SVP holt in Deutschschweiz Stimmen und FDP in lateinischer Schweiz

In der Deutschschweiz haben die meisten Wähler SVP-Kandidaten auf ihre Wahllisten genommen - in der lateinischen Schweiz machte hingegen die FDP das Rennen. (Symbolbild)
In der Deutschschweiz haben die meisten Wähler SVP-Kandidaten auf ihre Wahllisten genommen - in der lateinischen Schweiz machte hingegen die FDP das Rennen. (Symbolbild) © KEYSTONE/DOMINIC STEINMANN
Die grosse Wahlsiegerin SVP hat wiederum vor allem in der Deutschschweiz gepunktet. Dort ist sie seit den Wahlen 1999 wählerstärkste Partei und erreichte nun einen Rekord von 32,9 Prozent. In der Romandie und im Tessin hat aber die FDP die meisten Stimmen geholt.

In der lateinischen Schweiz liegt die SVP hinter der FDP. Die Freisinnigen haben dort am meisten Stimmen geholt, nämlich 22,1 Prozent respektive 23,3 Prozent in der italienischsprachigen Schweiz. Die SVP holte 21,0 Prozent in der Romandie und 12,1 Prozent der Stimmen im Tessin, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Wahlstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) hervorgeht.

In der Romandie hat die FDP damit die SP vom Spitzenplatz verdrängt. Die Sozialdemokraten hatten im französischsprachigen Landesteil bei den letzten Wahlen nämlich mit 23,2 Prozent die meisten Stimmen geholt – 2015 erreichten sie noch 21,1 Prozent. Hingegen legte die SP in der Deutschschweiz leicht zu, von 17,6 auf 18,4 Prozent aller Wählerstimmen.

Die grossen Verliererinnen BDP und GLP haben vor allem in der Deutschschweiz Stimmen eingebüsst. In der lateinischen Schweiz haben sie ganz leicht verloren oder sogar um wenige Punkte zugelegt. Dabei gilt es aber zu beachten, dass beide Parteien in der Deutschschweiz generell stärker verankert sind als in den lateinischen Landesteilen. In der Romandie holte die BDP 1,1 und die GLP 2,4 Prozent; in der italienischsprachigen Schweiz 0,2 und 0,9 Prozent der Stimmen.

Die CVP musste ebenfalls in der Deutschschweiz, aber auch in der italienischsprachigen Schweiz Verluste hinnehmen, allerdings weniger grosse als die beiden kleineren Mitteparteien. Und in der französischsprachigen Schweiz legte sie von 13,4 auf 14,9 Prozent sogar leicht zu.

Für Politologe Werner Seitz bestätigen die Zahlen die politisch-kulturellen Unterschiede zwischen den Sprachregionen: Die SVP und die Mitteparteien dominieren vor allem in der Deutschschweiz. In der Romandie hingegen sind vor allem FDP, CVP und die linken Parteien stark.

Zwar gebe es eine Nationalisierung des Parteiensystems, das heisst, dass nun sämtliche Parteien in allen Sprachregionen der Schweiz vertreten seien. Allerdings gebe es in der Stärke der Parteien noch immer Unterschiede, sagt Seitz der Nachrichtenagentur sda.

Eine leichte Angleichung der Wählerstimmen in der Deutsch- und Westschweiz sieht der Politologe Georg Lutz von der Universität Lausanne. Er relativiert aber diese Einschätzung in Bezug auf die SVP: Dort habe sich der Unterschied der Deutsch- und Westschweizer Wählerstimmen nämlich verstärkt.

Dieser Unterschied zwischen den beiden Regionen betrug 2011 noch 9,1 Prozentpunkte und nun 11,9 Prozentpunkte. “Das ist beeindruckend”, konstatiert Lutz. In der Deutschschweiz habe die SVP Kandidaten gehabt, welche einem grossen Publikum bekannt gewesen seien – hingegen habe es in der Westschweiz an solchen starken Persönlichkeiten gefehlt, erklärt Lutz.

Zudem hätten interne Querelen in der Waadtländer SVP sowie radikale Kandidaten wie Jean-Luc Addor im Wallis verhindert, dass die Partei auch ausserhalb ihrer Stammwählerschaft Stimmen geholt habe.

Einen Rechtsrutsch um 6 Prozentpunkte gab es in der italienischsprachigen Schweiz: Dort haben sämtliche Parteien Stimmen verloren – ausser der SVP, den kleinen Rechtsparteien, von denen vor allem die Lega stark ist, sowie die GLP. Die Grünliberalen machen aber weniger als ein Prozentpunkt aller Wählerstimmen aus.

Die kleinen Rechtsparteien haben ihren Stimmenanteil von 16,9 auf 21 Prozent gesteigert und holten hinter der FDP am meisten Stimmen. Die SVP legte von 10,3 auf 12,1 Prozent zu. Zusammen machen die Rechtsparteien so über 30 Prozent in der italienischsprachigen Schweiz aus.

Seitz vermutet hier einen Zusammenhang mit der Grenzgänger-Problematik, die sich bereits in der Zuwanderungsinitiative vom 9. Februar 2014 gezeigt habe. Damals hatten die Tessiner mit grosser Mehrheit für die Initiative gestimmt.

(SDA)


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