So wird ein Schulzimmer gezügelt

Von Stephanie Martina
Innert zwei Tagen ist das Schulhaus-Provisorium abgebaut und bereit für den Transport nach Bürglen
Innert zwei Tagen ist das Schulhaus-Provisorium abgebaut und bereit für den Transport nach Bürglen © zVg
Das ausgediente Schulhaus-Provisorium, das die Gemeinde Egnach anfangs Jahr verschenkte, wird in diesen Tagen abgebaut und nach Bürglen transportiert, wo es als Proberaum für die Musikgesellschaft dienen soll.

«Es läuft alles wie am Schnürchen. Der Abbau geht viel schneller voran, als wir dachten», sagt Edi Schönbächler. Der Bürgler ist seit vielen Jahren Mitglied in der Musikgesellschaft und wie er selbst sagt «Mädchen für alles». Anfangs sei er der Vereinsbeizer gewesen, dann wurde er gefragt, ob er sich auch um die Instrumente kümmern könnte und als jemand für die Perkussion gebraucht wurde, war ebenfalls Edi Schönbächler erste Wahl. «Und wenn irgendwo ein Häuschen abgebrochen und wieder aufgebaut werden soll, fragt man ebenfalls mich», scherzt er.

Doch genauso wenig wie er Noten lesen könne, habe er Erfahrungen im Ab- und Aufbau von Schulhaus-Provisorien. Das gilt auch für die drei anderen Helfer, die an diesem Morgen voller Elan dabei sind, den Boden des ehemaligen Schulzimmers zu zerlegen. Dennoch ging das aussergewöhnliche Unterfangen bisher ohne Zwischenfälle über die Bühne.

Edi Schönenberger (l.) und drei weitere Mitglieder der Musikgesellschaft Bürglen zerlegen den Schulzimmerboden in seine Einzelteile (Bild: FM1Today/Stephanie Martina)

Edi Schönenberger (l.) und drei weitere Mitglieder der Musikgesellschaft Bürglen zerlegen den Boden in seine Einzelteile (Bild: FM1Today/Stephanie Martina)

Jeder packt mit an

Bereits seit Wochen haben immer wieder Bürgler Musiker in Egnach dabei geholfen, den Pavillon für den Abbau bereit zu machen. «Sogar unser Dirigent hat geholfen, obwohl der kurz davor an der Schulter operiert wurde», erzählt Schönbächler. Dass die Musikgesellschaft Bürglen ein geselliger Verein ist, wird auch in diesen Tagen auf der Baustelle klar: Im Eingang eines der drei verlassenenen Sekundarschulhäusern im Gristenbühl steht ein grosser Gasgrill und eine Kaffeemaschine. «Wer hart arbeitet, muss auch währschaftlich essen. Gestern gab es zum Zmittag warmen Fleischkäse im Sandwich, heute gibt es Hackbraten-Eingeklemmte», sagt Schönbächler.

Danach geht es wieder an die Arbeit. Denn der Abbau des Schulzimmerbodens steht auf dem Programm. Am Tag zuvor wurde mit Hilfe von zwei Spezialisten und eines Krans das Dach abgebaut. Bis zum Feierabend waren auch die Aussenwände demontiert. Ende Woche sollen die Einzelteile dann die 17 Kilometer von Egnach nach Bürglen transportiert werden.

Zwei Hürden für den Proberaum

Verläuft alles so, wie es sich Schönbächler und die anderen OK-Mitglieder wünschen, wird der Pavillon im kommenden Frühling in Bürglen aufgebaut. Bis dahin werden die Einzelteile in einer Lastwagen-Garage im Dorf zwischengelagert. In rund einem Jahr sollen die ersten Proben darin stattfinden können.

Zwei Hürden muss der Pavillon aber noch nehmen: An einer ausserordentlichen Generalversammlung müssen die Mitgliedern der Musikgesellschaft dem neuen Proberaum zustimmen. Weiter müssen die nötigen Baubewilligungen erteilt werden. Beide Hürden scheinen jedoch überwindbar: Denn aktuell probt die Musikgesellschaft im Werkhof, den sie jedoch mit anderen Vereinen teilen muss. Eine undankbare Situation – vor allem wenn Auftritte anstehen. Ein eigener Proberaum würde den Vorteil bringen, dass an 365 Tagen im Jahr geprobt werden könnte.

Auch die Bauauflagen dürften kein Hindernis darstellen: Denn die Bauverwalterin von Bürglen ist Mitglied im Musikverein, weshalb genügend Fachwissen vorhanden ist. Edi Schönenberger ist zuversichtlich, dass sich die ganze Arbeit – der Ab- und Aufbau – lohnen wird, meint aber: «Ab und zu muss man eben Risiken eingehen.»

Die Wände des Schulhaus-Pavillons sind bereit für den Transport nach Bürglen:


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