Teams der Schweizer in der Aussenseiterrolle

Brilliert Roman Josi auch in den Playoffs?
Brilliert Roman Josi auch in den Playoffs? © KEYSTONE/AP/MARK HUMPHREY
In der Nacht auf Donnerstag beginnen in der NHL die Playoffs. Die Schweizer Stammspieler Roman Josi, Nino Niederreiter und Mark Streit sind mit ihren Teams Aussenseiter.

Josi und die Nashville Predators treffen auf die Anaheim Ducks, die zum vierten Mal in Folge den Titel in der Pacific Division gewonnen haben. Die Kalifornier, die vor der Saison zu den meistgenannten Kandidaten auf den Stanley-Cup-Triumph gehörten, präsentierten sich heuer in ausgezeichneter Verfassung. Am 29. Dezember des vergangenen Jahres hatten sie in ihrer Division noch den letzten Platz belegt, in der gesamten Liga wiesen nur die Columbus Blue Jackets zu diesem Zeitpunkt weniger Punkte aus. In den letzten 50 Spielen holten die Ducks jedoch 74 Zähler; von Mitte Februar bis Anfang März feierten sie elf Siege in Folge. Anaheim kassierte in der Regular Season am wenigsten Gegentore und war auch im Power- sowie im Boxplay die Nummer 1 der Liga.

Nashville befindet sich allerdings ebenfalls in guter Form. Es ist seit dem 12. Februar das drittbeste Team der NHL, nachdem es von Mitte Februar bis Mitte März in 14 Partien hintereinander gepunktet und damit einen Franchise-Rekord aufgestellt hat. Zudem steht es in den Direktbegegnungen 2:1 für die Predators, wobei es nur Heimsiege gab. Sie hätten nach dem gelungenen Saisonabschluss ein “gesundes Selbstvertrauen”, sagte Josi. “Wir sind ein komplettes Team”.

Die Leistungssteigerung führte er darauf zurück, dass “wir defensiv besser gespielt haben. Das war der Schlüssel zum Erfolg.” Anaheim bezeichnete er als “sehr physische Mannschaft mit einem guten Lauf. Wir müssen sehr diszipliniert spielen”. Die Vorfreude auf die Playoffs ist beim Berner Verteidiger gross. “Das ist die schönste Zeit im Jahr”, so Josi, für den der SC Bern eine Inspiration ist. Insbesondere in der NHL sei in den Playoffs alles möglich. Es gelte nun, einen positiven Drive hinzubekommen.

Josi nahm bei Nashville eine Hauptrolle ein. Er erhielt in seinem Team am meisten Einsatzzeit und war mit 14 Toren und 47 Assists der zweitbeste Skorer. Mit 61 Punkten erreichte er so viele Punkte wie noch kein Verteidiger zuvor bei Nashville. Ligaweit schafften nur drei Defensivspieler mehr Zähler. Worauf führt er die Steigerung zurück? “Mit der Erfahrung weiss man besser, wie man sich in gewissen Situationen verhalten muss. Das hilft.” Der Rekord erfülle ihn schon mit “etwas stolz”.

Die Minnesota Wild mit Niederreiter bekommen es mit Dallas zu tun. Die Stars schlossen die Qualifikation als beste Mannschaft der Western Conference ab. Die Stärken der Texaner liegen in der Offensive; sie erzielten am meisten Tore (265). Besonderes Augenmerk gilt Jamie Benn (89 Punkte) und dem ehemaligen Bieler Tyler Seguin (73), die beide im Schnitt mehr als einen Punkt pro Partie produzierten. Seguin fehlte allerdings die letzten zehn Spiele wegen einer Achillessehnen-Verletzung, weshalb ein Fragezeichen hinter ihm steht.

Minnesota baut auf eine solide Defensive. Die Wild blicken auf eine Saison mit vielen Auf und Ab zurück. Mitte Februar, nach 13 Niederlagen in 14 Partien, wurde Headcoach Mike Yeo interimistisch durch John Torchetti ersetzt. Was hat dies gebracht? “Das ist schwierig zu sagen. Ich habe das Gefühl, dass wir einfach eine neue Stimme brauchten”, sagte Niederreiter. Torchetti weiss, wie man den Stanley Cup gewinnt, war er doch Trainerassistent bei den Chicago Blackhawks bei deren Triumph 2010. Allerdings fehlte es Minnesota auch unter dem 51-Jährigen an Konstanz. “Es war ein grosser Kampf, in die Playoffs zu kommen”, so Niederreiter. “Nun kommt wie eine neue Saison. Es ist egal, wie man die Playoffs erreicht.” Gegen Dallas gingen zwar vier der fünf Saisonduelle verloren, dreimal unterlag Minnesota aber erst in der Verlängerung. Zudem fanden sämtliche Begegnungen vor dem Antritt von Torchetti statt.

Niederreiter überzeugte in seiner dritten Saison bei Minnesota. Mit 20 Toren und 23 Assists übertraf er erstmals die 40-Punkte-Marke, sein angestrebtes Ziel. Damit war er der drittbeste Torschütze und fünftbeste Skorer der Wild, obwohl sechs Stürmer von Minnesota im Durchschnitt mehr Eiszeit erhielten. Auch die Plus-Minus-Bilanz (+9) kann sich sehen lassen. “Im Grossen und Ganzen war es eine gute Saison. Ich spielte mehr oder weniger konstant”, sagte Niederreiter. Er sehe jedoch, dass noch mehr möglich sei. Das sei gut.

Streit und die Philadelphia Flyers haben gegen Washington die auf dem Papier schwierigste Aufgabe. Die Capitals holten in der Regular Season mit Abstand am meisten Punkte (120). Washington war jedoch bereits 2010 das beste Team der Liga gewesen und scheiterte damals in der ersten Playoff-Runde an den Montreal Canadiens. Mit dem russischen Superstar Alexander Owetschkin, der seit 2005 für die Franchise spielt und zum dritten Mal in Folge mindestens 50 Tore schoss, kamen die Capitals noch nie über die Viertelfinals hinaus. Philadelphia qualifizierte sich erst am zweitletzten Spieltag für die Playoffs – dank 20 Siegen in den letzten 35 Partien. Dass die Flyers mit Washington mithalten können, bewiesen sie in der Regular Season, in der sie zwei von vier Duellen für sich entschieden. Streit musste sich in 62 Begegnungen mit sechs Toren und 17 Assists begnügen.

Chicago strebt die erste erfolgreiche Titelverteidigung seit 1998 (Detroit) an. Die Blackhawks werden vom Ex-Bieler Patrick Kane angeführt, der mit 106 Punkten (46 Tore) der beste Skorer der Qualifikation war.

(SDA)


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