Schneesportler stören Wildtiere in ihrer Winterruhe

Sobald der erste Schnee gefallen ist, brauchen Gemsen zum Überleben des Winters nicht nur genügend Nahrung sondern auch genügend Ruhe (Archiv).
Sobald der erste Schnee gefallen ist, brauchen Gemsen zum Überleben des Winters nicht nur genügend Nahrung sondern auch genügend Ruhe (Archiv). © KEYSTONE/URS FLUEELER
Auch Wintersportler stören Wildtiere – mit schweren Folgen für die Tiere. Reinhard Schnidrig vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) fordert deshalb einen naturverträglichen Schneesport.

Wenn den Tieren “der Ruheraum fehlt, das Schlafzimmer und die gute Stube, in die niemand reintrampelt”, dann hätten die Tiere grosse Probleme, sagte der Chef der Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität im Interview mit dem Magazin “umwelt” des BAFU.

Viele Tiere litten unter der flächendeckenden Freizeitnutzung der Landschaft. Denn angesichts der Zersiedelung, der intensiven Landwirtschaft sowie der Nutzung des Waldes gebe es immer weniger ruhige Räume für die Tiere.

Und besonders der Winter stelle für Wildtiere “hohe Anforderungen” ans Überleben. “Manche Arten schaffen das nur dank einer speziellen Strategie, die darauf abzielt, Energie zu sparen, sich möglichst wenig zu bewegen”, sagte Schnidrig.

Die Freizeitsportler selbst seien sich oft gar nicht bewusst, dass “sie sich im Lebensraum von Wildtieren bewegen und diese stören – man begegnet den Tieren ja meist nicht”.

Es sei bereits einiges in Gang gesetzt worden, um Tiere und Schneesportler besser zu trennen. Schnidrig verwies auf eine entsprechende Kampagne des Schweizer Alpenclubs SAC, die auf ein gutes Echo stosse. Zudem würden immer mehr Bergbahnen Ruhezonen für Wildtiere ausscheiden. Auch Tourismusregionen seien bereits ins Boot geholt worden.

Doch wie die jüngsten Konflikte um den Wolf gezeigt haben, bleibt noch viel Arbeit, bis das Zusammenleben von Menschen und Wildtieren in der Schweiz funktioniert. “Der Umgang mit Wildtieren ist immer noch geprägt von Konflikten zwischen verschiedenen betroffenen Kreisen: Jagd, Naturschutz, Landschaftsschutz, Wald- und Landwirtschaft, Freizeitnutzung”, sagte Schnidrig.

Er selbst wolle dazu beitragen, “diese unnötigen und unergiebigen Konflikte aus der Welt zu schaffen”. Dazu brauche es aber eine “breite Allianz für die Wildtiere”.

Denn letztlich hätten alle dasselbe Ziel: “vielfältige Lebensräume in einer schönen Landschaft mit gesicherten und – wo dies sinnvoll ist – auch nachhaltig nutzbaren Wildtierbeständen”.

(SDA)


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