rennen schaffen.

Vermutlich ist der Laufsport nicht nur zeitlich aufwendig, sondern du musst dich auch bei anderen Dingen zurückhalten?
Bei den Vorbereitungen auf den Marathon war ich sehr seriös. Ich bin nicht mehr in den Ausgang gegangen. Früher habe ich ab und zu über die Stränge geschlagen, jetzt brauche ich das nicht mehr so. Ich bereite mich lieber seriös auf Ziele vor. Allerdings habe ich jetzt Saisonpause, vielleicht werde ich jetzt wieder einmal feiern gehen.

Andreas Forster/abl


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