St.Galler haften für US-Busse der Vadian Bank

Die Vadian Bank wurde 2014 verkauft, die Ortsbürgergemeinde haftet trotzdem.
Die Vadian Bank wurde 2014 verkauft, die Ortsbürgergemeinde haftet trotzdem. © Keystone/Ennio Leanza
Im vergangenen Jahr bezahlte die Vadian Bank eine Busse von vier Millionen Franken an die US-Justiz. Dies wegen unversteuerten amerikanischen Geldern auf Konten in St.Gallen. Für die Busse muss die Ortsbürgergemeinde St.Gallen gerade stehen.

Mitte 2014 wurde die Vadian Bank von der Ortsbürgergemeinde St.Gallen an die St.Galler Kantonalbank verkauft. Trotzdem haftet die Ortsbürgergemeinde für die Busse. So steht es in der Nichtanklage-Vereinbarung der Vadian Bank mit dem US-Justizdepartement. Die Vadian Bank hat US-Kunden zwischen 2008 und 2012 einen Diskretions-Service angeboten, der Nummernkonten, Codenamen oder die Zusammenarbeit mit Stiftungen im Fürstentum Liechtenstein umfasste.

Vergleichsweise hohe Busse

Aufhorchen lässt die Höhe der Busse. Die Vadian bezahlte 4,25 Millionen Dollar um der US-Strafverfolgung zu entgehen. Das deutet darauf hin, dass die Lokalbank mit ihren 26 Mitarbeitern stark im US-Geschäft engagiert war. Deutlich grössere Banken wie die Berner Kantonalbank zahlten Bussen in ähnlicher Höhe (4,6 Mio. Dollar). Dabei hatte sich die Vadian Bank lange Zeit als “Ersparnisanstalt der Stadt St.Gallen” auf das Geschäft mit Spargeldern, Hypotheken und kleinen Geschäftskrediten beschränkt. Erst als der Name und die Rechtsform 2007 geändert wurde, stieg die Vadian Bank ins Private Banking für vermögende Privatkunden im In- und Ausland ein.

Aussagen zur Geschäftsstrategie “verboten”

Wegen der zu erwartenden Busse hat die Ortsbürgergemeinde bereits 2014 eine Rückstellung gebildet, sagt Bürgerratspräsident Arno Noger der Nachrichtenagentur sda. Im Finanzbericht ist jene Rückstellung aber nicht zu finden. Angaben zur Geschäftsstrategie zwischen 2008 und 2012 macht Arno Noger nicht.”Die Darstellung der Geschäftsvorgänge, wie sie im Bericht des US-Justizdepartements beschrieben werden, darf von uns nicht kommentiert werden”, teilte Noger der sda mit und verwies auf das Agreement. Dieses verbietet den Verantwortlichen der Vadian öffentliche Aussagen zu machen, die dem “Statement of Facts” (Darstellung des US-Justizdepartements) widersprechen.

“Vadian machte, was alle machten”

Rückblickend findet Noger: “Die Vadian Bank hat, wie viele andere Banken auch, ein in der damaligen Situation anerkanntes, dem schweizerischen Recht entsprechendes Geschäftsmodell geführt, welches ihr erlaubt hat, sich auf dem Markt positiv zu entwickeln.” Anschliessend habe die Vadian Bank reagiert und 2012 eine Weissgeld-Strategie eingeführt.

Millionensegen dank Verkauf

Mit dem Verkauf der Vadian Bank nahm die Ortsbürgergemeinde laut Noger rund 42 Millionen Franken ein. Dabei sei die Bezahlung der Vier-Millionen-Busse bereits berücksichtigt. 16 Millionen wurden in einen Ergänzungsbau beim Seniorenwohnsitz Singenberg investiert. Für weitere 9 Millionen Franken wurde die Beteiligung an der Geriatrischen Klinik St.Gallen abgeschrieben. Wie stark die Busse das Jahresergebnis 2015 belastet, gibt der Ortsbürgerrat morgen, am 6. April 2016, bekannt. (sda/red)


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