Sturm auf Mossul: Militär-Allianz meldet Erfolge gegen IS

Kurdische Peschmerga-Miliz am Dienstag im Südosten von Mossul.
Kurdische Peschmerga-Miliz am Dienstag im Südosten von Mossul. © Keystone/EPA/AHMED JALIL
Das irakische Militär und die kurdische Peschmerga-Miliz haben 24 Stunden nach Beginn der Offensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Mossul erste Erfolge gemeldet. Rund 20 Dörfer seien eingenommen worden.

In Mossul im Norden des Landes leben etwa 1,5 Millionen Menschen, bis zu 8000 IS-Kämpfer halten sich zudem in der Stadt auf. Die Soldaten rücken von Süden und Südosten vor, die Peschmerga-Kämpfer von Osten aus. Unterstützt werden sie von einer US-geführten Militärkoalition, zu der auch Frankreich, Grossbritannien, Kanada und die Türkei gehören.

Auch die Türkei habe sich mit Luftangriffen an der Offensive beteiligt, sagte der türkische Regierungschef Binali Yildirim am Dienstag. Später relativierte Yildrim seine Aussage: Er kenne die Details der Operation nicht. Es gebe aber ein Abkommen, wonach türkische Kampfflugzeuge prinzipiell an der Koalition beteiligt seien. Die irakische Regierung lehnt die Teilnahme Ankaras an der Offensive eigentlich ab.

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian dämpfte Erwartungen auf eine schnelle Einnahme der Stadt. «Es wird kein ‘Blitzkrieg’», sagte Le Drian in Paris. Die Offensive könnte «mehrere Wochen, wenn nicht Monate» dauern. Er unterstrich zugleich die Bedeutung des Einsatzes. Mossul ist die letzte verbliebene Hochburg des IS im Irak.

Nach Angaben der Peschmerga griffen Kampfflugzeuge der Koalition an ihrem Frontabschnitt 17 IS-Stellungen an. Im Norden und Nordosten Mossuls hätten kurdische Kämpfer zudem einen beachtlichen Teil der 80 Kilometer langen Strasse nach Erbil unter ihre Kontrolle gebracht.

Ausserdem wurden in dem stark verminten Gelände um Mossul mindestens vier Autobomben zerstört. Informationen über Opfer gab es am Dienstag weder in der irakischen noch in der kurdischen Mitteilung.

Noch finden die Kämpfe im Vorland von Mossul statt. Der bevorstehende Strassen- und Häuserkampf dürfte nicht nur eine militärische, sondern auch eine humanitäre Herausforderung werden. Die Vereinten Nationen warnen, dass es einen Exodus von bis zu einer Million Menschen geben könnte.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) befürchtet zudem, dass Zehntausende Menschen von den Extremisten als lebende Schutzschilde missbraucht werden könnten. Der IOM-Chef in Irak, Thomas Weiss, sagte, wegen der Gefahr des Einsatzes von chemischen Waffen bemühe sich die Organisation auch um die Beschaffung von Gasmasken.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) fordert alle Kriegsparteien in Mossul auf, die Zivilisten zu schonen und zivile Einrichtungen wie Spitäler nicht anzugreifen. Das Rote Kreuz hat seine medizinischen Kapazitäten in der Nähe von Mossul ausgebaut und appelliert an die Konfliktparteien, Verwundete aus der Stadt zu lassen, damit sie behandelt werden könnten. Es bereite sich auch darauf vor, Opfer von Chemiewaffen zu behandeln. Das IKRK versuche ausserdem, Kontakt mit dem IS in Mossul aufzunehmen, um die Einhaltung grundlegender Regeln des Kriegsrechts zu erreichen.

Amnesty International (AI) warnte davor, dass sunnitischen Irakern nach dem Fall Mossuls Menschenrechtsverletzungen durch die Regierungstruppen und schiitischen Milizen drohten. AI verwies auf eigene Recherchen über Fälle von aussergerichtlichen Hinrichtungen und Folter in früheren Fällen wie um Falludscha, wo die IS vertrieben worden sei.

EU-Sicherheitskommissar Julian King warnte vor einer erhöhten Terrorgefahr in Europa durch den Sturm auf Mossul. «Die Rückeroberung der nordirakischen IS-Hochburg Mossul kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen», sagte er der Zeitung «Welt». «Das ist eine sehr ernste Bedrohung, auf die wir vorbereitet sein müssen.»

Frankreich, der Irak und weitere Partner wollen am Donnerstag in Paris über die künftige Stabilisierung von Mossul beraten. Mehr als 20 Länder und Organisationen sollten an dem Treffen teilnehmen, wie das französische Aussenministerium mitteilte.

(SDA)


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